Nach unserer ersten kleinen Tour an Saale und Unstrut im Sommer 2005
planen wir dieses Jahr eine zweiwöchige Radtour mit unseren Kindern
Marie-Carmen (12) und Johannes León (9). Beide Kinder haben jetzt 24er
Räder, und auch ich habe mein altes DDR-Fahrrad durch ein neues
ersetzt, so dass wir uns eine größere Tour zutrauen. Aber es soll
Urlaub sein, also keine allzu großen Strecken, möglichst wenig
Steigungen und genug Attraktionen unterwegs. Außerdem soll die Tour
wieder an der Haustür beginnen und enden.
Im letzten Jahr habe ich die Querverbindung zwischen den Flusstälern
der Unstrut und der Ilm gesucht, die ohne Überquerung eines Hügelkammes
passierbar ist. Diesmal haben wir sie gefunden: die Thüringer Pforte
bei Heldrungen zwischen Hainleite und Schmücke. Und hier ist nun der
Bericht dazu, den wir mit den gemachten Erfahrungen wieder allen
potentiellen Radwanderern zur Verfügung stellen wollen:
Sonntag, 23. Juli 2006, 1. Etappe:
Halle - Mücheln (40 km)
Wir starten am Sonntagmorgen ca. 9.30 Uhr bei bedecktem Himmel und
vorübergehendem Nieselregen, ca. 25°C. Die letzten beiden Tage hatten
wir 38°C, also sind wir guter Stimmung und hoffen nur, dass die
angekündigten "Schauer und Gewitter" nicht so heftig ausfallen. Diesmal
folgen wir genau dem Saale-Radweg vom Gimritzer Park über die
Saalebrücke an der Saline bis zur Hafenbahnbrücke (keine Experimente
mehr!) und von dort am Rande der Südstadt und Wörmlitz bis zu einer
Häuslesiedlung, in der wir uns das erste Mal verfahren. Hier ist der
Radweg noch "im Bau" und deshalb schlecht ausgeschildert. Mit dem
Abzweig nach Röpzig, wo wir die Saale überqueren, verlassen wir die
Stadt und fahren durch die schöne Saale-Elster-Aue über Hohenweiden bis
nach Schkopau auf überwiegend gut ausgebauten und ausgeschilderten
Wegen. Auch an Landgasthöfen mangelt es nicht, wir haben aber noch
keinen Bedarf an Essen und Trinken. Durch Schkopau verläuft der Weg
parallel zur Bundesstraße, die er in Höhe des Schlosses unterquert, um
dann wieder entlang der Saale zu verlaufen. Wir verlassen hier den
Saaleradweg und bleiben noch ein Stück an der rechten Straßenseite, bis
eine Nebenstrasse in Richtung Freiimfelde - Elisabethhöhe abzweigt.
Hier überqueren wir die Bahnlinie nach Schafstädt und erreichen einen
gut ausgebauten Weg in Richtung Knapendorf, der für alle Fahrzeuge
außer Fahrrädern gesperrt ist (sehr schön). Vorbei an einer gewaltigen
neoromanischen Kirche führt uns der Weg bis zur Unterführung unter der
A 38 und nach Milzau, das sich aus mehreren kleinen Örtchen
zusammengesetzt die Straße entlangzieht. Ab Klobikau fahren wir ein
Stück auf unserer Route vom Vorjahr. Während wir damals über 4 Stunden
bis hierher gebraucht hatten (die Mittagspause in Bad Lauchstädt nicht
mit eingerechnet), sind wir diesmal gegen 12 Uhr mittags hier.
Nach einer kurzen Rast in der Dorfmitte (eine fahrradgeeignete
Gaststätte gibt es hier nirgends) verlassen wir das Örtchen in Richtung
Süden, um den Geiseltal-Rundweg zu erreichen. Dieser soll uns am Rand
des neu entstehenden Sees um das Tagebaurestloch herum bis Mücheln
führen. Aber wie der See ist auch der Weg noch im Entstehen, nach einem
Stück steil ansteigender Asphaltstraße geht es auf einem Schotterweg
weiter, bis an einer Wegkreuzung die Markierung fehlt. Torsten und
Johannes sind uns ein ganzes Stück voraus, Marie-Carmen ist beim
Anstieg vom Rad gestiegen. Als wir die Anhöhe erreichen, kommen uns die
beiden Männer genervt wieder entgegen. Wo soll es denn nun langgehen
und was ist das für ein unmöglicher Weg, den ich da ausgesucht habe? Am
besten fahren wir gleich wieder nach Hause. Hitze, Schotter und
Steigung haben uns völlig geschafft, es gibt die erste (und auch
einzige) Krise der Tour (mit reichlich Theaterdonner). Aber schließlich
ist es nach Mücheln viel kürzer als bis nach Halle, also fahren wir
weiter, werfen an zwei schon fertigen Picknick- und Aussichtspunkten
einen Blick auf die entstehende Wasserfläche (mit 19 km² entsteht hier
der größte See Mitteldeutschlands) und trinken die letzten Tropfen aus
unseren Trinkflaschen aus. Eine längere Rast kommt wegen Hitze und
Wassermangel nicht in Frage, Mücheln ist schon fast in Sicht, hier soll
unser heutiger Etappenort sein - wenn wir eine Unterkunft finden.

Das letzte Stück Radweg zwischen Stöbnitz und Mücheln wird von einer
breiten Schotterrampe unterbrochen, ein Schild informiert uns, dass
hier die "Marina" des neuen Sees gebaut wird.
