26. bis 31. Juli 2005
„Man muss nicht
unbedingt in die
Karibik fahren, um schön Urlaub zu
machen“ (Marie-Carmen)
Ein kleines Vorwort:
Da unsere Kinder Marie-Carmen (11) und
Johannes León (8) jetzt alt
genug für eine kleine Abenteuertour sind, planen wir für unseren
Sommerurlaub 2005 eine mehrtägige Radtour. Direkt vor unserem Haus
verläuft der Saale-Radwanderweg entlang, deshalb soll die Tour hier
beginnen und enden. Etappen können wir nicht planen, da wir die
Kondition der Kinder noch nicht einschätzen können. Also müssen
genügend mögliche Etappenorte vorhanden sein. Da wir nichts doppelt
fahren wollen, soll es ein Rundweg sein. Bei der Vorbereitung finde ich
Informationen über den Saale- und den Unstrut-Radwanderweg, dazu
Hinweise auf bereits ausgeschilderte und in Planung befindliche Wege
ohne Beschreibungen, deshalb beschließe ich, unseren Erfahrungsbericht
im Internet anderen Interessenten zur Verfügung zu stellen. Hier ist er
also:
1. Tag: Dienstag, der 26. Juli 2005 – Halle bis Langeneichstädt
(Kreis
Merseburg-Querfurt)
Wir starten um 9 Uhr auf der Peißnitzinsel in Halle
bei bedecktem Himmel und 20°C. Mit auf Tour sind Torsten, Annette (also
ich), Marie-Carmen, Johannes und im Transportkäfig Marie-Carmens Ratte
Kardamom, deren Bruder am Vortag gestorben ist. Ehe Kardamom zu Hause
einsam stirbt, soll die 2 Jahre alte Ratz noch ein paar schöne Tage
haben, auch wenn sie die Tour vielleicht auch nicht übersteht.
Auf dem Saale-Radweg fahren wir bis zur Genzmer Brücke und biegen dann
nach rechts in die Saaleaue ab, überqueren die Elisabeth-Saale, dann
geht´s weiter nach Süden zwischen Saale und Kanal, bis wir an der
Brücke zur Rabeninsel stehen. Zum ersten Mal die Richtung verpeilt!
Nicht schlimm, wir biegen nach rechts auf einen Plattenweg ein und
erreichen nach 10 min westlich den Kanal. Ein Stück „Düsterwald“
zwischen Disteln und Brennnesseln. Von da ab fahren wir weiter nach
Süden, rechter Hand liegt der Kanal, es gibt ein paar schöne
Badestellen (müssen wir uns merken). Der Weg ist eigentlich ein
Wander-, kein Radweg, wenig genutzt, Rainfarn und Wegwarten überragen
die Köpfe der Kinder, wunderschön, aber beschwerlich. Marie-Carmen
schimpft das erste Mal, einmal ist sie auch gestürzt, aber nichts
passiert. Wir folgen dem Kanal bis zur S-Bahn, biegen nach links ab und
erreichen wieder die Saale. Nach der Unterführung unter dem Bahndamm
läuft der Weg direkt entlang der Saale als Wiesen-Weg, auch schön aber
anstrengend. Kurze Zeit später geht´s rechts nach Holleben. Ab hier ist
der Weg in der Karte als Radweg gekennzeichnet, es gibt aber keinerlei
Wegmarkierungen. Nach einem Umweg durch den Ort finden wir ihn,
zwischen den Koppeln des Gestüts verläuft er über Feld- und Wiesenwege
bis nach Benkendorf – eigentlich schön, aber kräftezehrend vor allen
für Johannes auf seinem kleinen Rad, außerdem gibt es Bremsen. In
Benkendorf überqueren wir die relativ befahrene Straße und folgen dem
Radweg Richtung Delitz am Berge. Hinter der Bahnlinie gibt es eine
Steigung („am Berge“) mit Kopfsteinpflaster, wir sind froh, als wir die
Straße erreichen. Durch Delitz folgen wir der Straße nach Bad
Lauchstädt, das noch 5 km entfernt ist.
In Bad Lauchstädt wird es Zeit zum Mittagessen
Die Straße ist mäßig befahren
und überquert die Autobahn, wir haben Bad Lauchstädt nach kurzer Zeit
erreicht, es ist 12 Uhr, Mittagessenszeit.
