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Radtour an Unstrut, Saale und Ilm

26. bis 31. Juli 2005

„Man muss nicht unbedingt in die Karibik fahren, um schön Urlaub zu machen“ (Marie-Carmen)

RoutenplanungEin kleines Vorwort:

Da unsere Kinder Marie-Carmen (11) und Johannes León (8) jetzt alt genug für eine kleine Abenteuertour sind, planen wir für unseren Sommerurlaub 2005 eine mehrtägige Radtour. Direkt vor unserem Haus verläuft der Saale-Radwanderweg entlang, deshalb soll die Tour hier beginnen und enden. Etappen können wir nicht planen, da wir die Kondition der Kinder noch nicht einschätzen können. Also müssen genügend mögliche Etappenorte vorhanden sein. Da wir nichts doppelt fahren wollen, soll es ein Rundweg sein. Bei der Vorbereitung finde ich Informationen über den Saale- und den Unstrut-Radwanderweg, dazu Hinweise auf bereits ausgeschilderte und in Planung befindliche Wege ohne Beschreibungen, deshalb beschließe ich, unseren Erfahrungsbericht im Internet anderen Interessenten zur Verfügung zu stellen. Hier ist er also:

1. Tag: Dienstag, der 26. Juli 2005 – Halle bis Langeneichstädt (Kreis Merseburg-Querfurt)

Wir starten um 9 Uhr auf der Peißnitzinsel in Halle bei bedecktem Himmel und 20°C. Mit auf Tour sind Torsten, Annette (also ich), Marie-Carmen, Johannes und im Transportkäfig Marie-Carmens Ratte Kardamom, deren Bruder am Vortag gestorben ist. Ehe Kardamom zu Hause einsam stirbt, soll die 2 Jahre alte Ratz noch ein paar schöne Tage haben, auch wenn sie die Tour vielleicht auch nicht übersteht. Auf dem Saale-Radweg fahren wir bis zur Genzmer Brücke und biegen dann nach rechts in die Saaleaue ab, überqueren die Elisabeth-Saale, dann geht´s weiter nach Süden zwischen Saale und Kanal, bis wir an der Brücke zur Rabeninsel stehen. Zum ersten Mal die Richtung verpeilt! Nicht schlimm, wir biegen nach rechts auf einen Plattenweg ein und erreichen nach 10 min westlich den Kanal. Ein Stück „Düsterwald“ zwischen Disteln und Brennnesseln. Von da ab fahren wir weiter nach Süden, rechter Hand liegt der Kanal, es gibt ein paar schöne Badestellen (müssen wir uns merken). Der Weg ist eigentlich ein Wander-, kein Radweg, wenig genutzt, Rainfarn und Wegwarten überragen die Köpfe der Kinder, wunderschön, aber beschwerlich. Marie-Carmen schimpft das erste Mal, einmal ist sie auch gestürzt, aber nichts passiert. Wir folgen dem Kanal bis zur S-Bahn, biegen nach links ab und erreichen wieder die Saale. Nach der Unterführung unter dem Bahndamm läuft der Weg direkt entlang der Saale als Wiesen-Weg, auch schön aber anstrengend. Kurze Zeit später geht´s rechts nach Holleben. Ab hier ist der Weg in der Karte als Radweg gekennzeichnet, es gibt aber keinerlei Wegmarkierungen. Nach einem Umweg durch den Ort finden wir ihn, zwischen den Koppeln des Gestüts verläuft er über Feld- und Wiesenwege bis nach Benkendorf – eigentlich schön, aber kräftezehrend vor allen für Johannes auf seinem kleinen Rad, außerdem gibt es Bremsen. In Benkendorf überqueren wir die relativ befahrene Straße und folgen dem Radweg Richtung Delitz am Berge. Hinter der Bahnlinie gibt es eine Steigung („am Berge“) mit Kopfsteinpflaster, wir sind froh, als wir die Straße erreichen. Durch Delitz folgen wir der Straße nach Bad Lauchstädt, das noch 5 km entfernt ist.

