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Heinrich II. und Bamberg Der Bamberger Reiter Bamberg-Bilder Der Konflikt um das Herzogtum Bayern
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Der Konflikt um das Herzogtum Bayern Anfang des 11. Jahrhunderts

Aufsatz von Ute Schlegelmilch, Hausarbeit für die Otto - Friedrich - Universität Bamberg - Lehrstuhl für mittelalterliche Geschichte - PS: Heinrich II und die Gründung des Bistums Bamberg - Dozentin: Dr. T. Brüsch - SS 2000.

Inhaltsverzeichnis

A: Einleitung

B: Erarbeitung des Konflikts

I. Kurze Darstellung des Lebenslaufs der beiden Protagonisten
1. Heinrich II.
2. Heinrich von Schweinfurt

II. Untersuchung des Konflikts
1. Historische Grundlagen des Konflikts
2. Diskussion der Konfrontation zwischen Heinrich II. und Heinrich von Schweinfurt anhand der Chronik Thietmars von Merseburg

III. Vergleich des Konflikts mit der Ritualisierungstheorie zur Austragung und Beilegung von Konflikten im 10. und 11.Jahrhundert von Gerd Althoff

C: Fazit

Quellen und Literatur

Die alte Hofhaltung in Bamberg mit der Andreaskapelle.

Quelle der Abb.: CD Kaiser Heinrich II., Theiss Verlag, 2002.

A: Einleitung

Libenter nepotem meum aliqua ex parte defenderum, si veritatem a cunctis fidelibus honorandum polluere auderem. In diesem Zitat beurteilt der Chronist Thietmar von Merseburg an einer Stelle seiner Chronik die Handlungsweise seines Verwandten Heinrichs von Schweinfurt, Markgraf des Nordgaus. Bei dieser Angelegenheit geht es um den Konflikt des oben genannten Markgrafen mit seinem König Heinrich II. Anfang des 11. Jahrhunderts. Heinrich II. soll dem Grafen, kurz bevor er zum König gewählt wurde, das Amt des Bayernherzogs versprochen haben, sobald er dieses Amt zugunsten der Königswürde aufgibt. Nachdem dies aber nicht geschah, kam es zu einer kriegerischen Auseinandersetzung zwischen der Partei Heinrichs von Schweinfurt und der Partei Heinrichs II. Die vorliegende Arbeit behandelt nun, ausgehend von der Chronik Thietmars von Merseburg, den Verlauf des Konflikts. Zu Beginn des Hauptteils möchte ich in kurzen Auszügen das Leben der Protagonisten Heinrich II. und Heinrich von Schweinfurt skizzieren, wobei außer der Chronik Thietmars auch andere Quellen herangezogen werden. Darauf wird eine Diskussion des Konflikts anhand der Primärquelle erfolgen, mit besonderer Stellungsnahme zu den etwaigen Beweggründen Heinrichs II., dem Markgrafen die Herzogswürde nicht zu verleihen und Thietmars Auslegung des Konflikts. Im dritten und letzten Punkt des Hauptteils wird der Ablauf der Streitigkeiten mit Gerd Althoffs Ritualisierungstheorie der Konflikte während der ottonischen und stauferischen Zeit verglichen. Dieser Punkt der Gliederung soll außerdem dazu dienen, einen Vergleich zwischen dem Leben im Mittelalter und unseren heutigen Vorstellungen zu ziehen.


Zum Inhalt.

B: Erarbeitung des Konflikts

I. Kurze Darstellung des Lebenslaufs der beiden Protagonisten

1. Heinrich II.
Das Geburtsdatum Heinrichs II., Sohn Heinrichs des Zänkers und Gudruns, Tochter des Burgunderkönigs Konrad, ist für uns nicht 100 % sicher festzustellen. Verschiedene Chroniken geben verschiedene Auskünfte. So steht etwa bei Thietmar von Merseburg, dass Heinrich am
6. Mai 1012 XXXV. iam inciperet annus . Folglich kann sein Geburtsdatum auf den 6. Mai 978 festgelegt werden. Frutolf von Michelsberg und eine Grabschrift aus Bamberg tradieren, dass Heinrich mit 52 Jahren gestorben sei . Diese Angabe lässt auf das Jahr 973 schließen. Unterstützt wird diese Angabe zusätzlich noch durch eine Passage der Vita Godehardi prior . Doch möchte ich die Diskussion um das Geburtsjahr Heinrichs II. nicht weiter ausführen, sondern auf das zweite Kapitel aus Stefan Weinfurters Biographie über Heinrich II. verweisen, dessen Argumentation ich mich anschließe.
A parentibus in canonicatus regulam eidem ecclesiae promisso et ob id ibi saepius morato, doch blieb er nicht beim geistlichen Stand, sondern wird 994 in einer Urkunde Ottos III. neben seinem Vater Heinrich des Zänkers, Herzog von Bayern, als condux geführt . Diese Urkunde zeigt, dass Heinrich als designierter Nachfolger seines Vaters für das Herzogtum Bayern be- und gehandelt wird. Mit dessen Tod am 25. August 995 übernahm sein Sohn durch electione et auxilio bawariorum patris bona aput regem optinuit, und wurde seitdem als vierter Herzog Heinrich der Bayern gezählt, und heiratete Kunigunde, die Tochter des Grafens von Luxemburg kurz nach Amtsantritt.

