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Aufsatz von Ute Schlegelmilch, Hausarbeit für die Otto - Friedrich - Universität Bamberg - Lehrstuhl für mittelalterliche Geschichte - PS: Heinrich II und die Gründung des Bistums Bamberg - Dozentin: Dr. T. Brüsch - SS 2000. Inhaltsverzeichnis
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Die alte Hofhaltung in Bamberg mit der Andreaskapelle. Quelle der Abb.: CD Kaiser Heinrich II., Theiss Verlag, 2002. |
Libenter nepotem meum aliqua ex parte defenderum, si veritatem a cunctis fidelibus honorandum polluere auderem. In diesem Zitat beurteilt der Chronist Thietmar von Merseburg an einer Stelle seiner Chronik die Handlungsweise seines Verwandten Heinrichs von Schweinfurt, Markgraf des Nordgaus. Bei dieser Angelegenheit geht es um den Konflikt des oben genannten Markgrafen mit seinem König Heinrich II. Anfang des 11. Jahrhunderts. Heinrich II. soll dem Grafen, kurz bevor er zum König gewählt wurde, das Amt des Bayernherzogs versprochen haben, sobald er dieses Amt zugunsten der Königswürde aufgibt. Nachdem dies aber nicht geschah, kam es zu einer kriegerischen Auseinandersetzung zwischen der Partei Heinrichs von Schweinfurt und der Partei Heinrichs II. Die vorliegende Arbeit behandelt nun, ausgehend von der Chronik Thietmars von Merseburg, den Verlauf des Konflikts. Zu Beginn des Hauptteils möchte ich in kurzen Auszügen das Leben der Protagonisten Heinrich II. und Heinrich von Schweinfurt skizzieren, wobei außer der Chronik Thietmars auch andere Quellen herangezogen werden. Darauf wird eine Diskussion des Konflikts anhand der Primärquelle erfolgen, mit besonderer Stellungsnahme zu den etwaigen Beweggründen Heinrichs II., dem Markgrafen die Herzogswürde nicht zu verleihen und Thietmars Auslegung des Konflikts. Im dritten und letzten Punkt des Hauptteils wird der Ablauf der Streitigkeiten mit Gerd Althoffs Ritualisierungstheorie der Konflikte während der ottonischen und stauferischen Zeit verglichen. Dieser Punkt der Gliederung soll außerdem dazu dienen, einen Vergleich zwischen dem Leben im Mittelalter und unseren heutigen Vorstellungen zu ziehen.
I. Kurze Darstellung des Lebenslaufs der beiden Protagonisten
1. Heinrich II.
Das Geburtsdatum Heinrichs II., Sohn Heinrichs des Zänkers und Gudruns, Tochter des
Burgunderkönigs Konrad, ist für uns nicht 100 % sicher festzustellen. Verschiedene
Chroniken geben verschiedene Auskünfte. So steht etwa bei Thietmar von Merseburg,
dass Heinrich am 6. Mai 1012 XXXV. iam inciperet annus .
Folglich kann sein Geburtsdatum auf den 6. Mai 978 festgelegt werden. Frutolf von Michelsberg
und eine Grabschrift aus Bamberg tradieren, dass Heinrich mit 52 Jahren gestorben sei .
Diese Angabe lässt auf das Jahr 973 schließen. Unterstützt wird diese Angabe
zusätzlich noch durch eine Passage der Vita Godehardi prior . Doch möchte ich
die Diskussion um das Geburtsjahr Heinrichs II. nicht weiter ausführen, sondern auf
das zweite Kapitel aus Stefan Weinfurters Biographie über Heinrich II. verweisen,
dessen Argumentation ich mich anschließe.
A parentibus in canonicatus regulam eidem ecclesiae promisso
et ob id ibi saepius morato, doch blieb er nicht beim geistlichen Stand,
sondern wird 994 in einer Urkunde Ottos III. neben seinem Vater Heinrich des Zänkers,
Herzog von Bayern, als condux geführt . Diese Urkunde zeigt, dass Heinrich als designierter
Nachfolger seines Vaters für das Herzogtum Bayern be- und gehandelt wird. Mit dessen
Tod am 25. August 995 übernahm sein Sohn durch electione
et auxilio bawariorum patris bona aput regem optinuit, und
wurde seitdem als vierter Herzog Heinrich der Bayern gezählt, und heiratete Kunigunde,
die Tochter des Grafens von Luxemburg kurz nach Amtsantritt.