Kurz darauf, es ist etwa 14.30 Uhr, sehen wir am Anfang der Straße ins
Müchelner Zentrum ein Schild "Zimmer frei". Unsere Rettung - auf unser
Klingeln zeigt uns Frau Rosner das Quartier, Wohn- und Schlafzimmer mit
Bad, und stellt uns eine große Wasserflasche hin. Die Räder können im
Hausflur stehen, und während wir uns erfrischen und ausruhen, geht ein
heftiger Gewitterguss nieder. Gegen Abend erkunden wir im sanften
Nieselregen das verschlafene Städtchen. Am terrassierten Marktplatz
gegenüber dem Renaissance-Rathaus essen wir beim Italiener "Il
Caballino Rosso" gut und günstig zu Abend, hier wäre auch eine Pension
gewesen. Ansonsten finden wir im Ort nur ein Eiscafé. Aber lassen wir
mal die Marina fertig werden, dann wird's aus sein mit der
Verschlafenheit. So gehen wir zeitig schlafen und erholen uns von der
ersten anstrengenden Etappe.
Montag, 24. Juli 2006, 2. Etappe:
Mücheln - Bad Sulza (46 km)

Am nächsten Morgen
starten wir um 8.30 Uhr von unserem Quartier aus in Richtung St.
Micheln und der Geiselquelle, die wir nach 1 km erreichen. Hier gibt's
den ersten kleinen Imbiss aus dem Picknickkorb, denn Frühstück gab es
bei Frau Rosner nicht. Wir Großen steigen noch ein kleines Stück zur
romanischen Kirche St. Michael hinauf (hier kann man auf dem Friedhof
eine Doppelgrabstätte für 300 € erwerben, wie wir aus der
Friedhofsordnung erfahren), dann führt uns ein kleiner befestigter
Feldweg nach Süden auf Freyburg zu. Nach ca. 5 km erreichen wir eine
Straßenkreuzung und müssen nun auf der Landstraße östlich der Neuen
Göhle weiterfahren, mehrere LKWs überholen uns. Aber es kommt noch
schlimmer: am Ende der Landstraße stoßen wir auf die B176, die zum
Glück sehr wenig befahren ist, und fragen uns, was zu tun ist. Mangels
Alternative entscheiden wir uns für die Bundesstraße und erreichen nach
je 1 km auf der B176 und der B180 den Ortseingang von Freyburg - sehr
schnell und problemlos, weil es die ganze Zeit bergab geht.
Anders als Mücheln merkt man Freyburg sofort das Touristenzentrum an,
es wimmelt von Hotels, Pensionen, Restaurants und Cafés, nicht zu
vergessen die Sektkellerei, die aber kein Einkehrort für den Vormittag
ist (11 km bis hier). So sitzen wir ca. 10.30 Uhr im Eiscafé Merle am
Markt, die Fahrräder neben uns, und genießen als 2. Frühstück Eisbecher
mit Eiskaffee bzw. Eisschokolade. Danach geht's ein Stück auf dem
Unstrut-Radweg Richtung Naumburg, den wir aber vor der letzten Brücke
verlassen, um nach Rossbach abzubiegen. Hier machen wir eine kurze Rast
bei Traubensaft im Weingut Frölich-Hake und versorgen uns für die
folgenden Abende mit Rosé-Wein. Wir verlassen Rossbach auf der
Weinstraße Saale-Unstrut in Richtung Bad Kösen und erreichen nach
wenigen km wieder den Radweg (jetzt ist es der Saale-Radweg), der hier
direkt unterhalb der Weinhänge des Landesweingutes Kloster Pforta
entlangführt. Alle paar Meter könnte man hier Wein trinken und kaufen
und käme wohl nicht weit. So erreichen wir bald die Saalebrücke in Bad
Kösen, die schon seit langen eine Baustelle ist. Schon die
Straßenüberquerung ist eine Katastrophe, die Brücke überqueren wir
nicht, sondern bleiben am linken Saaleufer im Kurpark. Es sind 36°C,
das Kneipp-Tretbecken kommt uns sehr gelegen. Erfrischt fahren wir auf
der Landstraße über Saaleck und Großheringen weiter in Richtung Bad
Sulza und ersparen uns den Anstieg des Saale-Radweges über die
Rudelsburg und nach Kleinheringen - Kaatschen. Unser Ziel ist wie im
vergangenen Jahr das Ferienhäuschen der Eltern in Bad Sulza.
Dienstag / Mittwoch, 25./26. Juli
2006,
2 Ruhetage in Bad Sulza
Auch an den folgenden Tagen regnet es nicht, das Thermometer klettert
bis auf 35°C im Schatten, wir gönnen uns 2 Tage Pause zum Lesen,
Schreiben, Spielen, Baden gehen, abends Grillen. Ich mache einen
kleinen Ausflug nach Sonnendorf und besuche den dortigen Böttcher in
seiner Werkstatt (ob er mir ein kleines, möglichst historisches Fass
macht?), die Kinder verbringen die meiste Zeit mit den 4 Katzenbabys,
die unter einem Brennholzstapel neben dem Häuschen wohnen. Und wir
planen die nächsten Touretappen. Morgen wollen wir ganz zeitig
aufbrechen, es soll noch heißer werden. Und bis zum Abend noch kein
Gewitter!!
Donnerstag, 27. Juli 2006, 3. Etappe:
Bad Sulza - Buttelstedt (36 km)
Wir schaffen den Aufbruch um 7.30 Uhr bei noch 20°C, es wird aber schon
wieder sonnig. Also versuchen wir, das größte Wegstück am Vormittag zu
bewältigen, unser Ziel ist die Ordensburg Liebstedt. Auf dem
"Preußischen Truppenweg" verläuft der Ilm-Radweg ab Bad Sulza
flussaufwärts auf einem gut ausgebauten Radweg, wir kommen gut voran.