In Bad Lauchstädt wird es Zeit zum MittagessenRast am Weg

Die Straße ist mäßig befahren und überquert die Autobahn, wir haben Bad Lauchstädt nach kurzer Zeit erreicht, es ist 12 Uhr, Mittagessenszeit. Am Markt im „Lauchstädter Hof“ können wir draußen bei den Rädern sitzen, uns schmeckt´s, Johannes lobt vor allem sein Hähnchensteak mit Reis und Käsesoße. Danach schieben wir die Räder eine Runde durch den Kurpark (fahren ist hier nicht erlaubt), sehr schöne Anlage, Rosen, Tagetes, Buchsbaumhecken und rote Geranien, Enten auf dem Teich, bevor wir Bad Lauchstädt Richtung Süden verlassen. Unser nächstes Ziel ist Klobikau, am Ortsausgang steht jedoch „Milzau“. Das ist die falsche Richtung! Wir umfahren Bad Lauchstädt nach rechts im Bogen, um die richtige Straße zu finden. Hätten wir das nicht getan! Nach kurzer Zeit stehen wir auf dem Feld, mehrere Wege zur Auswahl, rechts von uns ein Dorf (welches?), Staub, Steine, Hitze. Nach ca. 1 ½ Stunden landen wir wieder auf der Straße, die wir vorher verlassen haben. Vor allem Johannes ist ziemlich am Ende seiner Kraft. Wir müssen dringend auf Herbergssuche gehen. In Klobikau gibt es keine Gaststätte, aber einen Spielplatz für eine kleine Rast. Danach arbeiten wir uns Stück für Stück über Nieder- und Oberwünsch bis nach Langeneichstädt vor. Den letzten Anstieg über Kopfsteinpflaster schieben Hannes und ich die Räder langsam bergan bis zum Bahnübergang der Burgenlandbahn, den wir ca. 17 Uhr erreichen, während Marie-Carmen und Torsten schon eine Viertelstunde an der Gaststätte „Zur Warte“ auf uns warten. Hier fragen wir nach einer Übernachtungsmöglichkeit. Die Wirtin Frau Thiem telefoniert für uns im Ort herum und findet ein Zimmer bei Familie Griesbach, das in der nächsten halben Stunde für uns hergerichtet wird. Das Zimmer ist einfach und preiswert, DDR-Charme, das Wasser der Dusche warm, zum Frühstück gibt´s selbstgekochte Himbeermarmelade und Eier von eigenen Hühnern. Zuvor essen wir jedoch noch in der „Warte“ zu Abend und fallen dann in unsere Betten. Die Kinder werden nach dem Essen wieder so munter, dass wir ihnen eine Wanderung zur 1,5 km entfernten „Eichstädter Warte“ androhen.

2. Tag: Mittwoch, der 27. Juli 2005 – Langeneichstädt bis Memleben (Burgenlandkreis)

Nach dem Frühstück brechen wir 8.45 Uhr auf in Richtung Jüdendorf. Den Anstieg schaffen wir jetzt problemlos, gleich hinter Jüdendorf liegt Kalzendorf, hier wäre die nächste Übernachtungsmöglichkeit gewesen, ein Motel, von außen ansprechend, 7 km hinter Langeneichstädt aber am Vortag für Johannes unerreichbar.