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Den Anweisungen seines Vaters folgend , regierte
Heinrich als Herzog von Bayern bis Otto III. unerwartet am 23. Januar 1002 im 19.
Jahr seiner Regierung verstarb . Um mich nicht länger mit den Machtkämpfen
um den Thron aufzuhalten, die allein eine ganze Arbeit füllen würden,
möchte ich nur kurz und bündig Hermann von Reichenau zitieren, der das
Leben Heinrichs II. in knapper, tabellarischer Form wiedergibt: Et
Heinricus Baioariae dux, assumptis insignibus regni, rex pro eo effectus regnavit
annis 23 . Etwas ausführlicher wird das Ganze
bei Thietmar von Merseburg beschrieben, der sogar noch kurz die Legitimation der
Herrschaft mit dem Erbrecht begründet , auf das ich noch einmal im Zusammenhang
mit der Vergabe des Herzogtums Bayern kommen werde. |
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2. Heinrich von Schweinfurt
Der Markgraf, Sohn Bertholds und Eilas (Abb.3), hatte zur Zeit Heinrichs II. die Stellung
als Markgraf im Volkfeldgau, Radenzgau und im bayerischen Nordgau inne (Abb. 2). Er wurde
980 geboren und starb im Jahre 1017 am XIIII. Kal. Oktobr. Thietmar von Merseburg nennt
ihn orientalium decus Francorum , doch ist dies nicht so leicht verständlich angesichts
der Tatsache, dass Heinrich von Schweinfurt, während seines Lebens zu den Gegnern
Heinrichs II. gehörte und Thietmar ein treuer Gefolgsmann des Königs war.
In dieser Situation muss man jedoch wissen, dass Thietmar
und der Graf verwandt waren. Thietmar bezeichnet Heinrich als nepos
meus und als Bertoldi
amiteque filius. Heutzutage würde
man sie wahrscheinlich als Cousins apostrophieren. Das
Geschlecht der Schweinfurter zählt man zu den jüngeren Babenbergern, als Abgrenzung
zu den Älteren. Einer der bedeutendsten Männer dieser Adelsfamilie war Heinrichs
Vater Berthold, der zu Ottos III. engsten Vertrauten gehörte . Die Königsnähe seines Vaters wurde durch Heinrich von
Schweinfurt nicht weiter ausgebaut. Er beschnitt sie sogar erheblich, als er zum einen
von Otto III. zeitweise geächtet wurde und später in die, hier behandelte, Auseinandersetzung
mit Heinrich II. trat . Während des Konflikts wurden die Hauptburgen des Grafen Creußen,
Ammerthal und Kronach zerstört. Trotz
der späteren Verzeihung durch den König, erhielt er zwar sein Amt als Graf wieder
zurück, doch nicht alle Lehen. Damit schuf der König Platz für die Gründung
des Bistums Bamberg im Jahre 1007.
II. Untersuchung des Konflikts
Thietmar von Merseburg beschreibt diesen
Konflikt in seiner Chronik sehr ausführlich, was vielleicht damit zusammenhängt,
dass er hierbei mit sich selbst zu kämpfen hat, wem er nun Loyalität zollen soll.
Sein Cousin Heinrich von Schweinfurt, Bertoldi
amiteque meae filius, steht auf der einen
Seite, sein König Heinrich II. auf der anderen. Doch zuerst möchte ich den Konflikt
kurz umreißen. Das einst mächtigste
Grafengeschlecht des Herzogtums Bayern hat durch die doppelte Entzweiung des Markgrafen
Heinrich mit dem Königshaus viel von seiner früheren Machtstellung eingebüßt.
Erst der Sohn des Markgrafen, Otto, konnte wieder eine
Vertrauensstellung beim König erlangen, doch ist mit ihm die Linie der männlichen
Nachfolger ausgestorben .