In Eberstedt ist die Kirche als "Radfahrerkirche" geöffnet, wir machen
eine kurze Rast und Trinkpause. Wer ein einfaches Quartier sucht, kann
hier auch am Pfarrhaus klingeln. Weiter geht es über mehrere Dörfchen
entlang der Ilm, bis der Weg hinter Zottelstedt einen Mäander abkürzt
und dafür über einen Hügelrücken führt. Bei inzwischen schon großer
Hitze will Johannes hier am liebsten nicht weiter. Am
Ortseingangsschild von Niederrossla haben wir den höchsten Punkt
erreicht und verlassen den Ilm-Radweg, der wieder ins Tal führt, um den
Ort oberhalb der ersten Häuser auf einem asphaltierten Feldweg zu
umfahren, bis wir die Straße nach Pfiffelbach erreichen. Es geht
bergauf um eine Haarnadelkurve, nicht ganz ungefährlich. In Pfiffelbach
biegen wir in die Straße nach Liebstedt ein, nach einem letzten Anstieg
erreichen wir ca. 11.00 Uhr die Ordensburg (28 km bis hier).

Die Fahrt hat
sich gelohnt: es gibt kalte Getränke (einschließlich Liebstedter
Ordensbräu) auf dem geschlossenen Burghof, durch den eine alte
Handelsstraße, die Kupferstraße von Hamburg nach Venedig, führt. Vom
14. Jhd. bis zur Zeit Napoleons war die Burg in den Händen des
Deutschen Ordens. Wir besichtigen die Burg mit Verlies, Komturei und
Kapitelsaal sowie die Zinnfigurenausstellung mit Dioramen der Schlacht
bei Jena und Auerstedt und verbringen die größte Mittagshitze auf dem
Burghof.
Ca. 14.30 Uhr brechen wir wieder auf, um für heute ein Quartier zu
suchen.. Wie wir später erfahren, soll es in Liebstedt auch jemanden
geben, der Zimmer vermietet, aber vor Ort kann uns niemand darüber
Auskunft geben. Der Weg über Sachsenhausen, Leutenthal, Daasdorf bis
Buttelstedt ist leicht befahrbar und geht überwiegend bergab, ca. 8 km.
Kurz vor Daasdorf ereilt uns jedoch die erste ernsthafte Panne der
Tour: Torstens Vorderrad ist platt, und außerdem fehlt eine der
Schrauben, die das Rad in der Gabel halten (wie lange schon ??).
Nach kurzer Lageberatung fahre ich mit den Kindern weiter nach
Buttelstedt, während Torsten sein Rad vorwärtsschiebt. Zum Glück ist es
nicht mehr weit, und wir finden problemlos die Pension "Zum weißen
Ross", die für uns Betten frei hat.
Buttelstedt ist ein schwieriges, weil lautes und graues Örtchen. Was
früher ein Glück war, die Lage am Kreuzungspunkt zweier wichtiger
Handelsstraßen, ist heute ein Nachteil. Mitten durch den Ort führt der
Fernverkehr der B85, zum Glück für den Wirt auch der hiesige Abschnitt
des Jakobspilgerweges, so dass er gelegentlich Pilger beherbergt. Wir
kriegen an der Tankstelle jedenfalls frisches Flickzeug und eine
passende Schraube, und das Essen im "Weißen Ross" ist gute und
reichhaltige Thüringer Küche.. Nach einer Spielerunde in der Gaststube
gehen wir schlafen, was aber wegen Hitze und Autolärm nicht so einfach
ist.
Freitag, 28. Juli 2006, 4. Etappe:
Buttelstedt - Heldrungen (63 km)
Start 8.00 Uhr nach dem Frühstück, es hat ein bisschen geregnet und ist
nicht mehr ganz so heiß, der Himmel ist bedeckt. Wir treffen in
Buttelstedt auf den Laura-Radweg (warum heißt er so?), der in Weimar
vom Ilm-Radweg abzweigt (allerdings über den Ettersberg führt) und vor
Sömmerda die Unstrut erreicht. Es geht überwiegend sanft bergab und ist
gut ausgebaut und ausgeschildert. Der nächste Ort, Schwerstedt, hat
gleich 2 Pensionen ausgewiesen, aber mit Platten wären wir gestern
nicht bis hierher gekommen. Heute macht Torstens Rad keinerlei Probleme
mehr. Wir kommen schnell bis Schloßvippach, wo wir die Laura-Radroute
verlassen. Am Ortsausgang von Schloßvippach in Richtung Sprötau zweigt
links ein nur für Fahrräder zugelassener Asphaltweg in Richtung
Rohrborn ab, der die A71 überquert und direkt nach Sömmerda führt. Wir
landen im Neubaugebiet und fahren an der historischen Stadtmauer
entlang bis zur Dreyse-Mühle, wo wir auf den Unstrut-Radweg treffen, es
ist 11 Uhr (ca. 30 km bis hier). Die Stadt ist uns nicht einladend
genug, um hier zu bleiben, das Wetter ist zum Fahren ideal, wir
beschließen weiterzufahren und an der Unstrut nach einer Unterkunft zu
suchen. Deshalb versorgen wir uns in der Stadtinformation mit einem
Wegeplan des Unstrut-Radweges, einer Karte des Landkreises sowie einem
Gastgeberverzeichnis. Unsere 1:50 000-Radwanderkarten haben eine
ländergrenzenbedingte Lücke zwischen Sömmerda und Heldrungen (wann gibt
es wohl einen länderübergreifenden Radatlas Mitteldeutschlands, am
besten laminiert und mit Ringheftung?)