RasenlabyrinthIn Steigra gibt es ein Rasenlabyrinth

Heute fahren wir nach kurzer Rast gleich bis Steigra weiter, wo es die „Trojaburg“ zu besichtigen gibt, ein (wahrscheinlich mittelalterliches) Rasenlabyrinth, das die Kinder und Kardamom in allen Richtungen ablaufen. Danach kommt die „Abfahrt des Tages“: auf einer zum Glück nur mäßig befahrenen Landstraße mit Tempo 50 (wegen der Kurven) geht es von Steigra hinab ins Unstruttal. Wir brauchen für die 2 km wenige Minuten, die Autos bleiben (wahrscheinlich schimpfend) schön hinter uns. Die Kinder sind begeistert. Den Anstieg in der Gegenrichtung möchte ich jedoch nicht mit dem Fahrrad machen. Im Tal angekommen, biegen wir nach rechts in Richtung Reinsdorf ab. Bis vor kurzem verlief der Unstrut-Radweg noch entlang dieser Straße (auch auf unserer Karte), jetzt gibt es einen separaten Asphaltweg direkt am Unstrutufer, auf den wir in Reinsdorf stoßen. Von hier aus geht es an der Kreuzkirche vorbei über eine Fahrrad-/Fußgängerbrücke über die Unstrut nach Nebra, das eigentlich unser heutiger Etappenort sein sollte. Aber Nebra erscheint uns ziemlich ungastlich, keine Hinweisschilder zur (laut Karte vorhandenen) Stadtinformation, keine Hinweise auf Übernachtungsmöglichkeiten.  Wir schieben die Räder entnervt durch den bergigen Ort, bis wir unten an der Brücke die einzige Zimmervermietung finden. Hier ist alles besetzt, aber die Wirtin telefoniert für uns mit der Pension „Zum Storchennest“ in Memleben und lässt uns ein Zimmer reservieren. Es ist 13 Uhr, als wir Nebra verlassen. Mit der Aussicht auf den „Erlebnistierpark“ lassen sich auch die Kinder zur Weiterfahrt motivieren. Der Weg entlang der Unstrut bis Memleben (7 km) ist das bisher schönste Stück der Tour, gut zu fahren auf ebenem Asphaltweg durch Wiesen und Felder am Flussufer, vorbei am Mittelberg, dem Fundort der Himmelsscheibe, bis zur Klosterruine der Kaiserpfalz von Heinrich I. und Otto I., die wir diesmal jedoch nicht besichtigen.

Ottonische Pfalz und ErlebnistierparkMemleben in Sicht in Memleben

In Memleben angekommen, beziehen wir zunächst unser Zimmer im „Storchennest“ und kehren dann zurück zum „Café am Kloster“, wo Torsten zum Schreiben bleibt, während die Kinder und ich den Nachmittag im „Erlebnistierpark“ verbringen. Hier werden Film- und Zirkustiere ausgebildet, es gibt neben Pferden und Ponys Elefanten, Kamele, Ziegen, Lamas, Rhesusaffen, Kängurus, Esel, Waschbären, Alligatoren und vieles mehr. Von einer Mitarbeiterin erfahren wir, dass der bulgarische Zirkus Charivari seit 6 Jahren sein Zirkuszelt hier aufgeschlagen hat und nun ständig hier ist. Nach Filmtierschau und Puppentheater sehen wir uns noch die Show „Tanzende Pferde“ zum Tagesabschluss an. Neben einer zweiten Familie sind wir die einzigen Gäste, Privatvorstellung im Zirkuszelt. Die Hohe Schule auf einem schwarzen Andalusierhengst zu spanischer Gitarrenmusik von 2 Gitarristen ist spitze. Vorher hat sich Marie-Carmen mit den Ponys angefreundet, während Johannes in der Zirkusschule am Trapez geturnt hat. Wem der Tag im Erlebnistierpark noch nicht gereicht hat, der kann auch im Zirkuswagen übernachten. Nach dem Abendbrot machen wir noch einen kleinen Spaziergang an die Unstrut, wo eine Schwanenfamilie mit 3 Jungen schwimmt, während sich auf den Stromleitungen Hunderte von Schwalben sammeln. Dann schlafen wir, bis uns nach einem ziemlich heißen Tag erst ein Gewitter und gegen Morgen der Hahn weckt (muss der wirklich alle 5 Minuten krähen?) In Memleben könnten wir gut noch einen Tag bleiben, das Örtchen bietet viel, nur eine Sparkasse gibt es nicht.

