Der Adel Das Volk

Schmuck

                                         


Mittelalterlicher Herrscher- und Priesterornat.Konrad II. wird von dem Erzbischof von Mainz gekrönt.
Buchmalerei. 1024-1039. Schaffenhausen, Ministerialbibliothek
Am Ende des 11. Jahrhunderts, als der Feudalisierungsprozeß in den aus dem Fränkischen Reich hervorgegangenen Königreichen Frankreich und Deutschland im wesentlichen seinen Abschluß fand, hatte sich für die Kleidung eine feste hierarchische Ordnung herausgebildet. Die feudale Zersplitterung, die nach dem Zerfall des Karolingerreiches einsetzte und den Feudalisierungsprozeß begleitete, hatte aber dazu geführt, daß die Kirche ihren Einfluß auf die Trachtenentwicklung ausdehnen konnte und beim Aufbau der Kleiderhierarchie eine immer wichtigere Rolle spielte. Die Päpste begnügten sich auf die Dauer nicht mehr mit der geistlichen Macht und erhoben Anspruch auf weltliche Herrschaft. Da es im 10. und 11. Jahrhundert weder ein politisches noch ein kulturelles Zentrum gab, in dem sich eine von der Kirche unabhängige Kultur entwickeln konnte, geriet auch die Mode immer stärker unter das Zepter der Kirche. Die deutschen Kaiser hatten keine Residenz und zogen von Pfalz zu Pfalz. Die Frauen, die in der Mode des hohen Mittelalters eine so wichtige Rolle spielen sollten, lebten an den Höfen in größter Zurückgezogenheit. Das Handwerk begann sich im 10. und 11. Jahrhundert nur langsam von der Landwirtschaft zu trennen, so daß die kunstfertigsten Hände noch immer in den Klöstern zu finden waren. Viele Frauenklöster, in denen die prächtigen Gewänder für die hohe Geistlichkeit entstanden, waren wegen ihrer kunstvollen Handarbeiten berühmt.

 

 


Männertracht mit kurzem Rock.n, Schultermantel, Strumpfhose und Schlupfschuhen. Heinrich, Herzog von Bayern.
Regensburger Buchmalerei. Ende 10. Jh. Bamberg, Staatsbibliothek
Hier muß man sagen, daß die Bezeichnung "Adel" etwas unpassend ist, denn unter diesem versteht man die gesamte höhere Schicht, d.h. auch kirchliche Würdenträger. Männerkleidung: Die enge Bindung der Kirche an die sich konsolidierende Feudalgesellschaft ließ die Trachtenunterschiede zwischen den geistlichen und weltlichen Feudalherren schwinden: Der weltliche Adel gab seine kurze Tunika auf und legte wie die Priester die lange Tunika an, so daß nunmehr die gesamte Oberschicht ein gemeinsames Trachtenmerkmal besaß, das sie vom Volk - das weiterhin den kurzen Rock trug - unterschied. Andererseits waren die Kaiser jetzt neben den mächtig gewordenen Feudalherren auch in ihrer äußeren Erscheinungen nur noch die "Ersten unter Ebenbürtigen" und lediglich an ihren Attributen und den ihres Ornates zu erkennen. Die langen Gewänder setzten sich beim weltlichen Adel allerdings nur langsam durch. Erst seit der Mitte des 11. Jahrhunderts mußte die kurze Tunika mehr und mehr den langen Gewändern weichen, die im Laufe des 12. Jh. - ein Jh. später als beim Herrscherornat - endgültig die kurze Tracht verdrängten. Mit der Zeit entwickelte sich auch das Untergewand, welches aus einer Tunika bestand. Letztere war oft länger als die Übergewänder. Der Mantel, der aus einem viereckigen, auf der rechten Schulter gefibelten Stück Stoff bestand, wurde ebenfalls länger. Die Anfangs noch weiten Hosenbeine wurden nun enger und machten die diversen Binden und Riemen überflüssig. (Mit diesen wurden die Hosenbeine zusammengebunden.) Die immerfort länger werdenden Tuniken wurden schließlich so lang, daß die Hose ihre (modische) Bedeutung verlor und schließlich - genauso wie die Leinenhemden - nur noch als Unterbekleidung dienten.

Zu den kurzen Röcken wurden eine Art Halbstiefel getragen; zu den langen Tuniken jedoch niedrige Schlupfschuhe. Manche Schuhe hatten schon eine schnabelartige Spitze, die jedoch erst im späten Mittelalter Bedeutung erlangte. Kopfbedeckungen spielten noch - außer bei Kriegstrachten - eine untergeordnete Rolle.