Guter Dinge (bis auf Marie-Carmen, die lieber in Sömmerda geblieben
wäre) fahren wir am rechten Unstrutufer auf einem festen Schotterweg
unstrutabwärts, zunächst bis Leubingen, wo der Weg eine weiten Bogen
durch den Ort macht, dann kurz vor Griefstedt auf Asphalt, teilweise am
Rand der Landstraße bis Büchel. In jedem der Orte gibt es ein Gasthaus,
aber niemand vermietet Zimmer. Nach Etzleben kommen wir nicht, weil die
Brücke über die Lossa wegen Baufälligkeit gesperrt ist. Am linken
Lossa-Ufer geht es auf einem Feldweg weiter bis zur nächsten Brücke bei
Gorsleben. Hier sehen wir schon die Pforte von ... nein, nicht von
Rohan, sondern die Thüringer Pforte, den Durchbruch des Unstruttales
zwischen Hainleite am linken und Schmücke / Hohe Schrecke am rechten
Unstrutufer. Links über dem Durchbruch thronen die Sachsenburgen,

zwei Ruinen, die
hier einst den Durchgang bewacht haben. Jetzt führen neben der Unstrut
zwei Bundesstraßen, die Eisenbahn und am rechten Ufer ein neuer,
bequemer Radweg durch das Tal. Am nördlichen Ende der Thüringer Pforte
liegt Heldrungen Bahnhof, nach weiteren 2 km erreichen wir die Stadt
Heldrungen. Am Sportplatz, wo ein "Motel" ausgeschildert ist, will man
uns keine Unterkunft geben und verweist uns an die Jugendherberge auf
der Wasserburg, die wir ca. 14 Uhr erreichen. Hier kriegen wir ein
Zimmer im Torhaus, ausnahmsweise, weil es im Ort keine andere
Übernachtungsmöglichkeit gibt (bis auf eine Familie Wolf, die, wie wir
später von anderen Radlern erfahren, Zimmer vermietet). Torsten und die
Kinder machen zuerst einen Mittagsschlaf in ihren Doppelstockbetten,
ich nutze die Badewanne und gehe dann auf Erkundungstour um die Burg.
Die jetzige Anlage, die aus dem 17. Jhd. stammt, ist von einem
doppelten Wassergraben und riesigen Kanonenbastionen umgeben. In der
alten Kernburg wurde nach seiner Festnahme Thomas Müntzer festgehalten.
Jetzt feiert eine Jugendgruppe (wahrscheinlich junge Musiker) hier ihr
Abschiedsfest.
Am Abend essen wir im Ratskeller von Heldrungen Thüringer Klöße, sehen
uns noch einmal gemeinsam die Burg an und fallen dann in unsere Betten.
Ich schlafe sofort, während die anderen sich noch eine Zeitlang vom
Krach der Jugendlichen gestört fühlen.
Samstag, 29. Juli 2006, 5. Etappe:
Heldrungen - Wiehe (43 km)
Am nächsten Morgen frühstücken wir um 7.30 Uhr, die Jugendgruppe
schläft noch, und brechen ca. 8.30 Uhr auf. Als wir am Ortsausgang den
Unstrut-Radweg erreichen, fallen die ersten Tropfen, und wenige Minuten
später geht ein heftiger Gewitterregen nieder. Zum Glück treffen wir
auf eine überdachte picknick area, die das meiste Wasser abhält. Nach
einer halben Stunde ist der Spuk vorbei, und wir radeln weiter in
Richtung Bretleben. Der Weg führt uns mit einigen Steigungen entlang
der Bahnlinie bis nach Reinsdorf und erreicht in Schönfeld wieder die
Unstrut. Hier beginnt ein nagelneuer Schotterweg, der nach dem Regen
sehr anstrengend zu fahren ist und fast bis Ritteburg so bleibt, aber
vielleicht fehlt hier ja einfach noch die Asphaltdecke? Wir lassen
Artern am linken Unstrutufer liegen und fahren gleich weiter mit dem
Ziel Rossleben oder Wiehe, da es in Memleben nach telefonischer Anfrage
heute kein Quartier für uns gibt. Und Memleben ist bei den Kindern als
Etappenort fest eingeplant. Marie-Carmen hätte zwar gern einen Ruhetag,
aber Johannes hat im Unstrutradweg-Führer die
Modelleisenbahnausstellung in Wiehe entdeckt, wo er jetzt unbedingt
hinmöchte. Also passieren wir die Pension "Zur Schleuse" in Ritteburg,
die sowieso mit Paddlern voll belegt ist, holen im Dorflädchen für
jeden ein Eis und fahren am linken Unstrutufer weiter in Richtung
Schönewerda. Hinter Schönewerda verläuft der Radweg über den Hügel als
Feldweg mit tiefen Schotter-Fahrrinnen, anstrengend und nicht
ungefährlich. Hätten wir doch lieber die Bottendorfer Straße
genommen... In Bottendorf gibt es eine hübsche Gaststätte, aber keine
Zimmervermietung. Wir radeln also weiter bis nach Rossleben, das ein
ziemlich großes Örtchen ist. An der Klosterschule vorbei, fahren wir
zur Straße in Richtung Querfurt, wo sich das Hotel "Unstruttal"
befinden soll. Es muss aber hoch oben am Ende des Örtchens liegen,
deshalb beschließen wir, es erst in Wiehe mit einer Unterkunft zu
versuchen.