3. Tag: Donnerstag, der 28. Juli 2005 – Memleben bis Braunsroda (Burgenlandkreis)

Morgens ist es noch bedeckt, die Luft ist feucht und schwer. Wir stehen kurz vor 8 Uhr an der Tür des Frühstücksraums, wir wollen zeitig los, es sollen heute bis 38°C werden. Nach und nach kommen noch ein gutes Dutzend weitere Frühstücksgäste, ausschließlich Radwanderer, ein Kleinkind im „Streitwagen“ dabei, die Pension war anscheinend diese Nacht voll belegt. 8.45 Uhr sind wir auf der Landstraße Richtung Wiehe, dem Beginn des „Finne-Radweges“, der aber nicht markiert ist. Nach 10 min biegen wir nach links in Richtung Wohlmirstedt ab, wo der „Aufstieg“ auf die Finne anfängt. Bis Zeisdorf kann man noch fahren, danach führt der Weg am Bach entlang aufwärts, auf einem unbefestigten Waldweg, feucht nach dem Regen und steinig, 200 m Höhenunterschied, 5 km bis Lossa. Torsten und Marie-Carmen schieben tapfer ihre Räder bergan, während ich mit viel Überredungskunst den schimpfenden Johannes zum Weiterfahren motivieren muss. Etwa nach der halben Strecke hat Johannes sich eingekriegt und schiebt mit Papa sein Rad voraus, jetzt habe ich das andere schimpfende Kind neben mir, das mir erklärt, sie könne nicht mehr weiter, und überhaupt, wer hätte gesagt, dass wir Abenteuerurlaub machen wollen. Trotzdem erreichen wir um 11 Uhr Lossa und damit den Kamm der Finne. Der Lossa-Bach fließt schon ins Ilmtal. In Lossa gibt es laut Karte eine Gaststätte, leider macht der Wirt aber gerade Urlaub. Eine Einwohnerin zeigt uns den Weg zum kleinen Einkaufszentrum, wo ich Getränke, Obst und Zitronenwaffeln kaufe, während die anderen am Ortsausgang auf mich warten. Der Finne-Radweg ist hier gut ausgezeichnet, so dass wir den Abzweig Richtung Billroda problemlos finden. Der Weg biegt in ein Waldstück ein, er ist unbefestigt und nach dem Regen ziemlich matschig. Johannes fällt einmal, zum Glück genau neben den Matsch. Nichts passiert, also weiter, bis wir einen Picknickplatz für einen kleinen Mittagsimbiss finden. Danach geht es mit frischen Kräften weiter etwas bergab nach Billroda, dann auf der Landstraße wieder bergan bis Tauhardt. Auch hier hat die eingezeichnete Gaststätte geschlossen, das Wirtspaar bietet uns Getränke und Bockwurst an, nein, der Gastbetrieb und auch die Pension lohnen sich nicht, wir richten nur noch Feiern aus.

Nur noch 10 km bis Marienthal, aber besser man bleibt gleich in Braunsroda

Aber in Marienthal im Schloss könnte man übernachten, es sind noch 10 km bis dorthin. Mittlerweile ist es ziemlich heiß und sonnig geworden, wir entscheiden uns fürs Weiterfahren. Die Strecke wird in Etappen eingeteilt: 3 km bis Marienroda (3 Häuser und 5 Spitzbuben), 4 km bis Braunsroda, dazwischen die höchste Anhöhe mit 308 m, dann noch 3 km bis Marienthal. Nach mehreren kleinen Trinkpausen machen wir eine längere Rast an der Straßenkreuzung 2 km vor Braunsroda, genau in der Mitte der Strecke. Hätten wir geahnt, was uns in Braunsroda erwartet, wären wir sofort weitergefahren. So beenden wir überrascht und erfreut um 15 Uhr bei über 30°C Hitze unsere heutige Etappe im Gasthaus mit Pension „Zur Erholung“ bei Familie Keil, wo wir freundlich und problemlos aufgenommen werden. Nach einer Siesta und gutem Abendbrot sitzen wir noch lange in der Gaststube und spielen, schreiben, malen und lesen. Und die Wirtin weiß, dass es in Marienthal nur Appartements mit Selbstverpflegung gibt, wo Gäste für eine Nacht gar nicht aufgenommen werden („Von dort schicken sie die Leute immer zu mir“).