Den Anweisungen seines Vaters folgend , regierte Heinrich als Herzog von Bayern bis Otto III. unerwartet am 23. Januar 1002 im 19. Jahr seiner Regierung verstarb . Um mich nicht länger mit den Machtkämpfen um den Thron aufzuhalten, die allein eine ganze Arbeit füllen würden, möchte ich nur kurz und bündig Hermann von Reichenau zitieren, der das Leben Heinrichs II. in knapper, tabellarischer Form wiedergibt: Et Heinricus Baioariae dux, assumptis insignibus regni, rex pro eo effectus regnavit annis 23 . Etwas ausführlicher wird das Ganze bei Thietmar von Merseburg beschrieben, der sogar noch kurz die Legitimation der Herrschaft mit dem Erbrecht begründet , auf das ich noch einmal im Zusammenhang mit der Vergabe des Herzogtums Bayern kommen werde.
Das erste Ereignis nach Amtsantritt, das in jeder Aufzeichnung zu finden ist, betrifft den Streit mit Heinrich von Schweinfurt, dem Heinrich II., in der Hoffnung auf die Königswürde, angeblich die Stellung als zukünftiger Bayernherzog versprochen haben soll. Der daraus resultierende Konflikt wird durch Heinrich innerhalb eines Jahres ausgetragen und beigelegt .
Eine der wichtigsten Taten Heinrichs ist wohl die Gründung des Bistums Bamberg , der 1007 auf einer Synode in Frankfurt zugestimmt wird .
Bis zu seiner Kaiserkrönung im Jahr 1014 im Petersdom in Rom führt Heinrich mehrere Feldzüge gegen den früheren Mitverschwörer Heinrichs von Schweinfurt Boleslaw Chrobry, der Heinrich II. kurz vor der Krönung den Lehenseid schwört, aber weiterhin Unruhen stiftet . Vier Jahre vor seinem Tod besucht ihn Papst Benedikt ihn in Bamberg und weiht die Kirche des heiligen Stefan. Heinrich stirbt kinderlos am 13.07.1024 in der Pfalz Grone, Kunigunde 9 Jahre später in einem von ihr gegründeten Kloster. Heinrich und Kunigunde wurden später mit etwas zeitlicher Verzögerung beide heilig gesprochen. Zu ihrer beiden Mythos trägt sicher ihre Kinderlosigkeit bei, die beide schon früh in den Ruf brachte, eine Josephsehe zu führen .


Kaiser Heinrich II. und Kaiserin Kunigunde am Hauptportal des Bamberger Domes.


2. Heinrich von Schweinfurt
Der Markgraf, Sohn Bertholds und Eilas (Abb.3), hatte zur Zeit Heinrichs II. die Stellung als Markgraf im Volkfeldgau, Radenzgau und im bayerischen Nordgau inne (Abb. 2). Er wurde 980 geboren und starb im Jahre 1017 am XIIII. Kal. Oktobr. Thietmar von Merseburg nennt ihn
orientalium decus Francorum , doch ist dies nicht so leicht verständlich angesichts der Tatsache, dass Heinrich von Schweinfurt, während seines Lebens zu den Gegnern Heinrichs II. gehörte und Thietmar ein treuer Gefolgsmann des Königs war. In dieser Situation muss man jedoch wissen, dass Thietmar und der Graf verwandt waren. Thietmar bezeichnet Heinrich als nepos meus und als Bertoldi amiteque filius. Heutzutage würde man sie wahrscheinlich als Cousins apostrophieren. Das Geschlecht der Schweinfurter zählt man zu den jüngeren Babenbergern, als Abgrenzung zu den Älteren. Einer der bedeutendsten Männer dieser Adelsfamilie war Heinrichs Vater Berthold, der zu Ottos III. engsten Vertrauten gehörte . Die Königsnähe seines Vaters wurde durch Heinrich von Schweinfurt nicht weiter ausgebaut. Er beschnitt sie sogar erheblich, als er zum einen von Otto III. zeitweise geächtet wurde und später in die, hier behandelte, Auseinandersetzung mit Heinrich II. trat . Während des Konflikts wurden die Hauptburgen des Grafen Creußen, Ammerthal und Kronach zerstört. Trotz der späteren Verzeihung durch den König, erhielt er zwar sein Amt als Graf wieder zurück, doch nicht alle Lehen. Damit schuf der König Platz für die Gründung des Bistums Bamberg im Jahre 1007.


Zum Inhalt.

II. Untersuchung des Konflikts

Thietmar von Merseburg beschreibt diesen Konflikt in seiner Chronik sehr ausführlich, was vielleicht damit zusammenhängt, dass er hierbei mit sich selbst zu kämpfen hat, wem er nun Loyalität zollen soll. Sein Cousin Heinrich von Schweinfurt, Bertoldi amiteque meae filius, steht auf der einen Seite, sein König Heinrich II. auf der anderen. Doch zuerst möchte ich den Konflikt kurz umreißen. Das einst mächtigste Grafengeschlecht des Herzogtums Bayern hat durch die doppelte Entzweiung des Markgrafen Heinrich mit dem Königshaus viel von seiner früheren Machtstellung eingebüßt. Erst der Sohn des Markgrafen, Otto, konnte wieder eine Vertrauensstellung beim König erlangen, doch ist mit ihm die Linie der männlichen Nachfolger ausgestorben .

1. Historische Grundlagen des Konflikts

Diese militärische Auseinandersetzung hat ihren Ursprung in der angeblichen Zusage des damaligen Herzogs Heinrich IV. von Bayern an den Markgraf des Nordgaus, Heinrich von Schweinfurt. Der Markgraf sollte das Herzogtum Bayern als Lehen erhalten, wenn Heinrich von Bayern König werden sollte.
Als der Bayernherzog nach mehreren Schwierigkeiten König wurde, ließ Heinrich von Schweinfurt durch Boten noch einmal um das Amt nachfragen, erhielt jedoch die Antwort, dass er sich nicht über das traditionelle bayerische Gesetz hinwegsetzen könne, gemäß dem die Bayern ihre Herzöge frei wählen können. Dadurch pikiert, zumal der Schweinfurter Heinrich II. bei der Durchsetzung der Königswürde treu zur Seite gestanden hatte, verbündet er sich mit Boleslaw von Polen und startet einen offenen Aufstand gegen seinen König. Doch Markgraf Heinrich muss sich bedingungslos ergeben und sich den Forderungen des Königs beugen. Denn im weiteren Verlauf des Streits gewinnt Heinrich II. aber immer mehr die Überhand und siegt am Ende ganz. Das Nordgau wird aufgeteilt, doch Heinrich von Schweinfurt nach einiger Zeit wieder in sein Amt eingesetzt . Seine Lehen erhält er aber nur teilweise wieder zurück . Soweit ein kurzer Einblick in die Thematik.