Wir folgen
also wieder dem Radweg ans rechte Unstrutufer, wo es auf
einem nagelneuen Asphaltweg weitergeht. Am Flutgraben zweigt der Weg
nach Wiehe rechts ab, bis zum Markt sind es noch ca. 4 km (mit
Anstieg). Dafür gibt es rund um den Markt mindestens 4
Übernachtungsmöglichkeiten, im Gasthaus "Zur Tanne" haben wir Glück und
bekommen zwei kleine, preiswerte Doppelzimmer, in denen wir zunächst
unser Gepäck lassen. Nach einer Trinkpause in der Gaststube machen wir
uns ca. 14 Uhr auf den Weg zur Modellbahnausstellung, die mit 12 000 m²
die weltgrößte sein soll. Die Anlage ist einfach gigantisch, und alle
großen und kleinen Kinder kommen voll auf ihre Kosten. Der größte und
wohl älteste Teil ist eine HO-Anlage, die ganz Thüringen darstellt.
Johannes gefällt am besten die Anlage von Nordamerika, Torsten die
großen Wagen der Harzquer- und Brockenbahn, die wie richtige Dampfloks
schnaufen. Nach 3 Stunden sind wir ziemlich geschafft, aber immer noch
ist viel zum Entdecken übrig. Zurück in der "Tanne", verbringen wir den
Spätnachmittag mit Lesen, Schreiben und Malen, die Kinder sehen ein
bisschen fern, bevor der Wirt uns zum Abendessen selbstgeangelten Fisch
aus dem Norwegen-Urlaub anbietet. Es gibt Dorsch und Seezunge, sehr gut
zubereitet, das ist jetzt wohl der kulinarische Höhepunkt der Reise.
Gut, dass in Memleben heute kein Zimmer für uns frei war, wir wären
sonst wohl nicht nach Wiehe gekommen.
Sonntag, 30. Juli 2006, 6. Etappe:
Wiehe - Memleben (Kurzetappe, 8 km)
Heute ist Memleben als Tagesprogramm vorgesehen, wir erwarten Katrin
und Uli zu Besuch. Bei der kurzen Etappe frühstücken wir erst um 9.00
Uhr und starten dann gemütlich bei nicht ganz so heißem Wetter und
bewölktem Himmel. An der Unstrutbrücke folgen wir nicht dem Radweg auf
die linke Flussseite, denn dieser führt im weiten Bogen auf die
Burgruine Wendelstein und dann im noch größeren Bogen um Memleben
herum. Wir nehmen die am Sonntagmorgen fast unbefahrene Straße und
erreichen ca. 10.30 Uhr das Gasthaus "Zum Storchennest", in dem wir
schon im vorigen Jahr waren. Der Wirt öffnet gerade und schickt uns zum
"Café am Kloster", wo wir diesmal unser Zimmer haben. Hier ist die
Wirtin gerade dabei, die Zimmer herzurichten, bevor das Café um 12 Uhr
öffnet.
Während wir unsere Fahrräder entladen, rauschen vier Radwanderer
gesetzten Alters in Radlerhöschen heran, schimpfen, dass ja hier nichts
los wäre, um 11 Uhr ist das Café noch geschlossen, na ja, wir sind ja
in Sachsen-Anhalt, ignorieren unseren Hinweis auf das "Storchennest"

genauso wie die Klosteranlage Memleben und rauschen weiter in Richtung
Naumburg davon.
Wir richten uns in der Pension ein und warten dann im Café bei Eis und
Eiskaffee auf Katrin und Uli, die ca. 13.30 Uhr kommen. Marie-Carmen
und Torsten bleiben im Café zum Schreiben und Malen, während Katrin und
ich mit den Jungs den Erlebnistierpark entern. Johannes fotografiert
mit seiner Kamera sämtliche Tiere, dann werden alle Karussells
ausprobiert. Am meisten Spaß haben die Jungs beim Rodeo-Reiten (sie
halten sich etwa 3 Sekunden auf dem Bullen) und im Looping-Ei. Aber es
ist viel zu heiß, um sich lange aufzuhalten, selbst die Wildschweine
liegen im schmalen Schatten ihrer Hütte und rühren sich nicht. Gut,
dass wir kein Zirkuswagen-Quartier bekommen haben, im "Café am Kloster"
ist das Zimmer viel angenehmer.
Nach einer Erfrischung mit Eis gehen wir alle noch in die Klosteranlage
der ottonischen Kaiserpfalz. Seit wir das letzte Mal hier waren (ist
das wirklich schon 12 Jahre her?) ist hier eine eindrucksvolle
Ausstellung zur Geschichte der Ottonenzeit und zum Klosterleben
entstanden, das museumspädagogische Angebot findet auch bei unseren
Kindern Interesse, während mich besonders der Kräutergarten
interessiert. Hier wurde der "Hortulus", das Pflanzengedicht des Abts
Walahfried Strabo von der Insel Reichenau aus dem 9. Jhd.,
nachgepflanzt.
Am Abend essen wir noch zusammen im "Storchennest" zu Abend (dieses
Jahr ist auf dem Schornstein des Gebäudes gar kein Storch eingezogen),
bevor Katrin und Uli wieder in Richtung Halle aufbrechen und wir uns in
unserem Zimmer zur Ruhe begeben. Tierpark und Klosteranlage zusammen
war fast zuviel an Aktion für einen Tag.
Montag, 31. Juli 2006, 7. Etappe:
Memleben - Freyburg (38 km)
Die Kinder wären gern noch einen Tag in Memleben geblieben, aber der
Ruhetag der Gaststätte ist ein gewichtiges Argument fürs Weiterfahren.
