Wirklich noble Herren !

Adliges Leben im Mittelalter am Beispiel des elften Jahrhunderts und der
Taten des Rodrigo Diaz de Vivar, besser bekannt als El Cid.


"... kaum war das tausendste Jahr nach der Geburt des Erlösers Jesu Christ durch die sündenlose Jungfrau gekommen, erstrahlte die Welt in hellem Morgenglanz!"
Thietmar von Merseburg in seiner Chronik


War das 10. , das ottonische oder sächsische Jahrhundert, noch im Dunkel vielfältiger Bedrohungen (Überfälle durch die Wikinger, die Ungarn und durch sarazenische Piraten) gehüllt, die Landwirtschaft kaum geeignet, die Menschen ausreichend zu ernähren, so war das 11. Jahrhundert ein dynamisches Jahrhundert, das durch Fortschritte in der Landwirtschaft, ein neues Selbstbewußtsein der Kirche und durch den Aufbruch einer neuen Schicht geprägt war, die wir heute als "Ritter" bezeichnen. Stellte im 10. Jahrhundert das ottonische Kaiserreich den einzigen stabilisierenden Faktor dar, der in der Lage war, äußere Bedrohungen abzuwehren, so kamen im 11. Jahrhundert neue Staaten hinzu: Mit der Dynastie der Capets wird aus dem Westfrankenreich ab 987 Frankreich, ab 1066 entsteht unter den Normannen England, Kaiser Alfonso VI., ab 1072 Herrscher der spanischen Königreiche León, Kastilien und Galizien wird Quasi-Beherrscher der spanischen Halbinsel und erhebt sogar Anspruch auf das Römische Kaiserreich (Dt. Reich), aus Polen, Ungarn und Dänemark werden Christliche Königreiche. In diese Zeit fielen die Kirchenreformbewegung, die vom burgundischen Kloster Cluny ausging. Aber es spaltete sich auch 1054 die Christenheit zwischen Byzanz und Rom. Mit den Jahren 1075 u. 1077 (Gang nach Canossa) erlebten wir den Höhepunkt des Investiturstreites. Die Ausformung einer neuen Baukunst begann, die wir heute als "Romanik" bezeichnen. Die Gestalt der feudalen Festung "Burg" mit Bergfried und Ringwall, wie wir sie heute kennen, formte sich aus. Auch die Städte nahmen einen Aufschwung (zuerst Venedig). Mit einer neuen Mobilität (Handelsstraßen und Pilgerwege) ergaben sich auch für den Bauern oder armen Vasallen in der Ferne neue Chancen. Noch hatten sich nirgendwo die Strukturen verfestigt. Ihren Höhepunkt erreicht diese Mobilität am Ende des Jahrhunderts im ersten Kreuzzug, der 1099 durch die Eroberung von Jerusalem seinen Abschluß fand.

Erst im Jahre 711 endete die Völkerwanderungszeit in Spanien. Eine Handvoll arabischer Abenteuerer, die von Nordarabien übersetzten, eroberten das westgotische Königreich im Sturm und zwangen die romanische Bevölkerung unter eine neue Herrschaft. In der Folge führten die spanisch-islamischen Emire und Kalifen das Land zu einer Hochblüte, während das Christentum angepaßt unter arabischer Herrschaft oder fanatisiert in den "Barbarenkönigreichen" des Nordens, die da Asturien, Navarra und Aragon hießen, überlebte. Erst 1002 endet mit dem Tod des islamischen Feldherrn "Almansor" die Kalifenzeit und das arabische Spanien zerfällt in zahlreiche Kleinstaaten, Taifas, die in der Folgezeit in die Abhängigkeit der nun militärisch mächtigeren Königreiche des Nordens gerieten.

Eine Schlacht zwischen Christen und Mauren, typisch für das Spanien des 11. Jahrhunderts und für das Leben des Cid.

Höhepunkte dieser Entwicklung waren die Regierungszeit von Sancho dem Großen (bis 1035) und von Alfonso VI. (1065-1109). Die Dominanz der christlichen Könige wurde durch eine neue Kaste von Berufskriegern gewährleistet, z.T. aus Burgund, der Normandie und dem Frankenreich kommend, die dank Steigbügel, Panzerhemd und Lanze den arabischen Truppen überlegen waren. Die Eroberung von Toledo 1085 durch Alfonso VI. stellte den Abschluß und das Ende dieser Entwicklung dar. Denn dadurch riefen die restlichen Taifa-Kleinstaaten die islamisch-berberischen Almoraviden zu Hilfe, die die Abhängigkeit der Kleinstaaten von den christlichen Reichen beendeten und diese damit in eine wirtschaftliche Krise stürzten. Der tolerante Islam der Kalifenzeit wurde durch einen nordafrikanisch geprägten fanatischen Islam abgelöst.

Ein Mann aus der neuen militärischen Kaste, auf die sich im ganzen 11. Jahrhundert die christlichen Königreiche stützten, war Rodrigo Diaz de Vivar. Sein Beispiel steht neben vielen anderen wie Gottfried von Bouillon, der im Heiligen Land eine neue Herrschaft begründete, das Königreich Jerusalem. Die Verklärung des El Cids als spanischen Nationalhelden geht aus verschiedenen Gründen fehl. Unbestritten ist jedoch, daß der Cid ein außerordentlich begabter militärischer Führer und ein vielseitig gebildeter Mann war. Anders als viele Standesgenossen nicht nur ein "Haudrauf", sondern sicher der in Spanien damalig gebräuchlichen Sprachen (darunter Arabisch) in Wort und Schrift mächtig, war er sogar für den kastilischen König als Jurist tätig. Als er sich mit seinem König überworfen hatte, wurde er, wie damals üblich, ins Exil geschickt. Im Dienste des Emirs von Zaragoza schlug er dessen Feinde, die christlichen Könige. Hier zeigte sich, daß er wie kein anderer verstand, die damalige Panzerreiterei als unbesiegbaren Truppenverband zu führen, seine kleine Söldnerarmee schlug mehrmals wesentlich größere Heere. Kurzfristig wieder mit Kastilien versöhnt, machte er sich erneut selbstständig und eroberte auf eigene Rechnung das Emirat Valencia und wurde dessen Fürst. Er schlug die Almoraviden mehrmals entscheidend zurück, die Gründung einer Dynastie scheiterte aber, weil sein Sohn Diego 1097 in den Kämpfen um Toledo starb. 1099 starb der Cid friedlich im Bett in Valencia. 1102 mußte seine Witwe Jimena die Stadt evakuieren, der Cid kehrte als Leichnam nach Kastilien zurück.

zurück zum service.

Seitenanfang Home Kontakt Gästebuch Impressum Sitemap
© 2002 Letzte Änderung: 16. März 2002