Am Markt im „Lauchstädter Hof“ können wir draußen bei den Rädern
sitzen, uns schmeckt´s, Johannes lobt vor allem sein Hähnchensteak mit
Reis und Käsesoße. Danach schieben wir die Räder eine Runde durch den
Kurpark (fahren ist hier nicht erlaubt), sehr schöne Anlage, Rosen,
Tagetes, Buchsbaumhecken und rote Geranien, Enten auf dem Teich, bevor
wir Bad Lauchstädt Richtung Süden verlassen. Unser nächstes Ziel ist
Klobikau, am Ortsausgang steht jedoch „Milzau“. Das ist die falsche
Richtung! Wir umfahren Bad Lauchstädt nach rechts im Bogen, um die
richtige Straße zu finden. Hätten wir das nicht getan! Nach kurzer Zeit
stehen wir auf dem Feld, mehrere Wege zur Auswahl, rechts von uns ein
Dorf (welches?), Staub, Steine, Hitze. Nach ca. 1 ½ Stunden landen wir
wieder auf der Straße, die wir vorher verlassen haben. Vor allem
Johannes ist ziemlich am Ende seiner Kraft. Wir müssen dringend auf
Herbergssuche gehen. In Klobikau gibt es keine Gaststätte, aber einen
Spielplatz für eine kleine Rast. Danach arbeiten wir uns Stück für
Stück über Nieder- und Oberwünsch bis nach Langeneichstädt vor. Den
letzten Anstieg über Kopfsteinpflaster schieben Hannes und ich die
Räder langsam bergan bis zum Bahnübergang der Burgenlandbahn, den wir
ca. 17 Uhr erreichen, während Marie-Carmen und Torsten schon eine
Viertelstunde an der Gaststätte „Zur Warte“ auf uns warten. Hier fragen
wir nach einer Übernachtungsmöglichkeit. Die Wirtin Frau Thiem
telefoniert für uns im Ort herum und findet ein Zimmer bei Familie
Griesbach, das in der nächsten halben Stunde für uns hergerichtet wird.
Das Zimmer ist einfach und preiswert, DDR-Charme, das Wasser der Dusche
warm, zum Frühstück gibt´s selbstgekochte Himbeermarmelade und Eier von
eigenen Hühnern. Zuvor essen wir jedoch noch in der „Warte“ zu Abend
und fallen dann in unsere Betten. Die Kinder werden nach dem Essen
wieder so munter, dass wir ihnen eine Wanderung zur 1,5 km entfernten
„Eichstädter Warte“ androhen.
2. Tag: Mittwoch, der 27. Juli 2005 – Langeneichstädt bis Memleben
(Burgenlandkreis)
Nach dem Frühstück brechen wir 8.45 Uhr auf in Richtung Jüdendorf. Den
Anstieg schaffen wir jetzt problemlos, gleich hinter Jüdendorf liegt
Kalzendorf, hier wäre die nächste Übernachtungsmöglichkeit gewesen, ein
Motel, von außen ansprechend, 7 km hinter Langeneichstädt aber am
Vortag für Johannes unerreichbar.
In Steigra gibt
es ein Rasenlabyrinth
Heute fahren wir nach kurzer Rast
gleich bis Steigra weiter, wo es die „Trojaburg“ zu besichtigen gibt,
ein (wahrscheinlich mittelalterliches) Rasenlabyrinth, das die Kinder
und Kardamom in allen Richtungen ablaufen. Danach kommt die „Abfahrt
des Tages“: auf einer zum Glück nur mäßig befahrenen Landstraße mit
Tempo 50 (wegen der Kurven) geht es von Steigra hinab ins Unstruttal.
Wir brauchen für die 2 km wenige Minuten, die Autos bleiben
(wahrscheinlich schimpfend) schön hinter uns. Die Kinder sind
begeistert. Den Anstieg in der Gegenrichtung möchte ich jedoch nicht
mit dem Fahrrad machen. Im Tal angekommen, biegen wir nach rechts in
Richtung Reinsdorf ab. Bis vor kurzem verlief der Unstrut-Radweg noch
entlang dieser Straße (auch auf unserer Karte), jetzt gibt es einen
separaten Asphaltweg direkt am Unstrutufer, auf den wir in Reinsdorf
stoßen. Von hier aus geht es an der Kreuzkirche vorbei über eine
Fahrrad-/Fußgängerbrücke über die Unstrut nach Nebra, das eigentlich
unser heutiger Etappenort sein sollte. Aber Nebra erscheint uns
ziemlich ungastlich, keine Hinweisschilder zur (laut Karte vorhandenen)
Stadtinformation, keine Hinweise auf Übernachtungsmöglichkeiten.