 


Männertracht mit doppelt langer Tunika: Grabplatte des Herzogs Widukind. Um 1100.
 Enger in Westfalen, Stiftskirche.

Frauenkleidung: Die Kleidung der Frauen veränderte sich in diesen Jahrhunderten nur geringfügig. Sie bestand weiterhin aus einem hemdartigen Ober- und Untergewand und einem Mantel oder Schleier. Da letztere meist über den Kopf gezogen wurden, war das Haar, das frei herabfiel oder mit Bändern und Nadeln aufgenommen wurden, mehr oder minder versteckt. Als Fußbekleidung dienten pantoffelartige Schuhe.


Miniatur aus dem Evangeliar Ottos III. Ende 10. Jh.
München, Bayerische Staatsbibliothek
Im Laufe des 11. Jahrhunderts machte sich der Einfluß der byzantinischen Mode stärker bemerkbar. Durch die Heirat Kaisers Ottos II. war die Byzantinerin Theophanu auf den Thron gekommen, und mit ihr gelangte die byzantinische Mode und Sitte nach Westeuropa. Nach byzantinischem Vorbild wurde das Oberkleid verkürzt, während die untere Tunika länger wurde, als wolle sie bereits die Schleppe ankündigen. Gleichfalls byzantinischen Ursprungs waren die weiten Hängeärmel, die im Laufe des 11. Jahrhunderts modern zu werden begannen, sich aber ebenso wie die Schleppe erst im 12. Jahrhundert endgültig durchsetzten. Dasselbe gilt besonders auch für die enge Kleidung, welche die weiblichen Formen, vor allem die Taille, betonte, "offen, ohne Scham und ein Schauspiel für das ganze Volk".

 Zu diesem Thema haben wir eine recht amüsante, aber auch gleichzeitig informative Quelle gefunden.
 

Die Kleidung des Volkes, das heißt die der arbeitenden Schicht, hatte an den modischen Veränderungen, welche Schnitt und Ausstattung der Kleidung der Feudalherren betrafen, nun keinen Anteil mehr. Die Männer trugen einen kurzen fränkischen Leibrock und lange Hosen, welche noch oft die alte weite Form zeigten (Wie oben schon erkärt wurde tendierte die Mode damals nähmlich zu etwas engeren Hosen.). Die Hose fehlte oft bei der Arbeit. Entweder um sie nicht zu beschmutzen oder zu beschädigen, oder wie in vielen Fällen, ganz einfach aus Armut. Als Material wurden dunkle, meist erdfarbene Stoffe verwendet. Auch die Frauen dieser Schichten waren an den anspruchslosen Stoffen ihrer Kleider und dem Mangel an Besatz und Schmuck zu erkennen; ihre Gewänder waren außerdem weniger stoffreich und kürzer oder zumindest höher geschürzt als die modische Kleidung.  


Bäuerliche Kleidung. Illustration der Enzyklopädie des Hrabanus Maurus.
Italienische Buchmalerei. 1023. Montecassino, Bibliothek

 



Genauso wie die modische Kleidung war auch der Schmuck reich und farbig. Die Halsketten, Broschen und Ohrgehänge der Frauen bzw. die Fibeln, Schwertgehänge und Gürtel der Männer waren mit Edelsteinen und Glasflüssen besetzt. Auch die Gewänder selbst waren oft überreich mit Edelsteinen und Perlen verziert. Dies konnte sich natürlich nur der höhere Adel leisten.

"Im 10. Jahrhundert wurde es bei den Frauen modern, Scheibenfibeln zu tragen... Es gab große, runde Scheibenfibeln aus Gold oder Silber in Filigran- und Granulationstechnik.",
(Elsner, Hildegard: Wikinger Museum Haithabu: Schaufenster einer frühen Stadt, Schleswig, 1989, S. 57.)
 
Da Frau Elsner die Form der nordischen Fibeln aufgrund von karolingisch-ottonischen Vorbildern ableitet, können wir uns vorstellen, daß die Frauen im Ottonenreich derartige Scheibenfibeln, wenn auch in einfacherer Ausführung aus Kupfer oder Silber, als Alltagsschmuck getragen haben.


Fürspan


Ohrgehänge


Adlerfibel


Brustbehang


Tasseln

Gold, Edelsteine, Emaille Ende 10./ Anfang 11. Jh. Berlin, Staatliche Museen