1. Historische Grundlagen des Konflikts
Diese militärische Auseinandersetzung hat ihren Ursprung in der angeblichen Zusage
des damaligen Herzogs Heinrich IV. von Bayern an den Markgraf des Nordgaus, Heinrich von
Schweinfurt. Der Markgraf sollte das Herzogtum Bayern als Lehen erhalten, wenn Heinrich
von Bayern König werden sollte. Als
der Bayernherzog nach mehreren Schwierigkeiten König wurde, ließ Heinrich von
Schweinfurt durch Boten noch einmal um das Amt nachfragen, erhielt jedoch die Antwort,
dass er sich nicht über das traditionelle bayerische Gesetz hinwegsetzen könne,
gemäß dem die Bayern ihre Herzöge frei wählen können.
Dadurch pikiert, zumal der Schweinfurter Heinrich II. bei
der Durchsetzung der Königswürde treu zur Seite gestanden hatte, verbündet
er sich mit Boleslaw von Polen und startet einen offenen Aufstand gegen seinen König.
Doch Markgraf Heinrich muss sich bedingungslos ergeben und sich den Forderungen des Königs
beugen. Denn im weiteren Verlauf des Streits gewinnt Heinrich II. aber immer mehr die Überhand
und siegt am Ende ganz. Das Nordgau wird
aufgeteilt, doch Heinrich von Schweinfurt nach einiger Zeit wieder in sein Amt eingesetzt
. Seine Lehen erhält er aber nur teilweise wieder zurück . Soweit ein kurzer
Einblick in die Thematik.
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2. Diskussion der Konfrontation zwischen Heinrich II. und Heinrich von Schweinfurt anhand der Chronik Thietmars von Merseburg Zu Beginn des Konflikts stellt sich nun zum
einen die Frage, ob die Versprechung des Herzogtums Bayern nur eine rein taktische
Maßnahme von Heinrich II. war, um sich die Treue Heinrichs von Schweinfurt
zu sichern, oder aber zum anderen, ob der König tatsächlich das Recht
seiner bayerischen Untertanen wahren wollte, weshalb er ihnen keinen neuen Herzog
oktroyieren kann? Thietmar von Merseburg
berichtet uns, dass Heinrich II dem Schweinfurter Markgrafen das Herzogtum Bayern
als Lehen fest zugesagt hatte, als Belohnung für seine Unterstützung
bei der Erlangung der Königswürde. Unterstützend schiebt Thietmar
den Nebensatz ad regni apicem
acquirendam regi usque huc fidelis adiutor
ein. Dieser Satz scheint für Thietmar als Legitimation zu genügen. Auch
an anderer Stelle erwähnt Thietmar Heinrichs Unterstützung für den
König. Bei Faussner ist ein
weiterer Grund zu finden, warum Heinrich von Schweinfurt als Nachfolger in Frage
käme und Anspruch geltend machen könnte: Die Mutter der Königin
Kunigunde, Hedwig, ist eine Tochter des Markgrafen Berthold von Schweinfurt, und
somit seine Schwester. Heinrich von
Schweinfurt ist somit ein Cousin zu Kunigunde und direkt mit dem Königshaus
verbunden. Im Mittelalter reichte diese Beweislage aus, um einen Folgeanspruch
geltend zu machen . |
Dokumentation: Orginaltext Thietmar von Merseburg in Übersetzung und in ausgewählten Auszügen. Siehe, da ließ Graf Heinrich, Bertolds und meiner Muhme Sohn, der dem Könige bisher zur Erlangung der Krone treulich geholfen hatte, weil er wahrnahm, daß seines Herrn Neigung sich ein wenig von ihm abwandte, durch die ausgezeichnetsten Männer im königlichen Heere bei Heinrich um die Verleihung des ihm lange und fest versprochenen Herzogthums Baiern anhalten. Ihnen soll der König zur Antwort gegeben haben: "Wißt ihr denn nicht, daß das auf diesem Zuge gar nicht ausgeführt werden kann? daß die Baiern von Anfang an freie Macht gehabt haben, ihren Herzog zu wählen, und daß es sich nicht ziemt, sie so plötzlich herabzusetzen und ihre alten verfassungsmäßigen Vorrechte ohne ihre Einwilligung zu vernichten? Wenn Graf Heinrich warten will, bis ich selbst in die Gegend komme, so will ich ihm, nach gemeinsamen Rathe und Willen der Ersten des dortigen Landes, hierin gern Genüge thun." Als das der Graf von seinen Vermittlern erfuhr, verzweifelte er noch mehr daran, die versprochene Würde je zu erreichen, und zog sich allmählich aus dem vertrauten Umgange mit dem Könige zurück... Als der König dann die Betwoche,