2. Diskussion der Konfrontation zwischen Heinrich II. und Heinrich von Schweinfurt anhand der Chronik Thietmars von Merseburg

Zu Beginn des Konflikts stellt sich nun zum einen die Frage, ob die Versprechung des Herzogtums Bayern nur eine rein taktische Maßnahme von Heinrich II. war, um sich die Treue Heinrichs von Schweinfurt zu sichern, oder aber zum anderen, ob der König tatsächlich das Recht seiner bayerischen Untertanen wahren wollte, weshalb er ihnen keinen neuen Herzog oktroyieren kann? Thietmar von Merseburg berichtet uns, dass Heinrich II dem Schweinfurter Markgrafen das Herzogtum Bayern als Lehen fest zugesagt hatte, als Belohnung für seine Unterstützung bei der Erlangung der Königswürde. Unterstützend schiebt Thietmar den Nebensatz ad regni apicem acquirendam regi usque huc fidelis adiutor ein. Dieser Satz scheint für Thietmar als Legitimation zu genügen. Auch an anderer Stelle erwähnt Thietmar Heinrichs Unterstützung für den König. Bei Faussner ist ein weiterer Grund zu finden, warum Heinrich von Schweinfurt als Nachfolger in Frage käme und Anspruch geltend machen könnte: Die Mutter der Königin Kunigunde, Hedwig, ist eine Tochter des Markgrafen Berthold von Schweinfurt, und somit seine Schwester. Heinrich von Schweinfurt ist somit ein Cousin zu Kunigunde und direkt mit dem Königshaus verbunden. Im Mittelalter reichte diese Beweislage aus, um einen Folgeanspruch geltend zu machen .
Adalbold von Utrecht und auch Thietmar von Merseburg erwähnen beide des Königs zögerlichen Einwand, er könne den Bayern ihr angestammtes Recht nicht nehmen . Thietmar lässt Heinrich II. durch den letzten Satz allerdings noch alle Tore offen und auch für Heinrich von Schweinfurt stellt es eigentlich keine absolute Absage dar. Heinrich II. gibt ihm sogar die Zusage, ihn bei der Wahl zum Bayernherzog zu unterstützen. Die Wahl muss jedoch erfolgen, damit das Recht der Bayern gewahrt bleibt. Bei Adalbold von Utrecht sieht die Situation schon anders aus:
Heinrich II. beruft sich hier auf seine Verpflichtungen den baierischen Adeligen gegenüber, die er nicht enttäuschen kann, nachdem sie ihn bei der Erlangung der Königswürde tatkräftig unterstützten. Im Gegensatz zu der oben genannten Quelle kann des Königs Aussage hier mit großer Wahrscheinlichkeit als Widerruf gewertet werden.
Wie die Situation nun wirklich abgelaufen ist, können wir nur erahnen. Doch möchte ich nochmals auf die Tatsache der Verwandtschaft zwischen Thietmar von Merseburg und Heinrich von Schweinfurt hinweisen. Vielleicht ist hierin die Ursache für die unterschiedliche Darstellung der beiden Chronisten zu suchen. Durch die Verwandtschaft wird Thietmar für seinen Cousin Stellung beziehen, wenn es um die Besetzung der Herzogtums geht und solang der Markgraf nicht zu den Waffen griff, stand Thietmar auf seiner Seite. Er sah das Herzogtum als eine Art Belohnung für die treue Unterstützung des Schweinfurters an, der Heinrich II. half die Königswürde zu erlangen.
Die Situation spitzt sich zu, als Boleslaw Chrobry, Herzog von Polen, und seine Begleiter nach einem Treffen mit Heinrich II. und anderen Grafen angegriffen werden. Chrobry, der trotz der Hilfe durch den Schweinfurter Grafen, seine Forderungen nicht durchsetzen konnte, wird von Thietmar als alleiniger Auslöser des Überfalls beschuldigt, da er und seine Mannen die Hofburg bewaffnet betreten hatten, und damit
culpa sua tale periculum merito sustinuerunt . Vom König wird alle Schuld genommen . Sicher nachzuweisen ist der Sachverhalt aus den heute vorliegenden Quellen nicht mehr Adelheid Krah zitiert in ihrem Buch "Absetzungsverfahren als Spiegelbild von Königsmacht. Untersuchungen zum Kräfteverhältnis zwischen Königtum und Adel im Karolingerreich und seinen Nachfolgestaaten" eine weitere Stelle aus dem 18. Kapitel des fünften Buches, in der Boleslaw Chrobry Heinrich von Schweinfurt seine Unterstützung im Falle eines Falles zusichert . Der Schweinfurter Markgraf, der zunächst alles ruhig hinnimmt, sich aber dennoch zum Beispiel auf dem Hoftag von Merseburg im Juli 1002 für die Belange Boleslaw Chrobrys einsetzt , ein Zeichen seiner Kränkung, sieht nach einem Jahr keinen anderen Ausweg mehr, als seine Einsetzung als Herzog von Bayern mit Waffengewalt zu erzwingen, nachdem Heinrich II. bis 1003 noch immer keine Wahl getroffen hat. Der Markgraf ist sich soweit sicher, dass er auf friedlichem Weg, also von Heinrich II. ernannt zu werden, keine reelle Chance mehr hat .
Er verbündet sich mit dem Polenherzog Boleslaw Chrobry , seinem Vetter Ernst, dem Bruder des Königs, Bruno , seinem Bruder Bukko und später stößt noch Siegfried, ein Sohn des gleichnamigen Grafen hinzu . Thietmar schreibt, dass Heinrich II. während der Merseburger Bettage
de aperta Bolizlavi ducis et Heinrici marchionis rebellione intimatum est erfährt. Thietmar fügt diesem Satz die Bemerkung a Christi fidelibus iugiter, die alle Christen einhalten sollten, bei. Der Chronist verurteilt somit die Vorgehensweise seines Verwandten und seiner Verbündeten, die er als treulos beschimpft . Anstatt sich an seine christlichen Verpflichtungen zu halten, die der König Heinrich II natürlich wahrnimmt, greift er zu den Waffen .
Auch dem Verbündeten des Markgrafen, Boleslaw Chrobry, gegenüber zeigt sich Thietmars Meinung an mehreren Stellen . So verurteilt er zum Beispiel im 30. Kapitel die Vorgehensweise des Polen, mit der dieser versucht, seinen Machtbereich auszudehnen:
Hec, lector, attendens scito, quod, cuius animus in prosperis fit elacior, in adversis sepe erit humilior, quod non esse sapientis scriptura testatur . Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Thietmar von Merseburg mit der Wahl seines Cousins, Boleslaw zu Verbündeten zu nehmen, nicht einverstanden ist. Der im 31. Kapitel eingeschobene Nebensatz futuram ulcionem merito promuerit ist gleichzeitig eine Vorausdeutung für kommende und, aus Thietmars Sicht, zu erwartende Geschehnisse, denen ich mich nun wieder zuwenden werde. Ebenso wie sein Gegner rüstet nun auch der König zum bewaffneten Gegenschlag auf. Er zieht mit seinen Verbündeten nach Franken, um zunächst Heinrich von Schweinfurt und Boleslaw Chrobry zu unterwerfen, dann will Heinrich II. den Rest der insidias vernichten. Er verwüstet das Land des Markgrafen und hindert ihn daran seine Burg zu betreten.
Den Rest des Kapitels verwendet Thietmar, um die Situation aus seiner Sicht darzustellen, zwischen Gut und Böse abzuwägen. Thietmar steht ganz klar auf der Seite des Königs und wendet sich von seinem Verwandten ab. Dessen Handlungsweise ist ihm unklar, da er die Meinung vertritt, dass sich niemand, auch wenn die Ungerechtigkeit noch so groß ist, gegen seinen König wenden darf, da seine Herrschaft gottgegeben ist. Entschuldigend fügt er hinzu:
Libenter nepotem meum aliqua ex parte defenderem, si veritatem a cunctis fidelibus honorandam polluere auderem. Thietmar von Merseburg versteckt sich infolgedessen hinter seiner Religion und seiner Treue zum König.