Also starten wir ca. 9.00 Uhr nach dem Frühstück im "Storchennest" in
Richtung Freyburg. Der Himmel ist bedeckt, es sind etwa 10°C weniger
als in der Woche zuvor, unterwegs fallen ein paar Regentropfen zur
Erfrischung, ansonsten bleibt das Wetter mit Sonne und Wolken sehr
angenehm. Wir umrunden das Kloster und erreichen am linken Ufer wieder
den Unstrut-Radweg, der hier vom Wendelstein kommt. Die gut ausgebaute
Strecke auf Asphalt kennen wir schon vom vorigen Jahr. Auf dem
Mittelberg steht jetzt ein großer Kran, hier wird ein Aussichtsturm am
Fundort der Himmelsscheibe gebaut. Der Weg bleibt gut bis Nebra, die
Schwalben vom Vorjahr sind wieder da, hinter Nebra begegnen wir auch
einem Storch. Der Abzweig in Nebra (Straße zum Bootsanleger) ist immer
noch nicht gut markiert, auch der steile Anstieg unter dem
überhängenden Felsen ist noch unverändert. Wir passieren Nebra und
fahren dann auf dem neuen Radweg bis zur Brücke nach Reinsdorf, vorbei
am Reinsdorfer Kirchlein und auf einem schönen, neuen Radweg bis nach
Karsdorf. Von Karsdorf bis nach Burgscheidungen (hat hier nicht die
entscheidende Schlacht stattgefunden, bei der 531 das Thüringerreich
unterging?) geht es entlang der Landstraße, wir lassen das Zementwerk
hinter uns, die Kinder schimpfen über den Anstieg. Wir vertrösten sie
mit der Aussicht auf den Schlossgarten in Burgscheidungen als
Rastplatz, den wir aber nicht finden.
Nicht nur das Schloss, auch der Radweg ist hier nicht gut
ausgeschildert.. Eine Frau hält mit dem Auto neben uns und zeigt uns
den Weg. Der Radweg ist im Bau, es gibt eine Umleitung über
Kirchscheidungen, jeden Tag stehen hier ratlose Radler, kein
Hinweisschild weit und breit. Wir überqueren also die Unstrut und den
Biberbach, wo der Radweg nach Bad Bibra abzweigt, und fahren auf der
Landstraße bis Laucha. Es geht zwar über den Berg, ist aber viel kürzer
als der eigentliche Radweg am linken Unstrutufer. In Laucha kriegen die
Kinder endlich ihre Rast an der Stadtmauer, während wir uns das hübsche
Rathaus und die geöffnete Marienkirche ansehen. Hier gibt es sogar
einen "Kinderkirchenführer". Auf dem weiteren Weg kommen wir am
Lauchaer Glockenmuseum vorbei, das heute aber niemand besuchen will.
Weiter geht es über Weischütz, wo es einen schönen Picknickplatz an der
Brücke gibt, und dann am linken Unstrutufer bis zur Zeddenbach-Mühle..
Hier überquert der Radweg wieder die Unstrut und umfährt damit
Freyburg, wir fahren jedoch unterhalb der Weinberge weiter in Richtung
Stadt, die heute unser Etappenziel ist.
Hier treffen wir auf die Pension "Am Weinberg", die Wirtin Frau
Neugebauer bezieht gerade die Betten der letzten Gäste frisch und nimmt
uns gern auf, wir planen 2 und bleiben letztendlich 3 Nächte hier. Ich
wäre gern noch weiter nach Zeitz und Lützen gefahren, aber der Rest der
Familie möchte noch ein paar ruhige Tage verbringen. So beziehen wir
unser Zimmer mitten im Weinberg und fahren dann zum Markt, wo wir nach
genau einer Woche wieder im Eiscafé "Merle" einkehren. Danach fahren
Torsten und Hannes ins Quartier zurück, während Marie-Carmen und ich im
Ort nach einer Einkaufsmöglichkeit suchen. Erst kurz vor der
Bundesstraße stoßen wir auf zwei Supermärkte, wo wir Drogerieartikel
und einen Malblock, aber keinen Lesestoff bekommen. Freyburg hat zwar
mindestens 10 Möglichkeiten zum Übernachten, aber zum Einkaufen muss
man woandershin fahren.
Am Abend kehren wir beim Griechen an der Schleuse ein, Thüringer Küche
hatten wir jetzt oft genug.
Dienstag / Mittwoch, 1./2. August
2006, 2 Ruhetage in Freyburg
Am nächsten Tag sind die Kinder froh, dass sie das Zimmer nicht
verlassen müssen, sie basteln, malen und lesen. Torsten und ich nehmen
unsere Räder und fahren ein kurzes Stück auf dem Unstrut-Radweg zurück
bis zum Anstieg nach Zscheiplitz 2 km vor Freyburg. Hier liegt oberhalb
des Flusses die Klosterkirche des auf Ludwig den Springer und Adelheid
zurückgeführten Klosters. Von hier hat man einen wunderschönen Blick
über das Unstruttal und Freyburg. Ein alter Herr, ein Mitglied des
Vereins der "Klosterbrüder", zeigt uns die Kirche und erzählt die
Geschichte ihrer Rettung vor der Wende. Danach fahren wir noch zum
"Sühnekreuz", der Stelle, an der im Jahr 1085 der Pfalzgraf Friedrich
III von Goseck im Auftrag Ludwigs ermordet worden sein soll. Wenig
später heiratete Ludwig, der Erbauer der Neuenburg und auch der
Wartburg bei Eisenach, die schöne Adelheid, Friedrichs Witwe.. Nachdem
er sich durch den legendären Sprung vom Giebichenstein bei Halle
(deshalb "der Springer") der Strafe durch den König entzogen hatte,
soll er "zur Sühne" u. a. das Kloster in Zscheiplitz gegründet haben,
in das wohl auch Adelheid am Ende ihres Lebens eintrat. So viel zur
Geschichte bzw. Legende, unser Ausflug endet mit einer rasanten Abfahrt
zurück ins Tal, wo die Kinder uns schon erwarten.