4. Tag: Freitag, der 29. Juli 2005 –Braunsroda bis Bad Sulza (Thüringen)

Wieder gab es ein Gewitter in der Nacht, wir wachen bei Regen und Sturmböen auf. Bis zum Aufbruch um 9 Uhr ist es wieder trocken. Heute geht es von der Finne bergab, Etappenziel ist das eigene Ferienhäuschen der Eltern in Bad Sulza. Eine kurze Strecke, wir haben viel Zeit. In Eckartsberga steigen Torsten und Johannes auf die Burg, um sich das Diorama der Schlacht von Auerstedt anzusehen, während Marie-Carmen und ich bei den Rädern warten. Zur Burg hinauf führt eine Treppe! Dann gibt es eine schnurgerade Straßenabfahrt ins Tal, bis der Weg nach links Richtung Auerstedt abbiegt.
Bei den Reinhardts

Wir treffen alte Bekannte

Vorbei am Auerworld-Weidenpalast erreichen wir das Schloss Auerstedt, wo uns wieder eine Überraschung erwartet: Just heute eröffnet das Café und Restaurant der Familie Reinhardt im Schloss. Dies ist der kulinarische Höhepunkt der Reise: Kochkunst und Geschmack der Familie Reinhardt haben wir schon zuvor im Ratskeller in Bad Sulza genossen. Frau Reinhardt, die uns noch kennt, zeigt uns mit berechtigtem Stolz die Gasträume unter Kreuzgratgewölbe und die Ferien-Appartements in den Nebengebäuden. Essen und Ambiente der Spitzenklasse zu moderaten Preisen. Wir verbringen 3 Stunden der Mittagshitze auf dem Schlosshof, bevor wir uns die letzten 3 km bis nach Bad Sulza vornehmen. Das letzte Stück des Finne-Radweges entlang des Emsenbachs ist etwas matschig, das Ziel aber nah. In Bad Sulza erreichen wir den Ilm-Radweg, der bald auf den Saale-Radweg münden wird. Am Markt kaufen wir Verpflegung für 2 Tage (vor allem Thüringer Grillwürstchen) und schieben dann die Räder bergan zum Häuschen. Auf der Terrasse erwarten wir das angekündigte Gewitter, das sich aber bis zum Abend Zeit lässt. Keine Dusche im Regen! Nachts zieht dann ein heftiges Unwetter über Deutschland, das in Sachsen mancherorts zu zweitägigem Stromausfall führt. Dem Häuschen in Bad Sulza kann es nichts anhaben. Nur für die kleine Ratte Kardamom ist die Reise zu Ende, das Tierchen schläft auf Marie-Carmens Arm friedlich ein und wird unter Eichen beerdigt.

5. Tag: Samstag, der 30. Juli 2005 – Ruhetag in Bad Sulza

Wie heißt es doch bei Tolkien im „Hobbit“? „Nun, es ist merkwürdig, aber von einem Ereignis, das gut abläuft, und von Tagen, die man angenehm verbringt, ist rasch berichtet, und da gibt´s auch nicht viel drüber zu hören.“ Wir verbringen den Tag ruhig und angenehm und sammeln Kraft für den Endspurt, es ist auch bedeckt und ziemlich stürmisch, kein gutes Radfahrwetter.

