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Diese Seite behandelt die ungarischen Steppenreiter zur Zeit Otto des Großen

Die ungarischen Steppenreiter bildeten den gefährlichsten Gegner des ottonischen Reiches. Als Steppenreiter werden riesige Heere von berittenen Bogenschützen bezeichnet, die aufgrund ihrer Geschwindigkeit, Wendigkeit und Menge einen nie zu unterschätzenden Gegner darstellten.

Herkunft: Vorfahren der Ungarn waren finnougrische Stämme, die in der Gegend des mittleren Urals lebten. Etwa 2000 Jahre vor unserer Zeit trennte sich das mutmaßliche Urvolk in zwei Zweige, in einen finnischen, der in Richtung Baltisches Meer zog und einen ugrischen, der sich im Gebirgsvorland des Urals zu einem Reitervolk entwickelte. Nach einer weiteren Trennung von Wogulen und Ostjaken, die sich weiter nördlich niederließen, verblieben die Vorfahren der Ungarn in der Steppe, wo sie 800 v.u. Z. unter skythischen-iranischen Einfluß gerieten. Sie übernahmen das Schwert "kard" und den fürchterlichen Reflexbogen. Zu dieser Zeit begann das Volk sich selbst "magyar" zu nennen. Ab 500 v. u. Z. fand eine Beeinflußung der Ungarn durch ihre Nachbarn, der iranischen Alanen und der Turkbulgaren statt. Von den Alanen übernahmen sie den Krummsäbel "szablya" und den Harnisch "vért", von den Bulgaren den Steigbügel. Der späteren Teilnahme am onogurischen Stammesverband verdanken die Magyaren den ihnen von Fremden verliehenen Namen "Ungarn". Nach dem Abschütteln der Chasarenherrschaft (Nachkommen der Hunnen) zogen die Ungarn um 800 n.Chr. zuerst in die Don-Gegend, später unter den Druck nachströmender Völker, wie der Petschenegen, in ihre heute noch bestehende Heimat.

Landnahme: Im Jahre 895 fielen die Petschenegen über die schutzlose Bevölkerung her, diese mußte sich in die Berge Siebenbürgens zurückziehen. Das Gros des Reiterheeres kämpfte zu dieser Zeit im Bündnis mit Byzanz gegen die Bulgaren und war deshalb nicht in der Lage die ursprünglichen Siedlungsgebiete zu verteidigen. Die Landnahme begann also mit einer Katastrophe. Das damalige ungarische Volk wurde traditionell von drei Würdenträgern regiert: dem Kende, Oberfürsten, dem Gyula, militärischen Führer, und dem Harka.

Ungarischer Steppenreiter.

Die Grafik ist dem Buch "So lebten Sie zur Zeit der Völkerwanderung" aus dem Tessloff Verlag entnommen.

Das zurückgekehrte Heer unter dem Gyula, militärischer Oberbefehlshaber, Árpád und seinem Sohn Levente, eroberte in den folgenden Jahren das Karpatenbecken für das magyarische Volk. Der Oberfürst, Kende, mit Namen Kurszán fiel 904 einer List der Bayern zum Opfer und wurde mit seinem Gefolge niedergemetzelt. Árpád übernahm die Oberfürstenwürde und bereitete den Bayern 907 eine vernichtende Niederlage. Damit endete die Landnahme und ging in eine Expansionsphase über, die erst 955 mit der Niederlage des Harka auf dem Lechfeld beendet wurde. Die bisher durch Sold und Kriegsbeuten versorgten Reiterkrieger der Sippen, die ihre Äcker bislang durch Sklaven versorgen ließen, mußten sich nach einem anderen Auskommen umsehen und wurden sesshaft.

Säbel, Ungarn 10. Jahrhundert.

Quelle der Abb.: Otto der Große Magdeburg und Europa. - Mainz, 2001

weitere Informationen über Steppenreiter bitte auf das Foto klicken

Quelle des Fotos: www.steppenreiter

Weitere Informationen über die Árpáden auf unserer Árpárdenseite.