Wir schieben die Räder entnervt durch den bergigen Ort, bis wir unten
an
der Brücke die einzige Zimmervermietung finden. Hier ist alles besetzt,
aber die Wirtin telefoniert für uns mit der Pension „Zum Storchennest“
in Memleben und lässt uns ein Zimmer reservieren. Es ist 13 Uhr, als
wir Nebra verlassen. Mit der Aussicht auf den „Erlebnistierpark“ lassen
sich auch die Kinder zur Weiterfahrt motivieren. Der Weg entlang der
Unstrut bis Memleben (7 km) ist das bisher schönste Stück der Tour, gut
zu fahren auf ebenem Asphaltweg durch Wiesen und Felder am Flussufer,
vorbei am Mittelberg, dem Fundort der Himmelsscheibe, bis zur
Klosterruine der Kaiserpfalz von Heinrich I. und Otto I., die wir
diesmal jedoch nicht besichtigen.
Ottonische Pfalz und Erlebnistierpark
in Memleben
In Memleben angekommen, beziehen wir
zunächst unser Zimmer im „Storchennest“ und kehren dann zurück zum
„Café am Kloster“, wo Torsten zum Schreiben bleibt, während die Kinder
und ich den Nachmittag im „Erlebnistierpark“ verbringen. Hier werden
Film- und Zirkustiere ausgebildet, es gibt neben Pferden und Ponys
Elefanten, Kamele, Ziegen, Lamas, Rhesusaffen, Kängurus, Esel,
Waschbären, Alligatoren und vieles mehr. Von einer Mitarbeiterin
erfahren wir, dass der bulgarische Zirkus Charivari seit 6 Jahren sein
Zirkuszelt hier aufgeschlagen hat und nun ständig hier ist. Nach
Filmtierschau und Puppentheater sehen wir uns noch die Show „Tanzende
Pferde“ zum Tagesabschluss an. Neben einer zweiten Familie sind wir die
einzigen Gäste, Privatvorstellung im Zirkuszelt. Die Hohe Schule auf
einem schwarzen Andalusierhengst zu spanischer Gitarrenmusik von 2
Gitarristen ist spitze. Vorher hat sich Marie-Carmen mit den Ponys
angefreundet, während Johannes in der Zirkusschule am Trapez geturnt
hat. Wem der Tag im Erlebnistierpark noch nicht gereicht hat, der kann
auch im Zirkuswagen übernachten.
Nach dem Abendbrot machen wir noch einen kleinen Spaziergang an die
Unstrut, wo eine Schwanenfamilie mit 3 Jungen schwimmt, während sich
auf den Stromleitungen Hunderte von Schwalben sammeln. Dann schlafen
wir, bis uns nach einem ziemlich heißen Tag erst ein Gewitter und gegen
Morgen der Hahn weckt (muss der wirklich alle 5 Minuten krähen?)
In Memleben könnten wir gut noch einen Tag bleiben, das Örtchen bietet
viel, nur eine Sparkasse gibt es nicht.
3. Tag: Donnerstag, der 28. Juli 2005 – Memleben bis Braunsroda
(Burgenlandkreis)
Morgens ist es noch bedeckt, die Luft ist feucht und schwer. Wir stehen
kurz vor 8 Uhr an der Tür des Frühstücksraums, wir wollen zeitig los,
es sollen heute bis 38°C werden. Nach und nach kommen noch ein gutes
Dutzend weitere Frühstücksgäste, ausschließlich Radwanderer, ein
Kleinkind im „Streitwagen“ dabei, die Pension war anscheinend diese
Nacht voll belegt. 8.45 Uhr sind wir auf der Landstraße Richtung Wiehe,
dem Beginn des „Finne-Radweges“, der aber nicht markiert ist. Nach 10
min biegen wir nach links in Richtung Wohlmirstedt ab, wo der
„Aufstieg“ auf die Finne anfängt. Bis Zeisdorf kann man noch fahren,
danach führt der Weg am Bach entlang aufwärts, auf einem unbefestigten
Waldweg, feucht nach dem Regen und steinig, 200 m Höhenunterschied, 5
km bis Lossa. Torsten und Marie-Carmen schieben tapfer ihre Räder
bergan, während ich mit viel Überredungskunst den schimpfenden Johannes
zum Weiterfahren motivieren muss. Etwa nach der halben Strecke hat
Johannes sich eingekriegt und schiebt mit Papa sein Rad voraus, jetzt
habe ich das andere schimpfende Kind neben mir, das mir erklärt, sie
könne nicht mehr weiter, und überhaupt, wer hätte gesagt, dass wir
Abenteuerurlaub machen wollen. Trotzdem erreichen wir um 11 Uhr Lossa
und damit den Kamm der Finne. Der Lossa-Bach fließt schon ins Ilmtal.