Dokumentation: Orginaltext Thietmar von Merseburg in Übersetzung und in ausgewählten Auszügen.

Siehe, da ließ Graf Heinrich, Bertolds und meiner Muhme Sohn, der dem Könige bisher zur Erlangung der Krone treulich geholfen hatte, weil er wahrnahm, daß seines Herrn Neigung sich ein wenig von ihm abwandte, durch die ausgezeichnetsten Männer im königlichen Heere bei Heinrich um die Verleihung des ihm lange und fest versprochenen Herzogthums Baiern anhalten. Ihnen soll der König zur Antwort gegeben haben: "Wißt ihr denn nicht, daß das auf diesem Zuge gar nicht ausgeführt werden kann? daß die Baiern von Anfang an freie Macht gehabt haben, ihren Herzog zu wählen, und daß es sich nicht ziemt, sie so plötzlich herabzusetzen und ihre alten verfassungsmäßigen Vorrechte ohne ihre Einwilligung zu vernichten? Wenn Graf Heinrich warten will, bis ich selbst in die Gegend komme, so will ich ihm, nach gemeinsamen Rathe und Willen der Ersten des dortigen Landes, hierin gern Genüge thun." Als das der Graf von seinen Vermittlern erfuhr, verzweifelte er noch mehr daran, die versprochene Würde je zu erreichen, und zog sich allmählich aus dem vertrauten Umgange mit dem Könige zurück...