welche ja jeder Christ getreulich beobachten soll, zu Merseburg feierte, ward ihm
die offene Empörung Herzog Bolizlav's und Markgraf Heinrichs gemeldet. Das
nächste Pfingstfest [16. Mai] verlebte er darauf Unterdeß übte Bolizlav, getrieben von eigener Wuth und den Anreizungen des Grafen Heinrich, große Gewaltthat an den Baiern und an allen seinen Mitvasallen. Deshalb machte der König in Folge vorher angesagter Heerfahrt einen feindlichen Einfall ins Milziner Gebiet, und wenn nicht starker Schnee, der schnell aufthaute, ihn gehindert hätte, so würde jenes ganze Land wüst und menschenleer geworden sein. Zornerfüllt von da zurückkehrend, unterstützte der König dann den Markgrafen Guncelin [von Meißen] und die übrigen Vertheidiger des Vaterlandes durch Einlegung von Besatzungen; dann kam er nach Merseburg. Hier erfuhr er durch zuverlässige, von Graf Heinrich an ihn abgesandte Fürsprecher, sein Bruder Bruno sei zum Könige der Ungarn geflohen, um von da aus Begnadigung nachzusuchen, und er selbst fühle große Reue. So schenkte er, obwohl mit Widerstreben, den dringenden Bitten dieser Vermittler und besonders seines überaus lieben Tagino und Herzog Bernhards [von Sachsen] Gehör, und gewährte dem Grafen Heinrich unter der Bedingung Gnade, daß er ihm und seinen Anhängern zwar ihre Güter und deren Bewohner wieder verleihen wolle, dagegen aber ihn selbst, so lange es ihm beliebe, in Haft halten könne; worauf sich der Graf im Aufzuge und Benehmen eines Büßenden dem Könige überantwortete, indem er weinend bekannte, daß er in jeder Beziehung nur allzu strafbar wäre. Auf des Königs Geheiß ward er darauf vom Erzbischofe nach Burg Ivicansten [Giebichenstein] zur Haft abgeführt, und dort von den Kriegsleuten desselben Tag und Nacht sorgfältig bewacht. Hier verrichtete er unter anderen guten Werken auch dasjenige, daß er eines Tages das Psalterium mit 150 Kniebeugungen absang... Quelle:Die Quellensammlungen auf
CD-Rom von heptagon. Der Verlag bietet an: Quellensammlung zur mittelalterlichen
Geschichte (mit Thietmar von Merseburg u. Roswitha von Gandersheim) und Quellensammlung
zur mittelalterlichen Geschichte / Fortsetzung ( mit der Sachsenchronik von Widukind
v. Corvey) |
Seine Argumentation geht im Weiteren darauf
ein, dass Heinrich von Schweinfurt den Konflikt von seinem Vater ererbt hat. Auch ihre
beiden Väter, Heinrich der Zänker und der Babenberger Berthold von Schweinfurt,
verband keine Freundschaft. Überraschend ist die folgende Aussage, dass sich Heinrich
II. der Feindschaft der Babenberger bewusst gewesen sein muss. Unter diesem Aspekt möchte
ich nun noch einmal kurz auf den Beginn dieser Kontroverse hinweisen und die Frage, die
sich dabei stellte. Wenn sich Heinrich II. also der Gegnerschaft seiner mächtigsten
Grafen schon zu der Zeit sicher war, als er noch Herzog der Bayern war, so wird Heinrich
von Schweinfurt wahrscheinlich nie die Chance gehabt haben, nach Heinrichs Wahl zum König,
Herzog zu werden. Ergo lässt sich festhalten, dass Heinrichs Zusage an den Markgrafen
gewiss rein taktischer Natur war.Der Chronist lässt aber keinen Zweifel aufkommen,
dass Heinrich II. falsch handelt, sondern zielt mit seiner Argumentation darauf ab, die
Schuld nur beim Markgrafen und dessen Mitverschwörern zu suchen .