In Lossa gibt es laut Karte eine Gaststätte, leider macht der Wirt aber
gerade Urlaub. Eine Einwohnerin zeigt uns den Weg zum kleinen
Einkaufszentrum, wo ich Getränke, Obst und Zitronenwaffeln kaufe,
während die anderen am Ortsausgang auf mich warten. Der Finne-Radweg
ist hier gut ausgezeichnet, so dass wir den Abzweig Richtung Billroda
problemlos finden. Der Weg biegt in ein Waldstück ein, er ist
unbefestigt und nach dem Regen ziemlich matschig. Johannes fällt
einmal, zum Glück genau neben den Matsch. Nichts passiert, also weiter,
bis wir einen Picknickplatz für einen kleinen Mittagsimbiss finden.
Danach geht es mit frischen Kräften weiter etwas bergab nach Billroda,
dann auf der Landstraße wieder bergan bis Tauhardt. Auch hier hat die
eingezeichnete Gaststätte geschlossen, das Wirtspaar bietet uns
Getränke und Bockwurst an, nein, der Gastbetrieb und auch die Pension
lohnen sich nicht, wir richten nur noch Feiern aus.
Nur noch 10 km bis Marienthal, aber besser man bleibt gleich in
Braunsroda
Aber in Marienthal
im Schloss könnte man übernachten, es sind noch 10 km bis dorthin.
Mittlerweile ist es ziemlich heiß und sonnig geworden, wir entscheiden
uns fürs Weiterfahren. Die Strecke wird in Etappen eingeteilt: 3 km bis
Marienroda (3 Häuser und 5 Spitzbuben), 4 km bis Braunsroda, dazwischen
die höchste Anhöhe mit 308 m, dann noch 3 km bis Marienthal. Nach
mehreren kleinen Trinkpausen machen wir eine längere Rast an der
Straßenkreuzung 2 km vor Braunsroda, genau in der Mitte der Strecke.
Hätten wir geahnt, was uns in Braunsroda erwartet, wären wir sofort
weitergefahren. So beenden wir überrascht und erfreut um 15 Uhr bei
über 30°C Hitze unsere heutige Etappe im Gasthaus mit Pension „Zur
Erholung“ bei Familie Keil, wo wir freundlich und problemlos
aufgenommen werden. Nach einer Siesta und gutem Abendbrot sitzen wir
noch lange in der Gaststube und spielen, schreiben, malen und lesen.
Und die Wirtin weiß, dass es in Marienthal nur Appartements mit
Selbstverpflegung gibt, wo Gäste für eine Nacht gar nicht aufgenommen
werden („Von dort schicken sie die Leute immer zu mir“).
4. Tag:
Freitag, der 29. Juli 2005 –Braunsroda bis Bad Sulza (Thüringen)
Wieder gab es ein Gewitter in der Nacht, wir wachen bei Regen und
Sturmböen auf. Bis zum Aufbruch um 9 Uhr ist es wieder trocken. Heute
geht es von der Finne bergab, Etappenziel ist das eigene Ferienhäuschen
der Eltern in Bad Sulza. Eine kurze Strecke, wir haben viel Zeit. In
Eckartsberga steigen Torsten und Johannes auf die Burg, um sich das
Diorama der Schlacht von Auerstedt anzusehen, während Marie-Carmen und
ich bei den Rädern warten. Zur Burg hinauf führt eine Treppe! Dann gibt
es eine schnurgerade Straßenabfahrt ins Tal, bis der Weg nach links
Richtung Auerstedt abbiegt.