Als der König dann die Betwoche, welche ja jeder Christ getreulich beobachten soll, zu Merseburg feierte, ward ihm die offene Empörung Herzog Bolizlav's und Markgraf Heinrichs gemeldet. Das nächste Pfingstfest [16. Mai] verlebte er darauf
noch zu Halverstidi [Halberstadt], und dann brach er nach Baiern auf, in der Absicht, zuerst den mit Bolizlav's Hülfe Widerstand leistenden Heinrich zu überwinden, und darnach die weitverzweigten, hinterlistigen Pläne der beiden zu zerstören. Dazu erfuhr er noch, daß der von ihm noch kurz vorher geehrte Ernast und Herr Bruno, sein Bruder, mit dem Markgrafen Heinrich sich treuloser Weise verschworen hätten, indem sie nicht wußten, daß es heißt: Muth sonder Klugheit stürzet durch eigene Last.
Der König aber zog, die Anmaßung jener zu dämpfen, von allen Seiten seine Verbündeten zusammen, fiel zu Anfang des August in Heinrichs Gebiet ein, verheerte es und zwang ihn, daß er, er mochte wollen oder nicht, außerhalb der Burg sich, wo er konnte, verborgen halten mußte. Da möchte nun einer, der den Beweggrund zu solchem Uebermuthe kennt, sagen, Heinrich habe so handeln müssen; es stehe der Gewalt des Herrn nicht zu, einem treuen Diener ein so fest gegebenes Wort wieder zu entziehen und dadurch auch die Herzen der übrigen Unterthanen sich zu entfremden. Dem entgegne ich: Es ist hienieden keine Obrigkeit als nur von Gott, und wer sich gegen sie erhebt, läuft Gefahr, Gottes Zorn auf sich zu laden. Das plötzliche Auffahren eines leidenschaftlichen Sinnes muß durch das Steuerruder der Geduld abgewandt werdenund man muß in demüthigem Gebete auf wahrhaft heilbringenden Trost harren. Und ich halte es für besser, nun Tag für Taghöher zu steigen, als plötzlich einem unabwendbaren Sturze zuzueilen. Gern möchte ich meinen Vetter irgendwie vertheidigen, aber ich wage nicht, die Wahrheit, die von allen Christen hochgeachtet werden muß, zu beflecken. Gar oft bewähren sich die Sprichwörter unserer Altvordern: alte Missethat gebäre neue Schande. Denn dieses Markgrafen Vater stand dem Vater des Königs oftmals nicht wie dessen Vasall, sondern wie dessen offener Feind gegenüber, und hielt zum Kaiser (wie er selbst bezeugte) nur wegen der durch besondere Eidschwüre bekräftigten, vom Kaiser ihm zugesagten Gunst. Ebenso war auch dieser, der jüngere Markgraf, bis zu Ende der Regierung des letzten Otto demselben getreu, und diente seinem Herrn und Kaiser bis in diese unglücklichen Zeiten rüstig. Dem Könige aber lag tief im Sinne Heinrichs und seines Vaters unbegrenzter Haß gegen ihn und sein Haus. Indeß hoffe ich, daß er dies alles um Christi Liebe willen stets ungestraft gelassen hätte, hätte er jenen nicht so voll Grimmes und verbunden mit anderen seiner Widersacher zu so offenem Widerstande gegen sich aufstehen sehen. Obwohl nun übrigens Markgraf Heinrich damals an diesem Verbrechen allein Schuld zu sein schien, so ist er doch von Anfang an nicht ohne fremden Rath an's Werk gegangen. Und weil nach den Grundsätzen dieser Welt ein Verräther zu heißen großen Schimpf bringt, so wollte er lieber alles seufzend in seinem Bewußtsein bewahren, als seine eigene Strafbarkeit durch Beeinträchtigung Anderer vergrößern. So eröffnete denn jener Mann, der vorher so mannhaft das Vaterland vor dem Feinde zu schützen bemüht war, es nunmehr demselben zur Verheerung, und bekam heimlich von Bolizlav eine ihm freilich durchaus kein Heil bringende Hülfe ...

Unterdeß übte Bolizlav, getrieben von eigener Wuth und den Anreizungen des Grafen Heinrich, große Gewaltthat an den Baiern und an allen seinen Mitvasallen. Deshalb machte der König in Folge vorher angesagter Heerfahrt einen feindlichen Einfall ins Milziner Gebiet, und wenn nicht starker Schnee, der schnell aufthaute, ihn gehindert hätte, so würde jenes ganze Land wüst und menschenleer geworden sein. Zornerfüllt von da zurückkehrend, unterstützte der König dann den Markgrafen Guncelin [von Meißen] und die übrigen Vertheidiger des Vaterlandes durch Einlegung von Besatzungen; dann kam er nach Merseburg. Hier erfuhr er durch zuverlässige, von Graf Heinrich an ihn abgesandte Fürsprecher, sein Bruder Bruno sei zum Könige der Ungarn geflohen, um von da aus Begnadigung nachzusuchen, und er selbst fühle große Reue. So schenkte er, obwohl mit Widerstreben, den dringenden Bitten dieser Vermittler und besonders seines überaus lieben Tagino und Herzog Bernhards [von Sachsen] Gehör, und gewährte dem Grafen Heinrich unter der Bedingung Gnade, daß er ihm und seinen Anhängern zwar ihre Güter und deren Bewohner wieder verleihen wolle, dagegen aber ihn selbst, so lange es ihm beliebe, in Haft halten könne; worauf sich der Graf im Aufzuge und Benehmen eines Büßenden dem Könige überantwortete, indem er weinend bekannte, daß er in jeder Beziehung nur allzu strafbar wäre. Auf des Königs Geheiß ward er darauf vom Erzbischofe nach Burg Ivicansten [Giebichenstein] zur Haft abgeführt, und dort von den Kriegsleuten desselben Tag und Nacht sorgfältig bewacht. Hier verrichtete er unter anderen guten Werken auch dasjenige, daß er eines Tages das Psalterium mit 150 Kniebeugungen absang...