6. Tag: Sonntag, der 31. Juli 2005 – Bad Sulza bis Halle

Gut erholt brechen wir gegen 10 Uhr auf dem Ilm-Radweg in Richtung Großheringen auf (schließlich mussten wir selbst aufräumen und abwaschen!). Oberhalb der Ilmmündung bei Kaatschen erreichen wir den Saale-Radweg. In Kleinheringen fahren wir am Museums-Gutshof der Familie Sonnekalb vorbei, einer Vorzugsadresse zum Übernachten für Radfahrer. Den Streichelzoo und den selbstgebackenen Kuchen kennen wir von einem früheren Besuch. Wer spätabends kein Quartier gefunden hat, bekommt hier noch einen Schlafplatz im Stroh. Unser Weg führt uns weiter nach Saaleck, wo der Weg oberhalb der Saale direkt an den Burgen Saaleck und Rudelsburg vorbeiführt. Hier passiert Johannes das letzte „Unglück“ der Reise: Mit dem Vorderrad rutscht er vom Asphalt ab und fast den Abhang hinunter. Vorderrad und Beine verschwinden zwischen den Bäumen im Gestrüpp, während Kopf und Hinterrad noch oben auf der Rasenkante sind. Drei nachfolgende Radlerinnen helfen mir, Kind und Rad zu retten. Nach dem ersten Schreck und mit der Aussicht auf eine Turmbesteigung auf der Rudelsburg fahren wir kurz darauf weiter bis zum Parkplatz, wo Torsten und Marie-Carmen auf uns warten. Wir lassen die Räder bei ihnen und besteigen die Burg, bevor wir uns an die Abfahrt machen. Das erste Stück über Felsen und Geröll muss man schieben, auch wegen der vielen Sonntags-Touristen, die hier unterwegs sind. In Bad Kösen fahren wir an mehreren Gaststätten mit Zimmervermietung vorbei bis zum Landesweingut Kloster Pforta, wo wir einkehren. Auf der Terrasse unter der weinberankten Pergola trinken wir zu einem Imbiss Traubensaft bzw. ein kleines Gläschen Wein. Wofür soll man sich entscheiden angesichts des reichhaltigen Angebots? Vielleicht sollten wir in Bad Kösen bleiben und anstatt weiterzuradeln eine Weinverkostung machen? Wir brechen aber doch wieder auf und umfahren unterhalb der Weinhänge auf dem Saale-Radweg Naumburg. Hier mündet die Unstrut und damit der Unstrut-Radwanderweg. Die Strecke ist in beiden Richtungen dicht befahren, kein Wunder bei dieser Landschaft und dem guten Ausbauzustand des Weges. Der Rückenwind beflügelt die Kinder so, dass sie weiterfahren wollen. Also kehren wir nicht im Landgasthof „Neue Welt“ unterhalb der Schönburg ein. Der Weg bleibt gut bis Weißenfels, die Ortsdurchfahrt durch Weißenfels ist dagegen hässlich. Eine Übernachtungsmöglichkeit sehen wir nicht. Hinter Weißenfels fährt es sich wieder gut. Vor Großkorbetha steht am Wegrand ein ganz kleines Schild „Übernachtung auf dem Bauernhof, Radfahrer willkommen, Ortsmitte Großkorbetha“. Aber kein Hinweisschild am Abzweig in den Ort, den wir nicht finden. Hätten wir mal gesucht, das war die letzte geeignete Unterkunft bis Halle! So fahren wir weiter, es ist 17 Uhr, wir wollen noch bis Bad Dürrenberg. Dort gibt es aber keine preiswerte Unterkunft, 80 € sind uns so kurz vor Halle zu viel. Also entschließen wir uns zur Weiterfahrt, Merseburg ist nicht mehr weit. Der Weg durch die Auen ist schön und gut ausgebaut, die Ortsdurchfahrt durch Merseburg schlecht zu finden. Dass auf einer Kopfsteinpflasterstrecke an Marie-Carmens Rad die Kette abspringt, lässt die Stimmung deutlich sinken. Am Saaleufer im „Bootshaus“ bekommen wir dann jedoch ein gutes Abendessen (der Koch hat originelle Ideen) und viel zu trinken, so dass wir uns gegen 21 Uhr guter Dinge auf die letzte Etappe nach Halle begeben. In Schkopau kommen wir am wunderschön erleuchteten Schloss vorbei, verfehlen aber im Dunkeln den Abzweig auf den Saale-Radweg. Das ist aber kein Fehler, entlang der Bundesstraße nach Halle gibt es einen Radweg außerhalb der Leitplanke, auf dem wir sicher Saale und Weiße Elster überqueren und kurz vor 22 Uhr Ammendorf erreichen. Ab hier fährt die Straßenbahn in die Innenstadt auch nachts noch im 20-Minuten-Takt, die Niederflurbahnen kann man mit dem Rad gut besteigen, Räder werden in Halle kostenlos transportiert. Wir lassen uns bis zum Franckeplatz fahren und erreichen kurz darauf die Saale, den Saale-Radweg und unser Zuhause auf der Peißnitzinsel, ziemlich müde und verschwitzt, aber voller Stolz (vor allem die Kinder), dass wir so eine große Etappe geschafft haben. Wenn uns das einer vorher gesagt hätte!

Fazit der Reise 

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