Wir treffen alte Bekannte
Vorbei am
Auerworld-Weidenpalast erreichen
wir das Schloss Auerstedt, wo uns wieder eine Überraschung erwartet:
Just heute eröffnet das Café und Restaurant der Familie Reinhardt im
Schloss. Dies ist der kulinarische Höhepunkt der Reise: Kochkunst und
Geschmack der Familie Reinhardt haben wir schon zuvor im Ratskeller in
Bad Sulza genossen. Frau Reinhardt, die uns noch kennt, zeigt uns mit
berechtigtem Stolz die Gasträume unter Kreuzgratgewölbe und die
Ferien-Appartements in den Nebengebäuden. Essen und Ambiente der
Spitzenklasse zu moderaten Preisen. Wir verbringen 3 Stunden der
Mittagshitze auf dem Schlosshof, bevor wir uns die letzten 3 km bis
nach Bad Sulza vornehmen. Das letzte Stück des Finne-Radweges entlang
des Emsenbachs ist etwas matschig, das Ziel aber nah. In Bad Sulza
erreichen wir den Ilm-Radweg, der bald auf den Saale-Radweg münden
wird. Am Markt kaufen wir Verpflegung für 2 Tage (vor allem Thüringer
Grillwürstchen) und schieben dann die Räder bergan zum Häuschen. Auf
der Terrasse erwarten wir das angekündigte Gewitter, das sich aber bis
zum Abend Zeit lässt. Keine Dusche im Regen! Nachts zieht dann ein
heftiges Unwetter über Deutschland, das in Sachsen mancherorts zu
zweitägigem Stromausfall führt. Dem Häuschen in Bad Sulza kann es
nichts anhaben. Nur für die kleine Ratte Kardamom ist die Reise zu
Ende, das Tierchen schläft auf Marie-Carmens Arm friedlich ein und wird
unter Eichen beerdigt.
5. Tag: Samstag, der
30. Juli 2005 – Ruhetag in Bad Sulza
Wie heißt es doch bei Tolkien im „Hobbit“? „Nun, es ist merkwürdig,
aber von einem Ereignis, das gut abläuft, und von Tagen, die man
angenehm verbringt, ist rasch berichtet, und da gibt´s auch nicht viel
drüber zu hören.“
Wir verbringen den Tag ruhig und angenehm und sammeln Kraft für den
Endspurt, es ist auch bedeckt und ziemlich stürmisch, kein gutes
Radfahrwetter.
6. Tag: Sonntag, der
31. Juli 2005 – Bad Sulza bis Halle
Gut erholt brechen wir
gegen 10 Uhr auf dem Ilm-Radweg in Richtung
Großheringen auf (schließlich mussten wir selbst aufräumen und
abwaschen!). Oberhalb der Ilmmündung bei Kaatschen erreichen wir den
Saale-Radweg. In Kleinheringen fahren wir am Museums-Gutshof der
Familie Sonnekalb vorbei, einer Vorzugsadresse zum Übernachten für
Radfahrer. Den Streichelzoo und den selbstgebackenen Kuchen kennen wir
von einem früheren Besuch. Wer spätabends kein Quartier gefunden hat,
bekommt hier noch einen Schlafplatz im Stroh.
Unser Weg führt uns weiter nach Saaleck, wo der Weg oberhalb der Saale
direkt an den Burgen Saaleck und Rudelsburg vorbeiführt. Hier passiert
Johannes das letzte „Unglück“ der Reise: Mit dem Vorderrad rutscht er
vom Asphalt ab und fast den Abhang hinunter. Vorderrad und Beine
verschwinden zwischen den Bäumen im Gestrüpp, während Kopf und
Hinterrad noch oben auf der Rasenkante sind. Drei nachfolgende
Radlerinnen helfen mir, Kind und Rad zu retten. Nach dem ersten Schreck
und mit der Aussicht auf eine Turmbesteigung auf der Rudelsburg fahren
wir kurz darauf weiter bis zum Parkplatz, wo Torsten und Marie-Carmen
auf uns warten. Wir lassen die Räder bei ihnen und besteigen die Burg,
bevor wir uns an die Abfahrt machen. Das erste Stück über Felsen und
Geröll muss man schieben, auch wegen der vielen Sonntags-Touristen, die
hier unterwegs sind. In Bad Kösen fahren wir an mehreren Gaststätten
mit Zimmervermietung vorbei bis zum Landesweingut Kloster Pforta, wo
wir einkehren. Auf der Terrasse unter der weinberankten Pergola trinken
wir zu einem Imbiss Traubensaft bzw. ein kleines Gläschen Wein. Wofür
soll man sich entscheiden angesichts des reichhaltigen Angebots?