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Seine Argumentation geht im Weiteren darauf ein, dass Heinrich von Schweinfurt den Konflikt von seinem Vater ererbt hat. Auch ihre beiden Väter, Heinrich der Zänker und der Babenberger Berthold von Schweinfurt, verband keine Freundschaft. Überraschend ist die folgende Aussage, dass sich Heinrich II. der Feindschaft der Babenberger bewusst gewesen sein muss. Unter diesem Aspekt möchte ich nun noch einmal kurz auf den Beginn dieser Kontroverse hinweisen und die Frage, die sich dabei stellte. Wenn sich Heinrich II. also der Gegnerschaft seiner mächtigsten Grafen schon zu der Zeit sicher war, als er noch Herzog der Bayern war, so wird Heinrich von Schweinfurt wahrscheinlich nie die Chance gehabt haben, nach Heinrichs Wahl zum König, Herzog zu werden. Ergo lässt sich festhalten, dass Heinrichs Zusage an den Markgrafen gewiss rein taktischer Natur war.Der Chronist lässt aber keinen Zweifel aufkommen, dass Heinrich II. falsch handelt, sondern zielt mit seiner Argumentation darauf ab, die Schuld nur beim Markgrafen und dessen Mitverschwörern zu suchen .
Im weiteren Verlauf des Konflikts kann Heinrich von Schweinfurt zwar kleinere Siege davon tragen, wie zum Beispiel den Raub des Schatzes, den der König vorausgesandt hat, doch die effektiveren Erfolge trug der König davon. Er zerstörte die Feste Ammertahl und die Burg Creußen, in der der Bruder des Markgrafen, Bukko, mit seiner Familie Schutz suchte, er nahm Ernst gefangen und ließ die Burg Schweinfurt zerstören, in der Heinrichs Mutter lebte, auf die ich später noch einmal zu sprechen komme.
Unterstützung fand der Schweinfurter noch einmal in dem gleichnamigen Sohn des Grafen Siegfrieds, doch schien ihm die Erfolgsaussicht zu gering, als dass er in die aperta rebellio übergehen wolle. Er brannte die Burg Kronach nieder und floh mit Bruno nach Böhmen zu Chrobry . Nach und nach verlor Heinrich von Schweinfurt alle Mitstreiter. Ernst wurde, wie schon erwähnt, gefangen genommen und zum Tode verurteilt (was aber später durch eine redemptione ersetzt wurde) , Bukko wurde besiegt und Siegfried wandte sich von ihm ab . Es blieben vorerst also nur noch Bruno, der Bruder des Königs, und Boleslaw Chrobry treu an seiner Seite.
Doch auch diese Koalition hielt nicht mehr lange. Nachdem Chrobry in Bayern weitere Schandtaten ausübte, die der König trotz Wintereinbruch mit Hilfe seiner Getreuen vereitelte.
Daraufhin ließ Heinrich von Schweinfurt für sich und Bruno, der nach Ungarn geflohen war, über Boten um Gnade nachsuchen. Quorum et maxime percari suimet Taginonis et Bernhardi ducis supplicaciones, etsi invitus, suscipiens, prefacto comiti suimet gratiam ea ratione indulsit, ut predium sibi suisque fautoribus et incolatum redderet, ipsum autem, quamdiu voluisset, in custodia detineret . Thietmar von Merseburg beschließt dieses Kapitel mit der Anmerkung, dass der ehemalige Markgraf in seiner Gefangenschaft Buße tat, um seine Vergehen zu sühnen . Bei Weinfurter ist nachzulesen, dass dieser Satz nachträglich von Thietmar eingefügt worden ist. Es sei also anzunehmen, dass dem Chronisten das Heil seines Verwandten nicht egal war und er dazu beitragen wollte, den Ruf Heinrichs von Schweinfurt wiederherzustellen . Er stellt den Grafen als selbstgeißelnd dar. Heinrich von Schweinfurt scheint sich durch die Liegestützen und das gleichzeitige Psalm rezitieren sowohl physische als auch psychisch reinigen zu wollen. Zum Abschluss stellt sich nun noch die Frage, was aus Heinrich von Schweinfurt wurde?
Seine Güter wurden aufgeteilt. "Denn als Graf Heinrich von Schweinfurt sich im Jahre 1004 dem König unterwarf, da war dieser großmütig genug, ihm bald darauf den östlichen Teil des Nordgaus, die Markengebiete von Cham und Nabburg samt der Grafschaft Udalschalks wieder zurückzugeben und dadurch den Tiefgestürzten zu versöhnen. Die westlichen Teile des Nordgaus wie die fränkischen Grafschaften im Radenzgau und Volkfeld aber blieben ihm dauernd entzogen."
Doch wann war dieses "bald"? Zu finden ist es bei Thietmar im 13. Kapitel des sechsten Buches. Dort erfahren wir, dass Heinrich II. durch eine Predigt des Bischofs Gottschalk von Freising aufgefordert wurde, den Grafen aus der Haft zu entlassen, was er auch tat. Er wurde sogar wieder in alte Ämter eingesetzt und erhielt sein Lehen größtenteils zurück. Der Konflikt war beigelegt und Heinrich von Schweinfurt hatte nicht nur einen Teil seine Besitzungen zurückerhalten, sondern auch seine Ehre gerettet.


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III. Vergleich des Konflikts mit der Ritualisierungstheorie zur Austragung und Beilegung von Konflikten im 10 und 11. Jahrhundert von Gerd Althoff

