Herzlich Willkommen
Die Ottonenzeit - Zeitleiste

Ottonische Darsteller

Caballeros Villanos

Ottonische Orte:
Pfalz Tilleda
Kontakt:
Feedback-Formular

cruzcampos de León

Letzte Änderung: September 2008, © 2002 - 2008 Lebendige Geschichte e.V. der Pfalz Tilleda
Impressum: Lebendige Geschichte e.V. der Pfalz Tilleda - Gut Gimritz 17 - 06108 Halle  - E-Mail: s.o. Kontakt -  Internet: http://www.ottonenzeit.de
Inhaltlich Verantwortlicher gemäß § 55 Abs. 2 RStV: Torsten Kreutzfeldt (Anschrift wie oben)
Haftungshinweis: Trotz sorgfältiger inhaltlicher Kontrolle übernehmen wir keine Haftung für die Inhalte externer Links. Für den Inhalt der verlinkten Seiten sind ausschließlich deren Betreiber verantwortlich.

Seitenbeginn

Die Caballeros Villanos im Netzwerk Ottonik

Wer wir sind    Die Caballeros Villanos Árevalo - Unsere Villa (Ein Beispiel) Unsere Termine Jaima - ein maurisches Zelt

Die Caballeros Villanos

Im Grenzgebiet zu den Mauren ließ sich das ansonsten im übrigen Europa des Mittelalters übliche System des Feudalismus, das eine zunehmende Entrechtung der Bauern beinhaltete, nicht in der uns bekannten Form anwenden. Und da der Feudalismus ja kein geplantes System, sondern ein durch die Verhältnisse entstehendes System war, entstanden durch die auf der iberischen Halbinsel so völlig anders gearteten Verhältnisse in den Königreichen Portugal, León und Castilla vom 10. bis 13. Jahrhundert Stände, von denen wir, außer in diesen iberischen Königreichen, keine Kenntnis haben.Dazu gehören die Caballeros Villanos, auch städtische oder braune (wegen ihrer Kleidung) Ritter genannt. Der Begriff Ritter ist hier irreführend. Denn dieser beinhaltet im Allgemeinen den Adelsstand. Doch Caballero Villano konnte jeder werden, der sich im von den Mauren verlassenen Grenzgebieten ansiedelte und vom König, dem in erster Linie die in der Reconquista eroberten Gebiete zufielen, mit Land und Rechten ausgestattet wurde. Diese Rechte oder fueros befreiten von den ansonsten in Europa üblichen Fron- und Arbeitsdiensten und Abhängigkeiten zu adligen Vasallen des Königs. Das Land des „braunen Ritters“ reicht üblicherweise aus, ihn mit einem Pferd und Reiterwaffen auszustatten. Da die spanische Gesellschaft übergangslos von der Antike über Völkerwanderung und arabischer Eroberung eine städtische war, siedelten sich diese nichtadligen Ritter in Villas, kleinen Landstädten an, die mitunter später Stadtrechte erhielten, deshalb auch die spätmittelalterlichen Bezeichnungen Caballeros ciudadanos oder Caballeros burgueses. Eine dieser Villas war Castrojeriz in Kastilien:
Wir gewähren gute Rechte den berittenen Soldaten, daß sie den Status von Adligen genießen sollen ... und ein jeder Mann soll sein Land besiedeln ... und wenn jemand einen Ritter von Castrogeriz, töten sollte, so soll er für ihn [eine Entschädigung von] 500 Solidi zahlen ... die Männer von Castrogeriz sollen keine Zölle zahlen ... Lind die Geistlichen sollen dieselben Rechte haben wie die Ritter ... wenn ein Ritter von Castrogeriz kein Lehen besitzt, so soll er von Waffendienst frei sein, wenn ihm nicht der merino [ein königlicher Beamter] seinen Sold und seinen Unterhalt zur Verfügung stellt ...
Fuero von Castrojeriz, zitiert nach Fletcher: El Cid, S. 99
Die vom König übertragenden Rechte verpflichtete die „Dorfritter“ ihre Villa und ihr Land selbst zu verteidigen und Kontingente (Caballería Villana) für den weiteren Eroberungskrieg zu stellen. Die iberischen Könige verließen sich bei ihrem militärischen Vorgehen weniger auf den Adel, sondern stellten ihre Armee auf drei Säulen: Adel, Militärorden (Santiago, Calatrava, Templer usw.) und die Milizen der Cabellería Villana. Gerade diese Dorfmilizen stellten sehr disziplinierte und schnellagierende Reiterabteilungen dar, die dem König erlaubten, auch ohne Adelsunterstützung seine Ziele durchzusetzen. Mitunter aber waren die Caballeros villanos nichts weiter als bewaffnete und berittene Kuh-, Schaf- oder Schweinehirten, deren Gunst sich der König mit der Verteilung von Land und Rechten teuer erkaufen musste, wobei dies womöglich billiger war, als bei den raffgierigen Adelshäusern oder Ordensrittern, die sich ja wiederum auch aus Adligen zusammensetzen. Im 11. Jahrhundert, welches wir darstellen wollen, waren die bewaffneten Neusiedler für den König noch wichtiger, da er noch nicht über die Ordensritter verfügen konnte, deren Entstehen erst im Kreuzzugsbewegung ansetzte, diese „Milizen Gottes“ waren ja bekanntlich eine Idee des Bernhard von Clairvaux. Der Gedanke, nichtadlige und dennoch freie mittelalterliche Menschen darzustellen, faszinierte uns. Wir beschlossen deshalb Menschen aus einer Villa im Königreich León darzustellen.
Kulturell bewegen wir uns an der Grenze vom Früh- zum Hochmittelalter, allerdings mit einem Fuß im Orient, denn im Grenzgebiet zum arabischen Al-Andalus ist unsere Villa gegründet worden. Peter Dressendörfer beschreibt dies in einem Artikel in "Terror oder Toleranz?" folgendermaßen:
Was historische Atlanten immer mehr oder weniger genau zeigen, sind kurzlebige Grenzlinien zwischen oft noch kurzlebigeren Staatengebilden, nicht mehr. Mit dem Proporz der Religionen haben sie wenig zu tun und ebenso wenig mit der Kulturzugehörigkeit der jeweiligen Bewohner. Längst hatte sich eine Art gemeinsamer iberischer Kultur herausgebildet, die je nach Religionszugehörigkeit mehr lateinisch-christliche oder arabisch-islamische Züge aufwies, die aber doch in wesentlichen Teilen eine unteilbare iberische Regionalkultur bildete.