Aus einer aus dem Jahre 972 überlieferten Rede des Erzbischofs von Reims erfahren wir, daß auch Mönche anstelle der unscheinbaren Kleidung "gern um hohen Preis gekaufte Röcke mit weiten Ärmeln und großen Falten" trugen und diese so fest um ihren Leib zusammenschnürten, "daß die eingeschnürten Hüften den Hintern hervortreten lassen, und man sie von hinten eher für unzüchtige Weiber als für Mönche halten könnte".

Priesterornat, Darstellung des Meßgesangs.
 Elfenbein-Einband einer Reichenauer Handschrift vom letzten Drittel des 10. Jh. Frankfurt (Main), Stadt- und Universitätsbibliothek

 

 

Dann berichtete er auch noch über die Mode der Zeit:
"Was soll ich aber von der Farbe ihrer Kleidung sagen? Ihre Verblendung geht so weit, daß sie Dienst und Würde nach der Farbe des Stoffes beurteilen. Wenn ihnen der Rock nicht durch seine schwarze Farbe gefällt, so wollen sie ihn schlechterdings nicht anlegen. Hat der Weber dem schwarzen Zeuge weiße Wolle beigemischt, so wird auch deswegen der Rock verschmäht. Auch der braune Rock wird verschmäht. Nicht minder ist ihnen auch die von Natur aus schwarze Wolle nicht anständig genug, sie muß künstlich gefärbt sein. So viel von ihrer Kleidung. Was soll ich aber von ihren abenteurlichen Schuhen sagen? Denn in dieser Hinsicht sind die Mönche so unvernünftig, daß ihnen der Nutzen einer Fußbekleidung großenteils entgeht. Sie lassen sich nähmlich ihre Schuhe so eng machen, daß sie darin fast wie an den Stock geschlossen am Gehen gehindert sind. Auch setzen sie denselben vorn Schnäbel, an beiden Seiten aber Ohren an, und tragen große Sorge, daß sie sich genau dem Fuße anschließen, halten sie auch Diener dazu an, daß sie mit besonderer Kunst den Schuhen einen spiegelhellen Glanz verleihen. Soll ich schweigen von ihren kostbaren Leintüchern und Pelzkleidern? Da unsere Vorgänger aus besonderer Nachsicht den Gebrauch von gemeinen Pelzwerk erlaubt haben, schlich sich auch hierin das Laster unützer Pracht bei uns ein. Nun umziehen sie ihre ausländischen Pelze mit einem Saume, der zwei Spannen breit ist, und überziehen sie mit nordischem Tuche. Sich leinerner Bettücher zu bedienen, ist keineswegs erlaubt, doch haben einige pflichtvergessene Mönche auch dieses zu ihrem unützen Aufwand hinzugetan, und da die Anzahl derselben in den verschiedenen Klöstern sehr groß war, so haben sich die wenigen Guten von den zahlreichen Bösen verleiten lassen. Was aber soll ich von ihren unanständigen Beinkleidern sagen? Ihre Hosen haben eine Weite von sechs Fuß und entziehen doch wegen der Feinheit des Gewebes nicht einmal die Schamteile den Blicken. Ein einziger ist nicht zufrieden mit einem Stück Zeug, welches für zwei vollkommen ausreichen könnte."

Pluviale aus byzantinischem Seidenstoff. Um 1000; Mitra. 13. Jh.
Halberstadt, Domschatz

 

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