Im weiteren Verlauf des Konflikts kann Heinrich von Schweinfurt zwar kleinere Siege davon
tragen, wie zum Beispiel den Raub des Schatzes, den der König vorausgesandt hat, doch
die effektiveren Erfolge trug der König davon. Er zerstörte die Feste Ammertahl
und die Burg Creußen, in der der Bruder des Markgrafen, Bukko, mit seiner Familie
Schutz suchte, er nahm Ernst gefangen und ließ die Burg Schweinfurt zerstören,
in der Heinrichs Mutter lebte, auf die ich später noch einmal zu sprechen komme.
Unterstützung fand der Schweinfurter noch einmal in
dem gleichnamigen Sohn des Grafen Siegfrieds, doch schien ihm die Erfolgsaussicht zu gering,
als dass er in die aperta rebellio übergehen wolle. Er brannte die Burg Kronach nieder
und floh mit Bruno nach Böhmen zu Chrobry . Nach
und nach verlor Heinrich von Schweinfurt alle Mitstreiter. Ernst wurde, wie schon erwähnt,
gefangen genommen und zum Tode verurteilt (was aber später durch eine redemptione
ersetzt wurde) , Bukko wurde besiegt und Siegfried wandte sich von ihm ab . Es blieben
vorerst also nur noch Bruno, der Bruder des Königs, und Boleslaw Chrobry treu an seiner
Seite.
Doch auch diese Koalition hielt nicht mehr lange. Nachdem Chrobry in Bayern weitere Schandtaten
ausübte, die der König trotz Wintereinbruch mit Hilfe seiner Getreuen vereitelte.
Daraufhin ließ Heinrich von Schweinfurt für
sich und Bruno, der nach Ungarn geflohen war, über Boten um Gnade nachsuchen. Quorum et maxime percari suimet Taginonis et Bernhardi ducis
supplicaciones, etsi invitus, suscipiens, prefacto comiti suimet gratiam ea ratione indulsit,
ut predium sibi suisque fautoribus et incolatum redderet, ipsum autem, quamdiu voluisset,
in custodia detineret . Thietmar von
Merseburg beschließt dieses Kapitel mit der Anmerkung, dass der ehemalige Markgraf
in seiner Gefangenschaft Buße tat, um seine Vergehen zu sühnen . Bei Weinfurter
ist nachzulesen, dass dieser Satz nachträglich von Thietmar eingefügt worden
ist. Es sei also anzunehmen, dass dem Chronisten das Heil seines Verwandten nicht egal
war und er dazu beitragen wollte, den Ruf Heinrichs von Schweinfurt wiederherzustellen
. Er stellt den Grafen als selbstgeißelnd dar. Heinrich von Schweinfurt scheint sich
durch die Liegestützen und das gleichzeitige Psalm rezitieren sowohl physische als
auch psychisch reinigen zu wollen. Zum Abschluss
stellt sich nun noch die Frage, was aus Heinrich von Schweinfurt wurde?
Seine Güter wurden aufgeteilt. "Denn als Graf Heinrich von Schweinfurt sich im
Jahre 1004 dem König unterwarf, da war dieser großmütig genug, ihm bald
darauf den östlichen Teil des Nordgaus, die Markengebiete von Cham und Nabburg samt
der Grafschaft Udalschalks wieder zurückzugeben und dadurch den Tiefgestürzten
zu versöhnen. Die westlichen Teile des Nordgaus wie die fränkischen Grafschaften
im Radenzgau und Volkfeld aber blieben ihm dauernd entzogen." Doch wann war dieses "bald"? Zu finden ist es bei Thietmar
im 13. Kapitel des sechsten Buches. Dort erfahren wir, dass Heinrich II. durch eine Predigt
des Bischofs Gottschalk von Freising aufgefordert wurde, den Grafen aus der Haft zu entlassen,
was er auch tat. Er wurde sogar wieder in alte Ämter eingesetzt und erhielt sein Lehen
größtenteils zurück. Der
Konflikt war beigelegt und Heinrich von Schweinfurt hatte nicht nur einen Teil seine Besitzungen
zurückerhalten, sondern auch seine Ehre gerettet.