Da die Kinder immer noch kein Bedürfnis nach Action haben, gehen
wir allein zur Rotkäppchen-Sektkellerei, wo täglich um 14 Uhr eine
Führung stattfindet. Als wir ankommen, stehen 3 Busse und eine riesige
Menschentraube davor. Aber die Kellereiführerinnen sind flexibel, sie
setzen eine Zusatzführung um 14.15 Uhr an (und noch mindestens 2
weitere an diesem Nachmittag), wo wir in die Geheimnisse der
Sektherstellung eingeweiht werden, im Rüttelkeller erfahren, wie eine
Flaschengärung abläuft und zum Schluss die neueste Kreation, den "Rosé
trocken", probieren dürfen. Am Ende unserer Führung strömen die
Teilnehmer der Sektprobe zurück zu ihren Bussen, überwiegend sehr
beschwingte Seniorinnen, die mit vollen Einkaufstüten wieder nach
Göttingen fahren.
Zurück im Quartier, schreien die Kinder Hunger und wollen wieder zum
Griechen, nach dem Essen scheuchen wir sie noch am rechten Unstrutufer
bis zur Zeddenbach-Mühle und links zurück, danach gewinnt Hannes, nach
einem kleinen Schluck Sekt sehr aufgedreht, die Siedler-Runde. Uns
gefällt es so gut, dass wir beschließen, noch einen Tag zu bleiben.
Am nächsten Tag machen wir uns gemeinsam wieder auf zur
Zeddenbach-Mühle, die in Betrieb ist und mahlt. Über das Wehr läuft
fast kein Wasser, aber der Mahlgang rauscht laut. Leider ist der Müller
allein und kann uns nicht durch die Mühle führen (wir haben uns nicht
angemeldet), aber im Mühlenladen kaufen wir Nudeln und Naschereien,
dann sitzen wir lange an der Schleuse, füttern mit Brotresten die
Fischchen, malen und genießen die Idylle mit blühender Blumenbinse und
Weiderich, Libellen, Enten und Bachstelzen. Die Zeddenbach-Mühle ist
eine Radfahrer-Falle: Während wir am Wehr sitzen, überqueren 2 Radler,
vom linken Unstrutufer aus Richtung Freyburg kommend, die Brücke an der
Schleuse. Im Viertelstundentakt kommen sie noch 3x an uns vorbei, bis
sie den richtigen Weg links flussaufwärts gefunden haben (Männer haben
eben keinen Mund zum Fragen).
Da die Kinder heute auch noch in die Sektkellerei wollen, gehe ich mit
ihnen noch mal dorthin, bevor wir am Spätnachmittag zur Mühle
zurückkehren und Forelle essen. Nach einem heftigen Regenguss kriegen
wir auf der Terrasse über dem Mühlengang kalte Füße, wer hätte das
gedacht nach den heißen Tagen. Abends packen wir schon mal die Taschen
für den Aufbruch am nächsten Morgen. Die Neuenburg haben wir diesmal
nicht besucht, beim nächsten Mal wieder.
Donnerstag, 3. August 2006, 8. Etappe:
Freyburg - Schönburg (15 km, Kurzetappe)
Am nächsten Morgen
starten wir bei vergleichsweise kühlem Wetter ca. 9
Uhr in Richtung Naumburg, wo wir Oma Inge besuchen wollen. Deshalb wird
es nur eine kurze Etappe. Vom vergangenen Jahr wissen wir, dass es ab
Schönburg kaum noch Unterkünfte gibt, also haben wir beschlossen, im
Landgasthof "Neue Welt" zu bleiben. Bis dorthin sind es nur 15 km, also
jede Mende Zeit.
Am linken Unstrutufer fahren wir bis zur Brücke am Wehr, wo wir auf die
andere Flussseite und den Unstrut-Radweg wechseln. Das folgende Stück
Weg bis Großjena kennen wir schon, nach dem Regen ist der unbefestigte
Uferweg etwas aufgeweicht. Diesmal folgen wir dem Radweg auf das linke
Ufer und erreichen das "Steinerne Bilderbuch", in den Kalkfelsen
gehauene Szenen aus Jagd und Bibel, bevor die Unstrut am Naumburger
"Blütengrund" in die Saale mündet. Hier könnte man mit der Fähre auf
die rechte Flussseite und damit auf den Saale-Radweg übersetzen, wir
bleiben jedoch noch am linken Ufer bis zur Brücke am Gasthaus "Zur
Henne". Hier zweigt der Weg zum Schloss Goseck und zum rekonstruierten
jungsteinzeitlichen Sonnenobservatorium ab, wir heben uns dies jedoch
für einen späteren Besuch auf und folgen der "Schnellstraße" für
Fahrräder am rechten Saaleufer. Am Pegel in Naumburg-Grochlitz muss man
absteigen und ein paar Meter schieben, wenn man nicht bergauf in die
Stadt fahren will. Dis ist jedoch erst am Nachmittag unser Ziel. Vorbei
am "Alten Felsenkeller" geht es bis zum Landgasthof "Neue Welt"
unterhalb der Schönburg, den wir ca. 10.30 Uhr erreichen. Hier zweigt
die "Saale-Unstrut-Elster-Radacht" in Richtung Zeitz ab, wo ich
eigentlich noch gerne hinwollte, aber den Kindern reicht die Tour für
dieses Jahr, so dass wir auch diesen Besuch auf spät

er verschieben.
