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Vielleicht ist es so gewesen: Tumpe Schläge auf der großen Heertrommel, eine fränkische Meile schon so hören! Die Leute im Pfalzort Bamberg horchen auf. Sollte er wieder einmal bei Ihnen einkehren? Da quäken auch schon die Sackpfeifen durch das Flußtal. Tatsächlich. Der Kaiser Heinrich II. kommt, um in seinem Bistum und in seiner Pfalz einzukehren. Das erste Lied auf der neuen CD der Capella Antiqua Bambergensis stellt dies in Gedanken eindrucksvoll nach. Den Gesang von der Schlacht von Fontanet (841) an den Anfang zu stellen ist eine gute Wahl. Am Abend in der Pfalz wird sich der Kaiser bei Musik erholt haben. Der Anhang hat kräftig gefuttert und im Hintergrund spielten die Spielleute das Palästinalied. Nein, natürlich nicht!!! Das Palästinalied vom Herrn von der Vogelweide ist erst um 1200 entstanden. Heinrich II. hat es niemals gehört. Z. B. hätte Terra sinus aperit aus der Campridger Liederhandschrift vielleicht besser gepaßt (immerhin 11. Jahrhundert). So bleibt das fränkische Eingangsstück das einzige Stück, was zu Lebzeiten des Kaisers womöglich in Bamberg gespielt werden konnte. Ich muß sagen, meine Enttäuschung war zunächst sehr groß. Hatte ich doch eine CD erwartet, die sich den Zeitrahmen der späten Ottonenzeit widmet, sind die Quellen auch noch so knapp. Stattdessen ein weiteres Mittelaltersammelsurium mit den bekannten Hits: Palästinalied, etwas aus den Cantigas de Santa Maria, den Rest der CD bestreiten gar Ohrwürmer aus dem Spätmittelalter. Da heißt es zunächst einmal kräftig schlucken. |
So schaut sie aus: Die CD mit der Musik für Kaiser und Könige. |
Ich möchte meine Enttäuschung auf den Punkt bringen: Ich hätte mir eine Musik gewünscht, die sich von der spärlichen Überlieferung löst und mutig versucht ein musikalisches Bild der Zeit Heinrichs II. zu zeichnen.Das wäre nicht akademisch gewesen und hätte kompositorisches Feingefühl erfordert. Aber so hat jeder seinen Traum. Meinen Traum konnte diese CD nicht erfüllen.
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Alle die sie kennen, sind von ihnen begeistert: Capella Antiqua Bambergensis. |
Dennoch möchte ich diese CD preisen! Die filigrane und leise Interpretation der Lieder hebt sich wohltuend ab vom Lärmen dieser Zeit, von den fünf Dudelsäcken, die auf allen Märkten quäken. Und Gepriesen habe ich bereits den Gesang von der Schlacht von Fontanet, diesen Öffner mit Gänsehautzuschlag, aber beim Palästinalied hätte ich die Capella, wäre ich Heinrich II. gewesen, dennoch vom Hof geworfen. Überhaupt! Warum so wenig Gesang! Kaiser wollten beim Feierabend, sofern sie einen kannten, Geschichten hören! Ist der akademische musikalische Vortrag nicht eher eine Krankheit unserer Zeit. Nun beginne ich wieder zu mäkeln! Nennt man dies preisen?! Welche Mühen haben all die schönen Instrumente gekostet und die Erforschung für diese Interpretation! Schon war ich beim Stück Estampie wieder versöhnt. Die Capella nahm mich in einen Garten mit. Dort erschallte E Dame Jolie, eine wahre Traummusike, bei der die Damen zart sich im Tanze wiegen. Mit Ductia wären die links abgebildeten Musikanten, immer noch angenommen meine Wenigkeit wäre Heinrich II., wieder in die Huld aufgenommen. Leider etwas kurz. Ich konnte gerade mal durch meine Küche steppen! Tief ins Herz geht auch Flos Filius eius, fast bereue ich oben schon hineingestanzte Worte wie Dolche, die man nicht mehr aus dem Fleische ziehen kann, ohne das es blutet. |
Ach ja, nun etwas aus den Cantigas de Santa Maria, die ich im fernen Hispanien schon viel zu oft gehört habe, asturisch, galicisch und auch auf der Plaza Mayor von Salamanca, um diese akademische Interpretation gut zu finden. Etwas mehr Melancholie, dies auf der Hochebene rings um León zu lernen, täte dem Liede gut! Es möge mir verziehen werden. Ich kann, scheints, das Stechen nicht lassen. Und ihr, Musikanten, werdet es ungerecht finden, auch wenn ich noch sage: Propinjan de Melyor, Cuncti simus concanentes und noch manches andere von der CD haben mir gut gefallen. Ich würde sie Freunden der akademischen Mittelaltermusik sehr zum Kauf empfehlen. Das möge am Ende und zum Troste gesagt werden. Und hoffentlich darf ich mich jetzt noch auf Euer Schloss trauen!
Der werte Magister Rother, Präfectus altmuransis, hat begeistert einem Konzert der Capella gelauscht. Dies möge obige Besprechung erweitern und ggf. verbessern.
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Letzte Änderung: Montag,
2. Dezember 2002