III. Vergleich des Konflikts mit der Ritualisierungstheorie zur Austragung und Beilegung von Konflikten im 10 und 11. Jahrhundert von Gerd Althoff
Gerd Althoff proklamiert in mehreren Artikeln,
dass sich im 10. und 11 Jahrhundert eine Ritualisierung bei der Austragung von Konflikten
herausgebildet hat. Wie schon vorher ausführlich
erörtert, finden wir bei Thietmar von Merseburg eine ausführliche Darstellung
der Kontroverse um das Herzogtum Bayern zwischen Heinrich II. und Heinrich von Schweinfurt.
In diesem letzten Abschnitt möchte ich deshalb den Ablauf der Streitigkeiten mit Althoffs
Ritualisierungstheorie vergleichen.
Eine Auseinandersetzung im 10. und 11. Jahrhundert, bei dem der König involviert war,
hat nicht das Ziel, eine Absetzung des Königs zu erwirken, sondern ist normalerweise
persönlicher Natur. Ihr geht meist eine
tristitia magna voraus, in der das Ansehen
und die Ehre eines der beiden Kontrahenten verletzt wird. Zu dieser Zeit wird das als weit
schlimmer als der Verlust von Gut und Bestitz empfunden. Wie bei Thietmar nachzulesen ist,
zieht sich der Markgraf durch den Affront König Heinrichs II. nach und nach immer
weiter vom König zurück, auch wenn er ihn bei seinen Zügen von Schwaben
nach Franken über Thüringen noch unterstützt. Die familiaritas, die ihn
davor mit dem König verbunden hat, bricht ab und endet schließlich in einer
aperta rebellio, einer offenen Rebellion, gegen den König.
Es findet ein Kräftevergleich statt, in dem "der König seine Macht, wie umgekehrt der Markgraf
seine Entschlossenheit zum Widerstand nachdrücklich unter Beweis stellte." Wie Althoff weiterhin schreibt, und auch bei Thietmar gut nachvollziehbar
ist, wird bei der gesamten Auseinandersetzung eine bestimmte Handlungsweise erkennbar.
Es wurde zur Zeit Heinrichs II. als sehr wichtig erachtet, seine dignitas nicht
zu verlieren. Heinrich II. wahrt in unserem Fall sein Ansehen, indem er dem Markgrafen
seine Macht und seinen Herrscherwillen demonstrierte und Heinrich von Schweinfurt, indem
er seine Insubordination öffentlich zeigt und keinen sofortigen Rückzug beschließt
. Der nächste Schritt, der bei den Belagerungen
von Seiten des Königs deutlich wird, zeigt, dass auch hier eine Ritualisierung stattgefunden
hat. Hierzu möchte ich die Belagerung der Burg Ammerthal herausgreifen, um an ihr
die wichtigsten Merkmale herauszuarbeiten. Thietmar
schreibt: (...) Amerdelam (...) revertitur.
Quos rex pone insecutus possedit compositisque bellorum instrumentis eos vitam solum reddita
urbe et predda fidis intercessoribus postulare compulit. Tunc destructa penitus eadem divisaque
inter suos Poleniorum multitudine(...). Zuerst
bekundet der König seine kriegerischen Absichten, indem er Sturmgerät vor der
Burg auffahren lässt. Er lässt die Burg also nicht sofort angreifen, sondern
versuchte über Mittelsmänner mit den Burginsassen in Verhandlung zu treten. Die
Bewohner wurden aufgefordert, ihre Burg und die darin befindlichen Polen gegen ihr Leben
einzutauschen. Erst nachdem dies geschehen war, wurde die Burg zerstört. Und wie am
Beispiel der Burg Schweinfurt zu erkennen ist, wurde es meist mit Nachsicht ausgeführt.