Gerd Althoff proklamiert in mehreren Artikeln, dass sich im 10. und 11 Jahrhundert eine Ritualisierung bei der Austragung von Konflikten herausgebildet hat. Wie schon vorher ausführlich erörtert, finden wir bei Thietmar von Merseburg eine ausführliche Darstellung der Kontroverse um das Herzogtum Bayern zwischen Heinrich II. und Heinrich von Schweinfurt. In diesem letzten Abschnitt möchte ich deshalb den Ablauf der Streitigkeiten mit Althoffs Ritualisierungstheorie vergleichen.
Eine Auseinandersetzung im 10. und 11. Jahrhundert, bei dem der König involviert war, hat nicht das Ziel, eine Absetzung des Königs zu erwirken, sondern ist normalerweise persönlicher Natur. Ihr geht meist eine
tristitia magna voraus, in der das Ansehen und die Ehre eines der beiden Kontrahenten verletzt wird. Zu dieser Zeit wird das als weit schlimmer als der Verlust von Gut und Bestitz empfunden. Wie bei Thietmar nachzulesen ist, zieht sich der Markgraf durch den Affront König Heinrichs II. nach und nach immer weiter vom König zurück, auch wenn er ihn bei seinen Zügen von Schwaben nach Franken über Thüringen noch unterstützt. Die familiaritas, die ihn davor mit dem König verbunden hat, bricht ab und endet schließlich in einer aperta rebellio, einer offenen Rebellion, gegen den König. Es findet ein Kräftevergleich statt, in dem "der König seine Macht, wie umgekehrt der Markgraf seine Entschlossenheit zum Widerstand nachdrücklich unter Beweis stellte." Wie Althoff weiterhin schreibt, und auch bei Thietmar gut nachvollziehbar ist, wird bei der gesamten Auseinandersetzung eine bestimmte Handlungsweise erkennbar. Es wurde zur Zeit Heinrichs II. als sehr wichtig erachtet, seine dignitas nicht zu verlieren. Heinrich II. wahrt in unserem Fall sein Ansehen, indem er dem Markgrafen seine Macht und seinen Herrscherwillen demonstrierte und Heinrich von Schweinfurt, indem er seine Insubordination öffentlich zeigt und keinen sofortigen Rückzug beschließt . Der nächste Schritt, der bei den Belagerungen von Seiten des Königs deutlich wird, zeigt, dass auch hier eine Ritualisierung stattgefunden hat. Hierzu möchte ich die Belagerung der Burg Ammerthal herausgreifen, um an ihr die wichtigsten Merkmale herauszuarbeiten. Thietmar schreibt: (...) Amerdelam (...) revertitur. Quos rex pone insecutus possedit compositisque bellorum instrumentis eos vitam solum reddita urbe et predda fidis intercessoribus postulare compulit. Tunc destructa penitus eadem divisaque inter suos Poleniorum multitudine(...). Zuerst bekundet der König seine kriegerischen Absichten, indem er Sturmgerät vor der Burg auffahren lässt. Er lässt die Burg also nicht sofort angreifen, sondern versuchte über Mittelsmänner mit den Burginsassen in Verhandlung zu treten. Die Bewohner wurden aufgefordert, ihre Burg und die darin befindlichen Polen gegen ihr Leben einzutauschen. Erst nachdem dies geschehen war, wurde die Burg zerstört. Und wie am Beispiel der Burg Schweinfurt zu erkennen ist, wurde es meist mit Nachsicht ausgeführt. Der König wollte also seinen Untertanen keinen Schaden zufügen, sondern ihnen eine Lektion erteilen um daran zu erinnern, dass seine Herrschaft gottgegeben ist und seine Entscheidungen nicht anfechtbar sind. Diese Einstellung zeigten auch der Bischof von Würzburg, und Erkanbald, der Abt des Fuldaer Klosters, als sie, beeindruckt vom Auftreten der Mutter des Markgrafen, bei der Zerstörung der Burg Schweinfurt Milde walten ließen und ihr sogar noch versprachen, alles in ihrer Macht stehende zu unternehmen, um den Wiederaufbau der Burg durch den König zu unterstützen. Damit der Aufstand wieder dem Ende zugeht, setzen sich "vertrauenswürdige Fürsprecher" ein, die an keine der beiden Gruppierungen grundsätzlich gebunden sind. Sie versuchen den bestmöglichen Ausweg für den Verlierer auszuhandeln . In unserem Fall waren es Tagino, Erzbischof von Magdeburg , und Herzog Bernhard, die für Heinrich von Schweinfurt die optimalsten Konditionen aushandelten . Der Graf musste sich vorbehaltslos untergeben, was aber genauso zum Ritual gehörte wie die anschließende Verzeihung durch den König. Der davor Verschmähte wurde danach wieder in Amt und Würde eingesetzt. Keiner der beiden Gegner verlor dabei seine dignitas. Heinrich II. zeigt seinen Untertanen seine Güte und Menschlichkeit indem er seinen Widersacher nicht einmal ein Jahr nach dem Aufstand verzeiht. Der Graf erlangte seine dignitas wieder, indem er vom König wieder in Gnaden aufgenommen wird und kein Leben im Exil oder als Geächteter führen muss. Auch die Aufforderung durch den Bischof Abraham von Freising, die Heinrich II. dazu bewegte, die Begnadigung auszusprechen, gehört zu diesem Ablauf. Abschließend kann man zusammenfassend sagen, dass der Konflikt zwischen Heinrich II. und Heinrich von Schweinfurt ein Paradebeispiel für Althoffs Ritualisierungstheorie der Konfliktaustragung im 10. und 11. Jahrhundert darstellt. Alle Thesen, die von ihm aufgestellt werden, können eindeutig nachgewiesen werden.


Zum Inhalt.

C: Fazit


Bild: Seitenportal des Bamberger
Doms

Den Abschluss dieser Arbeit soll ein kurzes Resümee der gewonnenen Ergebnisse bilden. Der Konflikt um das Herzogtum Bayern zwischen Heinrich II. und dem Markgrafen des Nordgaus, Heinrich von Schweinfurt, stellt eine einmalige Möglichkeit dar, eine Streitigkeit, die so ausführlich geschildert wurde. zu analysieren. Wissenswert ist auch die Tatsache, dass der Chronist Thietmar von Merseburg selbst an der Auseinandersetzung interessiert war, da er mit dem Markgrafen verwandt und auf der anderen Seite ein treuer Gefolgsmann des Königs war. Er setzt sich somit, im Gegensatz zu anderen Chronisten, mit den Geschehnissen differenzierter auseinander. Wer hat Recht - wer hat Unrecht? Diese Frage versucht Thietmar auch zu lösen. Er entscheidet sich jedoch gegen seinem Cousin und für seinem König. Die Kontroverse kann aber nicht nur vom Standpunkt Thietmars aus analysiert werden, sondern man kann zusätzlich einen Vergleich mit Althoffs Ritualisierungstheorie der Konfliktbewältigung im 10. und 11. Jahrhundert ziehen. Festzustellen ist, dass dieser Konflikt, wie auch so viele andere dieser Zeit, ganz bestimmten Regeln folgt. Zunächst ist anzumerken, dass die Auseinandersetzungen rein persönlicher Natur waren und nicht dazu dienten, den König abzusetzen. Meist begannen sie, indem die Ehre eines der Kontrahenten verletzt und seine Kränkung nicht berücksichtigt wurde.