Vielleicht sollten wir in Bad Kösen bleiben und anstatt weiterzuradeln
eine Weinverkostung machen?
Wir brechen aber doch wieder auf und umfahren unterhalb der Weinhänge
auf dem Saale-Radweg Naumburg. Hier mündet die Unstrut und damit der
Unstrut-Radwanderweg. Die Strecke ist in beiden Richtungen dicht
befahren, kein Wunder bei dieser Landschaft und dem guten Ausbauzustand
des Weges. Der Rückenwind beflügelt die Kinder so, dass sie
weiterfahren wollen. Also kehren wir nicht im Landgasthof „Neue Welt“
unterhalb der Schönburg ein. Der Weg bleibt gut bis Weißenfels, die
Ortsdurchfahrt durch Weißenfels ist dagegen hässlich. Eine
Übernachtungsmöglichkeit sehen wir nicht. Hinter Weißenfels fährt es
sich wieder gut. Vor Großkorbetha steht am Wegrand ein ganz kleines
Schild „Übernachtung auf dem Bauernhof, Radfahrer willkommen, Ortsmitte
Großkorbetha“. Aber kein Hinweisschild am Abzweig in den Ort, den wir
nicht finden. Hätten wir mal gesucht, das war die letzte geeignete
Unterkunft bis Halle! So fahren wir weiter, es ist 17 Uhr, wir wollen
noch bis Bad Dürrenberg. Dort gibt es aber keine preiswerte Unterkunft,
80 € sind uns so kurz vor Halle zu viel. Also entschließen wir uns zur
Weiterfahrt, Merseburg ist nicht mehr weit. Der Weg durch die Auen ist
schön und gut ausgebaut, die Ortsdurchfahrt durch Merseburg schlecht zu
finden. Dass auf einer Kopfsteinpflasterstrecke an Marie-Carmens Rad
die Kette abspringt, lässt die Stimmung deutlich sinken. Am Saaleufer
im „Bootshaus“ bekommen wir dann jedoch ein gutes Abendessen (der Koch
hat originelle Ideen) und viel zu trinken, so dass wir uns gegen 21 Uhr
guter Dinge auf die letzte Etappe nach Halle begeben. In Schkopau
kommen wir am wunderschön erleuchteten Schloss vorbei, verfehlen aber
im Dunkeln den Abzweig auf den Saale-Radweg. Das ist aber kein Fehler,
entlang der Bundesstraße nach Halle gibt es einen Radweg außerhalb der
Leitplanke, auf dem wir sicher Saale und Weiße Elster überqueren und
kurz vor 22 Uhr Ammendorf erreichen. Ab hier fährt die Straßenbahn in
die Innenstadt auch nachts noch im 20-Minuten-Takt, die
Niederflurbahnen kann man mit dem Rad gut besteigen, Räder werden in
Halle kostenlos transportiert. Wir lassen uns bis zum Franckeplatz
fahren und erreichen kurz darauf die Saale, den Saale-Radweg und unser
Zuhause auf der Peißnitzinsel, ziemlich müde und verschwitzt, aber
voller Stolz (vor allem die Kinder), dass wir so eine große Etappe
geschafft haben. Wenn uns das einer vorher gesagt hätte!
Fazit der Reise
- Erwachsene
können die angegebene Strecke gut in 3 Tagen
bewältigen.
- Als Etappenorte empfehlen wir Memleben und Auerstedt oder
Kleinheringen, wo man jeweils einen Tag bleiben kann.
·
- Als Alternative zum anstrengenden und schlecht ausgebauten
Finne-Radweg bietet sich möglicherweise die Strecke Burgscheidungen (am
Unstrut-Radweg) – Bad Bibra – Marienthal an.
·
- Für die Strecke nach Memleben soll es in Zukunft einen
„Himmelsscheiben-Weg“ geben, der sich aber noch in Planung befindet.
·
- Den Weg durch Halle kann man sich gut ersparen, indem man von
Beesen
bis zur Innenstadt (am besten „Saline“) mit der Straßenbahn fährt.
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