Der König wollte also seinen Untertanen keinen Schaden zufügen, sondern ihnen
eine Lektion erteilen um daran zu erinnern, dass seine Herrschaft gottgegeben ist und seine
Entscheidungen nicht anfechtbar sind. Diese Einstellung zeigten auch der Bischof von Würzburg,
und Erkanbald, der Abt des Fuldaer Klosters, als sie, beeindruckt vom Auftreten der Mutter
des Markgrafen, bei der Zerstörung der Burg Schweinfurt Milde walten ließen
und ihr sogar noch versprachen, alles in ihrer Macht stehende zu unternehmen, um den Wiederaufbau
der Burg durch den König zu unterstützen. Damit
der Aufstand wieder dem Ende zugeht, setzen sich
"vertrauenswürdige Fürsprecher"
ein, die an keine der beiden Gruppierungen grundsätzlich gebunden sind. Sie versuchen
den bestmöglichen Ausweg für den Verlierer auszuhandeln . In unserem Fall waren
es Tagino, Erzbischof von Magdeburg , und Herzog Bernhard, die für Heinrich von Schweinfurt
die optimalsten Konditionen aushandelten . Der Graf musste sich vorbehaltslos untergeben,
was aber genauso zum Ritual gehörte wie die anschließende Verzeihung durch den
König. Der davor Verschmähte wurde danach wieder in Amt und Würde eingesetzt.
Keiner der beiden Gegner verlor dabei seine dignitas.
Heinrich II. zeigt seinen Untertanen
seine Güte und Menschlichkeit indem er seinen Widersacher nicht einmal ein Jahr nach
dem Aufstand verzeiht. Der Graf erlangte seine
dignitas wieder, indem er vom König
wieder in Gnaden aufgenommen wird und kein Leben im Exil oder als Geächteter führen
muss. Auch die Aufforderung durch den Bischof
Abraham von Freising, die Heinrich II. dazu bewegte, die Begnadigung auszusprechen, gehört
zu diesem Ablauf. Abschließend kann
man zusammenfassend sagen, dass der Konflikt zwischen Heinrich II. und Heinrich von Schweinfurt
ein Paradebeispiel für Althoffs Ritualisierungstheorie der Konfliktaustragung im 10.
und 11. Jahrhundert darstellt. Alle Thesen, die von ihm aufgestellt werden, können
eindeutig nachgewiesen werden.
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Den Abschluss dieser Arbeit soll ein kurzes Resümee der gewonnenen Ergebnisse bilden. Der Konflikt um das Herzogtum Bayern zwischen Heinrich II. und dem Markgrafen des Nordgaus, Heinrich von Schweinfurt, stellt eine einmalige Möglichkeit dar, eine Streitigkeit, die so ausführlich geschildert wurde. zu analysieren. Wissenswert ist auch die Tatsache, dass der Chronist Thietmar von Merseburg selbst an der Auseinandersetzung interessiert war, da er mit dem Markgrafen verwandt und auf der anderen Seite ein treuer Gefolgsmann des Königs war. Er setzt sich somit, im Gegensatz zu anderen Chronisten, mit den Geschehnissen differenzierter auseinander. Wer hat Recht - wer hat Unrecht? Diese Frage versucht Thietmar auch zu lösen. Er entscheidet sich jedoch gegen seinem Cousin und für seinem König. Die Kontroverse kann aber nicht nur vom Standpunkt Thietmars aus analysiert werden, sondern man kann zusätzlich einen Vergleich mit Althoffs Ritualisierungstheorie der Konfliktbewältigung im 10. und 11. Jahrhundert ziehen. Festzustellen ist, dass dieser Konflikt, wie auch so viele andere dieser Zeit, ganz bestimmten Regeln folgt. Zunächst ist anzumerken, dass die Auseinandersetzungen rein persönlicher Natur waren und nicht dazu dienten, den König abzusetzen. Meist begannen sie, indem die Ehre eines der Kontrahenten verletzt und seine Kränkung nicht berücksichtigt wurde. |
Geäußert hat es sich schließlich in einer offenen Rebellion gegen den König. Heinrich II. war nun selbst am Zug und demonstrierte dem Markgraf somit seine Machtstellung, während ihm der Schweinfurter gleichzeitig seinen Widerstandswillen bekundete. Doch läuft auch diese Eskalation nach bestimmten Regeln ab: Es sollen keine Menschen zu Schaden kommen. Der Konflikt soll nur eine Machtdemonstration darstellen. Die Beendigung des Konflikts werden durch fidis intercessoribus ausgehandelt, die darauf achten, dass auch die dignitas des Verlierers, der sich dem König, welcher dadurch seine Gnade bewies, bedingungslos ergab, gewährt bleibt. Ebenso gehörte dazu, dass die Strafe aber bald wieder erlassen und der Gefangene wieder in Amt und Würde gesetzt wurde .