Geäußert hat es sich schließlich in einer offenen Rebellion gegen den König. Heinrich II. war nun selbst am Zug und demonstrierte dem Markgraf somit seine Machtstellung, während ihm der Schweinfurter gleichzeitig seinen Widerstandswillen bekundete. Doch läuft auch diese Eskalation nach bestimmten Regeln ab: Es sollen keine Menschen zu Schaden kommen. Der Konflikt soll nur eine Machtdemonstration darstellen. Die Beendigung des Konflikts werden durch fidis intercessoribus ausgehandelt, die darauf achten, dass auch die dignitas des Verlierers, der sich dem König, welcher dadurch seine Gnade bewies, bedingungslos ergab, gewährt bleibt. Ebenso gehörte dazu, dass die Strafe aber bald wieder erlassen und der Gefangene wieder in Amt und Würde gesetzt wurde .


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Quellen und Literatur

Quellen:

1. Adalbold von Utrecht: Vita Heinrici imperatoris; hg. von Georg Waitz. In: MGH SS IV, Anton Hiersemann, Stuttgart 1981, S. 679 - 695.

2. Frutolf von Michelsberg: Frutolfi Chronica; hg. von Franz - Joseph Schmale, Irene Schmale - Ott.
In: Frutolfs und Ekkehards Chroniken und die anonyme Kaiserchronik (Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters, Bd. 15), Darmstadt 1972, S.48 - 55.

3. Fundatio ecclesiae Hildesheimensis; hg. von Adolf Hofmeister.
In: MGH SS 30/2, Leipzig 1934, S. 941 - 946.

4. Hermann von Reichenau: Chronik; hg. von Georg Heinrich Pertz
. In: MGH SS 5, Hannover 1844, S. 74 - 133.

5. Jaffé, Philipp: Monumenta Bambergensia (Bibliotheca rerum Germanicarum 5); Berlin 1869 (ND Aalen 1964).

6. MGH D H II. 29;
In: MGH DD III, Weidmannsche Verlagsbuchhandlung, Berlin 21957.

7. Thietmar von Merseburg: Merseburgensis Episcopi Chronicon; hg. von Robert Holtzmann.
In: MGH SSrG ns IV, Weidmannsche Verlagsbuchandlung, Berlin 21955.

8. Wolfher: Vita Godehardi episcopi prior; hg. von Georg Heinrich Pertz.
In: MGH SS 11, Hannover 1854, S. 167 - 218.

Literatur
:

1. Althoff, Gerd: Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung. Studien zum Totengedenken der Billunger und Ottonen. Bestandteile des Quellenwerkes Societas et Fraternitas; Wilhelm Fink Verlag, München 1984.

2. Althoff, Gerd: Königsherrschaft und Konfliktbewältigung in 10. und 11. Jahrhundert. In: Frühmittelalterliche Studien. Jahrbuch für Frühmittelalterstudien der Universität München, Bd. 23; hg. von Hagen
Keller, Joachim Wollasch; Walter de Gruyten, Berlin - New York 1989, S. 265 - 290.

3. Althoff, Gerd: Verwandte, Freunde und Getreue. Zum politischen Stellenwert der Gruppenbindungen im früheren Mittelalter; Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1990.

4. Erkens, Franz - Reiner: Fürstliche Opposition in ottonisch - salischer Zeit. Überlegungen zum Problem der Krise des frühmittelalterlichen deutschen Reiches. In: Archiv für Kulturgeschichte, Bd. 64, 1; hg. von Egon Boshof, Böhlau Verlag, Köln - Wien 1982, S. 307 - 370.

5. Faussner, Hans Constantin: Königliches Designationsrecht und herzögliches Geblütsrecht. Zum Königtum und Herzogtum in Baiern im Hochmittelalter; Verlag der österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wine 1984.

6. Hirsch, Siegfried: Jahrbücher des deutschen Reichs unter Heinrich II. Bd. 1; Duncker und Humblot, Berlin 11862 (ND 21975).

7. Krah, Adelheid: Absetzungsverfahren als Spiegelbild von Königsmacht. Untersuchungen zum Kräfteverhältnis zwischen Königtum und Adel im Karolingerreich und seinen Nachfolgestaaten; Scientia Verlag, Aalen 1987.

8. Scherzer, Hans: Die bayerische Ostmark. Land, Volk und Geschichte; Deutscher Volksverlag, München 1940.

9. Schmid, Alois: Heinrich von Schweinfurt. In: Lexikon des Mittelalters, Bd. 4; Artemis Verlag, München - Zürich 101989, Sp. 2078 - 2079.

10. Schmid, Alois: Schweinfurt. II. Grafen. In: Lexikon des Mittelalters, Bd. 7; LexMA Verlag GmbH, München 1995, Sp. 1641.

11. Weinfurter, Stefan: Die Zentralisierung der Herrschaftsgewalt im Reich durch Kaiser Heinrich II. In: Historisches Jahrbuch, 106. Jahrgang; Verlag Karl Alber, Freiburg - München 1986.

12. Weinfurter, Stefan: Heinrich II. (1002 - 1024). Herrscher am Ende der Zeiten; Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2000.

13. Wendehorst, , Alfred: Heinrich II. In: Lexikon des Mittelalters, Bd. 4; Artemis Verlag, München - Zürich 101989, Sp. 2037 - 2039.

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