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Die Lechfeldschlacht Die Steppenreiter Das Totenlager

Diese Seite gibt einen kurzen Überblick über Bewaffnung und Rüstung im Frühmittelalter, inklusive einer kurzen Abhandlung über die Lechfeldschlacht, bei der gepanzerte (deutsche) Reiterkrieger, Ritter, gegen ein auf berittene Bogenschützen orientiertes (ungarisches) Nomadenheer antrat. Der Unterlegene, die Ungarn orientierten sich in der Folgezeit an der Bewaffnung des Siegers (des feudalen Ritterheeres).

Ähnlich wie im Frankenreich des achten Jahrhunderts vollzog sich im sächsischen Reich der Ottonen ein Wandel im Militärwesen. An der Stelle des Aufgebotes der freien Bauern trat das gepanzerte Reiterheer der Lehnsherren und ihrer Vasallen. Fortan galten nur noch Panzerreiter als vollwertige Krieger, miles oder loricati (Gepanzerte) genannt. Gepanzerte Reiter verfügten, sofern sie koordiniert eingesetzt wurden, über eine ungeheure Durchschlagskraft. Allerdings entsprach der Wert einer Rüstung samt Pferd einem Gegenwert von 40 bis 45 Kühen, dem Bestand eines Dorfes. Nur reiche Feudalherren konnten sich dies leisten.

Die Ausrüstung eines Reiterkriegers sah folgendermaßen aus (hier ein Beispiel aus Spanien, Anfang des 11. Jahrhunderts): ...meine Ausrüstung, das heißt meinen goldverzierten Sattel mit seinem Zaumzeug, mein Schwert und meinen Schwertgürtel, meine Sporen, meinen Schild mit seinem Speer, meine anderen verzierten Schwerter, meine Panzerhemden und meine Helme und anderen Schwerter, die nicht verziert sind, meine Schilde und meine Pferde und meine Maultiere und meine Kleidung und meine anderen Sporen und das andere mit Silber verzierte Zaumzeug.

zitiert aus: Fletcher, El Cid, Weinheim 1999

Angriff der Ungarn auf ein sächsisches Dorf

Abb. aus: Was ist Was 106, Burgen, vom Tessloff Verlag

Zugegeben, der Ritter Pedro Rúiz, der neben einem Stück Land seine ganze Ausrüstung einem Kloster vermachte, war ein reicher Lehnsmann, aber in ähnlicher Form, wenn auch wohl nicht mit Gold und Silber verziert wie im reichen Spanien, dürften bereits die Panzerreiter Otto des Großen ausgerüstet gewesen sein.

Abwehr und Vernichtung des ungarischen Heeres bei Augsburg durch Otto den Großen und seine Reiterlegionen: Grün die Ungarn, rot die Reiterlegionen der deutschen Stämme, lila die böhmische Legion im Heer Otto des Großen, oben zwischen den Flüssen Augsburg, welches von Bischof Udalrich gehalten wurde.

Bereits 933 hatte Heinrich I. die Ungarn bei Riade an der Unstrut abgewehrt. Dieser Erfolg hob das Ansehen des Königtums und festigte den Zusammenschluss der deutschen Stämme, es war zugleich ein moralischer Sieg über die Furcht vor den Ungarn.

955 fielen die Ungarn erneut in Bayern und Schwaben ein und schlossen Augsburg ein. In den 22 Jahren seit dem ersten Sieg hatte sich im Reich viel verändert und die gesamte militärische Lage hatte sich wesentlich verbessert. (Seit 936 stand Otto I. an der Spitze des Reiches.) Der König bot von Magdeburg aus die großen feudalen Grundherren mit ihren Vasallen zum Feldzug auf. Als Versammlungsort legte er den Raum zwischen Ingolstadt und Neuburg an der Donau fest. Im Juli trafen dort sämtliche Abteilungen und Legionen ein. Der Geschichtsschreiber Widukind von Corvey (ca. 925 bis 973) berichtete darüber: "Die erste, zweite und dritte Legion bildeten die Baiern, an ihrer Spitze die Befehlshaber Herzog Heinrichs, denn er selbst war unterdessen vom Kampfplatze entfernt, weil er an einer Krankheit darnieder lag, woran er auch starb. Die vierte bildeten die Franken, deren Leiter und Führer Herzog Konrad war. In der fünften, der stärksten, welche auch die königliche genannt wurde, war der Fürst selbst, umgeben von den Auserlesenen aus allen tausenden der Streiter und von muthigen Jünglingen und vor ihm der sieggewohnte Erzengel, durch einen dichten Haufen gedeckt. Die sechste und siebente Schar machten die Schwaben aus, welche Burkhard befehligte, dem der Bruder des Königs seine Tochter zur Ehe gegeben hatte. In der achten waren tausend auserlesene böhmische Streiter, besser mit Rüstungen als mit Glück versehen; hier war auch alles Gepäck und der ganze Troß, weil man die Nachhut für sichersten Platz hielt."

Bei der Schlacht auf dem Lechfeld zeigte sich, dass die deutsche Kriegskunst der ungarischen um einiges überlegen war. Die einzelnen Abteilungen wirkten taktisch eng zusammen. Dies war auch der Grund, warum die Ungarn selbst dann scheiterten, als sie versuchten die Deutschen von hinten anzugreifen. Außerdem nutzten die deutschen gepanzerten Reiter geschickt den Fluss als natürliches Hindernis aus, um die ungarischen Angriffe von einer günstigen Position aus abzuschlagen. Dadurch versperrten sie ihnen auch den Rückzug. Es folgte ein fürchterliches Strafgericht. Nur wenige Ungarn entkamen, die Anfüher des Angriffsheeres wurden hingerichtet. Die Stärke des deutschen Heeres dürfte zwischen 7000 bis 8000 Reiter betragen haben, das der Ungarn evt. etwas mehr. Der Niederlage der ungarischen Plünderhorden am Lech folgte die Entstehung des ungarischen Königreiches nach westlichen Vorbild, nicht zuletzt dadurch wurden die magyarischen (ungarischen) Stämme seßhaft. Durch die Hinrichtung der Clanchefs am Lech durch Otto den Großen profitierte das Geschlecht der Árpáden, welches den Angriff nicht mitgetragen hatte. Bereits Stefan (Istvan), der sich mit der bayrischen Linie der Ottonen verband, konnte um 1000 die ungarische Königskrone tragen.

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