Im Roman "Wolfsfrau und die Schlacht auf dem Lechfeld" wird der sächsische Reiter Hodo von König Otto I. mit dem Burgward Wettin belehnt. Was eine Burg ist, muss hier nicht näher ausgeführt werden. Jeder kann sich darunter etwas vorstellen, wenn manche Vorstellungen auch vielleicht etwas romantisch sind.
Was
aber ist ein Burgward?
|
Die Quellenlage ist dünn. Der Begriff taucht als Burgwardium das erste Mal in einer Urkunde von Otto I. im Jahre 961 auf. Aber auch Burgowarde oder Burgwardum sind Wörter, von denen in späteren Quellen die Rede ist. Die Mehrzahl lautet Burgwardia. Anscheinend stammt der Begriff aus dem sächsischen Sprachgebrauch. Burgward bedeutet soviel wie: Eine Burg, die über das Land wacht oder wartet. Das Lexikon des Mittelalters präzisiert: Ein B. bestand aus einer Befestigung am Burgwardhauptort und einem dazugehörigen Landbezirk von unterschiedl. Größe (10-20 Dörfer). Die Burg dürfte eine einfach Holz-Erde-Konstruktion mit einem Wachturm gewesen sein. Die zu einem Burgward gehörige Bevölkerung, bis zum Ende des 11. Jahrhunderts überwiegend Slawen, war zum Burgenbau, zu Wachdiensten und Abgaben verpflichtet. |
So könnte ein ottonischer Burgward ausgesehen haben. Wir haben noch eine Karte mit den Burgwarden rings um das heutige Halle bereitgestellt: Dazu bitte auf das Bild klicken. Links zur Burgwardverfassung: Sehr schöner Link zur Ostexpansion und Burgwardverfassung. |
Burgwarde
schienen von Beginn an in das Lehnswesen eingebunden worden zu sein, so schreibt Thietmar von
Merseburg (6. Buch, Kap. 34) über einen der frühen Wettiner:... Erzbischof Gisiler
verschaffte dem Grafen Dädi darauf die ganze Grafschaft desselben, welche zwischen der
Wippera, der Saale, der Salta und dem Villerbizi liegt. Überdies erwarb er das
Burgward Zurbizi, welches seine Vorfahren als Lehen besessen hatten, für
sich und seinen Bruder Fritherich als Eigenthum...
Wie der sächsische Name schon sagt, wurden Burgwarde hauptsächlich im sächsischen
Herzogtum errichtet und hier vorrangig zur Sicherung und Erweiterung der Ostgrenze. Allerdings
sollten nun feststellen, das die ottonischen Könige ihr Burgenorganisation nicht aus
dem Nichts heraus erschaffen haben. Ein System von karolingischen Burgbezirken ist uns seit
karolingischer Zeit bekannt: 806 führte Karl, der Sohn Kaisers Karl, eine Feldzug gegen
die Slawen und errichtete dazu an Elbe und Saale mehrere Kastelle. Eines davon war Halla an
der Saale und stellt die erste urkundliche Erwähnung von Halle dar. Ein Vorläufer
der Burgwardverfassung König Ottos könnte die Burgenbauordnung Heinrich I. (überliefert
in der Miracula Sti. Wigberhti, Stift Hersfeld 936) gewesen sein, die aber vorrangig
zur Abwehr der Ungarn gedacht war. Ob und in welchem Umfang die Burgenbauordnung in die Praxis
umgesetzt wurde, ist nicht zu beantworten. Weitere Zeugnisse sind uns nicht überliefert.
Gleichzeitig mit der Abwehr der Ungarn-Gefahr begann bereits unter Heinrich I. eine expansive
Ostpolitik. Zentrum waren die königseigenen Gebiete in und um Merseburg. Ob man hier von
einem Limes sorbicus sprechen kann, ist aus mehreren Gründen fraglich, denn die
Errichtung der Burgwarde diente zunächst weniger dem Schutz der eigenen Gebiete, sondern
als Sicherung für die Eroberung sorbischer Gebiete bzw. für die Durchführung
von Raubzügen aus den Burgen heraus. Besonders lukrativ für die Herren der Burgen
war der Sklavenhandel, deren Organisation in den Händen von Franken und Orientalen (Arabern
und Juden) lag. So wurde vor allem das slawische Siedlungsgebiet mit einem dichten Netz von
Burgwarden überzogen. Es kann sein, dass die Burgwarde auch vorhandene slawische Befestigungen
und Machtstrukturen übernahmen. Die Burgwardverfassung König Otto scheint die Vorgängerorganisationen
in einen wohldurchdachten organisatorischen Rahmen gestellt zu haben: Die Burgwarde dienten
innerhalb der Neuerrichtung der Markgrafschaften als kleinste admininistrative Einrichtungen
und übernahmen Funktionen in Verwaltung und Rechtspflege. Die Errichtung von Burgwarden
im Rahmen des Reichskirchensystems ist dagegen abzulehnen. Schon das Reichskirchensystem ist
zu König Otto I. Zeiten nicht als planmäßig angelegtes Gebilde anzusehen, um
so zweifelhafter erscheint dann eine Burgward-Kirche, in der sich Burgward und Pfarrkirche
entsprechen. Natürlich aber haben sich im Schutze der Burgwarde neue kirchliche Strukturen
entwickelt.
Der weitere Ausbau der Burgwardverfassung, insbesondere in der Nordmark, wurde durch den großen
Slawenaufstand von 983 verhindert, als die deutsche Expansion im Norden wieder auf die Elbelinie
zurückgeworfen wurde. Noch im elften Jahrhundert war die Burgwardverfassung in Kraft und
selbst in der Mitte des 12. Jahrhunderts schien Heinrich der Löwe bei seiner Eroberung
von Mecklenburg und Vorpommern weitere Burgwarde errichtet zu haben. Anderern Orts war zu diesem
Zeitpunkt die Burgwardverfassung aber schon im Niedergang begriffen: Die Ansiedlung deutscher
Bevölkerungsanteile und die Ausdehnung der Macht der Feudalfürsten führte zu
einem raschen Verfall.
zurück zur Ottonenzeit
Home
Kontakt
Gästebuch
Impressum
Sitemap
© 2001 - 2003
Letzte
Änderung: Di, 25.März 2003