Quellen:
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hg. von Georg Waitz. In: MGH SS IV, Anton
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Schmale, Irene Schmale - Ott. In: Frutolfs
und Ekkehards Chroniken und die anonyme Kaiserchronik (Ausgewählte Quellen zur deutschen
Geschichte des Mittelalters, Bd. 15), Darmstadt 1972, S.48 - 55.
3. Fundatio ecclesiae Hildesheimensis; hg. von Adolf Hofmeister.
In: MGH SS 30/2, Leipzig 1934, S. 941 - 946.
4. Hermann von Reichenau: Chronik; hg. von Georg Heinrich Pertz. In: MGH SS 5, Hannover 1844, S. 74 - 133.
5. Jaffé, Philipp: Monumenta Bambergensia (Bibliotheca rerum
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6. MGH D H II. 29; In:
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7. Thietmar von Merseburg: Merseburgensis Episcopi Chronicon; hg. von
Robert Holtzmann. In: MGH SSrG ns IV, Weidmannsche
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8. Wolfher: Vita Godehardi episcopi prior; hg. von Georg Heinrich Pertz.
In: MGH SS 11, Hannover 1854, S. 167 - 218.
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1. Althoff, Gerd: Adels- und Königsfamilien
im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung. Studien zum Totengedenken der Billunger und
Ottonen. Bestandteile des Quellenwerkes Societas et Fraternitas; Wilhelm Fink Verlag, München
1984.
2. Althoff, Gerd: Königsherrschaft und Konfliktbewältigung
in 10. und 11. Jahrhundert. In: Frühmittelalterliche Studien. Jahrbuch für Frühmittelalterstudien
der Universität München, Bd. 23; hg. von Hagen Keller,
Joachim Wollasch; Walter de Gruyten, Berlin - New York 1989, S. 265 - 290.
3. Althoff, Gerd: Verwandte, Freunde und Getreue. Zum politischen Stellenwert
der Gruppenbindungen im früheren Mittelalter; Wissenschaftliche Buchgesellschaft,
Darmstadt 1990.
4. Erkens, Franz - Reiner: Fürstliche Opposition in ottonisch -
salischer Zeit. Überlegungen zum Problem der Krise des frühmittelalterlichen
deutschen Reiches. In: Archiv für Kulturgeschichte, Bd. 64, 1; hg. von Egon Boshof,
Böhlau Verlag, Köln - Wien 1982, S. 307 - 370.
5. Faussner, Hans Constantin: Königliches Designationsrecht und
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Verlag der österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wine 1984.
6. Hirsch, Siegfried: Jahrbücher des deutschen Reichs unter Heinrich
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7. Krah, Adelheid: Absetzungsverfahren als Spiegelbild von Königsmacht.
Untersuchungen zum Kräfteverhältnis zwischen Königtum und Adel im Karolingerreich
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8. Scherzer, Hans: Die bayerische Ostmark. Land, Volk und Geschichte;
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9. Schmid, Alois: Heinrich von Schweinfurt. In: Lexikon des Mittelalters,
Bd. 4; Artemis Verlag, München - Zürich 101989, Sp. 2078 - 2079.
10. Schmid, Alois: Schweinfurt. II. Grafen. In: Lexikon des Mittelalters,
Bd. 7; LexMA Verlag GmbH, München 1995, Sp. 1641.
11. Weinfurter, Stefan: Die Zentralisierung der Herrschaftsgewalt im
Reich durch Kaiser Heinrich II. In: Historisches Jahrbuch, 106. Jahrgang; Verlag Karl Alber,
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12. Weinfurter, Stefan: Heinrich II. (1002 - 1024). Herrscher am Ende
der Zeiten; Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2000.
13. Wendehorst, , Alfred: Heinrich II. In: Lexikon des Mittelalters,
Bd. 4; Artemis Verlag, München - Zürich 101989, Sp. 2037 - 2039.
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