In der "neuen Welt", die seit 1883 Ausflugsgaststätte ist, beziehen wir
unser sehr schönes (doppeltes) Zimmer und essen nach einer
Siedler-Runde
zu Mittag, bevor wir am Nachmittag in Naumburg mit Oma Inge Kaffee
trinken und Eis essen gehen. Danach genießen wir unseren letzten Abend
auf der Tour im Biergarten der "Neuen Welt" gegenüber der Neumühle, die
Kinder streicheln die Ziegen im Gehege, wir lesen und schreiben.
Freitag, 4. August 2006, 9. Etappe:
Schönburg - Halle (70 km)
Der letzte Tag der Tour ist angebrochen, wir wollen heute bis nach
Hause kommen. Gegen 9 Uhr starten wir bei bedecktem Himmel und ca.
20°C, den ganzen Tag über bleibt das Wetter so, nur gelegentlich gibt
es ein paar Sonnenstrahlen. Unterhalb der Schönburg führt uns der Weg
durch den Ort Schönburg, der zu den schönsten Dörfern Deutschlands
gehören soll. Die Gegend haben wir schon mehrmals zu Fuß erkundet,
deshalb verlassen wir kurz hinter dem Ort den Saaleradweg, der in
weitem Bogen dem Mäander folgt, und fahren auf einer ganz kleinen
Landstraße parallel zur Bahnlinie weiter bis nach Leißling, wo wir den
Radweg wieder treffen. Eine größere Radwandergruppe traut unserer
Ortskenntnis nicht und fährt lieber auf dem Radweg weiter, wir sehen
sie später in Bad Dürrenberg wieder, wo sie eine Viertelstunde nach uns
im Biergarten eintreffen.
Hinter Leißling beginnt ein mehr oder weniger unbefestigtes Wegstück
bis Weißenfels, die Ortsdurchfahrt durch Weißenfels erscheint uns
jedoch nicht mehr so grau und unfreundlich wie im Vorjahr, zumal ein
paar Wegverbesserungen vorgenommen wurden. Entlang der Bahnlinie und
zwischen Feldern geht es gemütlich weiter über Schkortleben bis zur
Brücke zwischen Groß- und Kleinkorbetha, den weit vor dem Ort
angekündigten Bauernhof mit Radfahrer-Übernachtungen in Großkorbetha
finden wir trotz Suchens jedoch auch dieses Jahr nicht.
Also nutzen wir
in Kleinkorbetha auch nicht den Abzweig in Richtung Lützen, das
eigentlich auch auf unserem Tourprogramm stand, aber auf später
verschoben wird. Die Kinder haben Durst und wollen eine Pause, (das in
der "Neuen Welt" abgefüllte Wasser ist gechlort), also versprechen wir
ihnen eine Rast in Bad Dürrenberg, das wir ca. 13 Uhr erreichen. Die
Gaststätte und Pension zum "Alten Badehaus" liegt sehr schön direkt am
Radweg, das Essen ist gut, die Übernachtung war uns im letzten Jahr zu
teuer, dafür kann man als Übernachtungsgast (eben im "alten Badehaus")
die Sauna benutzen. Nach der Rast überqueren wir die Saalebrücke, die
schon seit 1 1/2 Jahren im Bau und deshalb eine mittlere Katastrophe
ist. Direkt hinter der Brücke steht die Straßenbahn Nr. 5, wir bieten
den Kindern an, mit ihren Ferientickets einzusteigen und von hier aus
bis nach Hause zu fahren (eine knappe Stunde Fahrt bis nach Halle),
aber Hannes hat noch Kraft und Elan, und Marie-Carmen meint, sie würde
sich dann vorkommen, als hätte sie geschummelt. Also fahren wir
gemeinsam weiter über Leuna bis nach Merseburg, wo der Weg immer noch
ohne sichtbare Markierungen direkt durch die Innenstadt und dann auf
wenig fahrradgeeigneten Wegen am Schloss vorbeiführt. Durch den
Stadtpark erreichen wir schnell Schkopau und treffen dort auf den
Abzweig wo wir auf dem Hinweg den Saale-Radweg in Richtung Geiseltal
verlassen haben.

Auf dem Radweg entlang der B91 passieren wir das Chemiewerk, was mich
jetzt wesentlich mehr stört als zu Beginn der Tour. Deshalb sind wir
froh, hinter der Saalebrücke die Straße nach links verlassen zu können,
um am rechten Saaleufer über Hohenweiden und Röpzig die Hallesche
Südstadt zu erreichen.
Ca. 17 Uhr, kurz hinter der Hafenbahnbrücke und 2 km von unserem Haus
entfernt, hat Torstens Fahrrad erneut einen Platten, diesmal am
Hinterrad. Gut, dass das erst jetzt passiert ist. Also schicken wir die
Kinder als Vorhut voraus und schieben das letzte Wegstück nach Hause,
wo uns Steffen und Anna, die in unserer Abwesenheit das Haus gehütet,
Kater, Hasen und Mäuse versorgt sowie den Garten gegossen haben, schon
erwarten. Und unsere 81jährige Nachbarin Leni hat als Willkommensgruß
Gulasch mit Klößen gekocht und reichlich Prosecco kaltgestellt. Während
wir bei Leni essen und erzählen, gießt es draußen wie aus Kannen bei
nur noch 15°C, und das bleibt auch in den nächsten Tagen so. Was haben
wir für ein Glück gehabt - in jeder Beziehung. Und die Kinder sind
froh, wieder zu Hause zu sein und ungestört ausschlafen, spielen und
bummeln zu können, fanden die Tour insgesamt aber schön. Ob sie
nächstes Jahr wieder mit uns auf Fahrradtour gehen, vielleicht
saaleabwärts?
Links: (werden noch ergänzt)