Der ungarische Reiter der Landnahmezeit im 10. Jahrhundert

Die Waffen des Kriegers

Der Bogen
Diese Waffe bestand aus verschiedenen Holzschichten und zur Leistungsverbesserung wurden Hornplatten aufgeklebt, welche dem Bogen eine gute Durchschlagskraft und Reichweite verliehen und das bei einem geringen Eigen- und Zuggewicht. Die Pfeile waren dazu ausgelegt durch Panzerung jeder Art zu schlagen, so besaßen sie rhombische Pfeilspitzen mit 2 Schneiden, später im 2. Drittel des 10. Jahrhunderts waren auch 4 schneidige Spitzen in Gebrauch, welche sogar noch besser geeignet waren die Panzer der gegnerischen Reiter zu durchschlagen.

Der Säbel
Der Säbel war eine im ersten Drittel des 10. Jahrhunderts noch nicht so verbreitete Waffe, wurde allerdings im 2. Drittel zur Standartwaffe der Reiterarmee der Ungarn. Die Klinge war nur leicht geschwungen und an der Spitze 2 schneidig, so dass diese Waffe sowohl als Hieb-, als auch als Stichwaffe zu verwenden war. So war auch der Säbel durch sein leichtes Gewicht, denn der Schaft bestand aus gehärtetem Holz, eine hervorragende Reiterwaffe.

Die Streitaxt
Die Axt besaß eine gebogene Schneide und einen sehr ausgeprägten Dorn. Der Schaft der Axt bestand wie bei den meisten anderen Waffen aus Holz, und war somit auch eine leichte Waffe, bestens für die Reiter geeignet. Es gab in der damaligen Zeit ca. 11 Typen, welche alle recht unterschiedlich gestaltet waren. Dennoch weisen alle eine 3 eckige Klinge auf und einen sehr scharfen Sporn. Diese Waffe konnte auch erfolgreich gegen die schwer gepanzerten Reiter der Franken eingesetzt werden.

Der Wurfspieß
Der Spieß bestand aus einem ca. 2m langen Holzschaft auf dem eine 30cm lange Eisenspitze befestigt war. Diese Spitze wies ein 4 schneidiges Muster auf, was allen Waffen der damaligen Zeit eigen war, die sich durch jegliche Art von Panzerung bohren mussten. Der Gegner wurde damit entweder vom Pferd aus niedergestochen oder wurde auf eine größere Entfernung damit beworfen.


Die Rüstung
Über die Rüstung der Reiterscharen ist uns heute nicht sehr viel bekannt. Wir wissen heute nur, aus alten Überlieferungen, dass die Ungarn einen Harnisch aus Leder oder ähnlichen Stoffen getragen haben müssen, da ihnen der westliche Panzerschutz der damaligen Zeit fremd
war.

Kriegsführung
Die Heere der Ungarn waren um die 20 000 Mann stark. Diese ritten aber nicht immer in einer Formation, sondern wurden nur zu Kampfhandlungen zusammengezogen, wenn sie nicht gerade mit plündern beschäftigt waren. Das Heer war in 2 tumen zu jeweils 10 000 Mann unterteilt, welche sich dann in Tausend- und Hundertschaften aufspalteten. Die kleinste Einheit der Ungarn waren dann die Gruppen zu jeweils 10 / 12 Mann.
Wenn die Ungarn ein feindliches Heer angriffen, taten sie dieses mit einem Blitzangriff, zogen sich dann aber kurz vor dem Gegner zurück. Der diesen nun nachsetzende, aus der Verteidigungsformation ausgebrochene, Feind wurde dann von den wieder umgedrehten Reitern und der noch nicht in den Kampf verwickelten Reserve mit den Bögen angriffen. So wurden dann auch die letzten Reste einer Formation ausgelöscht. Danach wurden die letzten Überlebenden der "ersten Angriffswellen" im Nahkampf vernichtet, Wobei dann der Säbel die Axt und der Wurfspieß zum Einsatz kamen
.

Alltag
Der Alltag der Steppenreiter in Friedenszeiten war das Leben eines Nomaden. Immer zogen mehrere Familien, die meist verwandt waren, durch die Steppe. Die Aufgaben waren klar verteilt: Der Mann kümmerte sich um die Viehwirtschaft, die Pferde und die Jagd, und die Frau war mit den Kindern und der Jurte (Wohnzelt) beschäftigt. Sie war es, die die Jurte ständig auf und abbauen musste, aber dafür war sie die Herrin in ihrer Jurte. Die Jurte wird aus Holzstangen gebaut, welche ein Gerüst zum Auflegen des Filzdaches bilden. Im Inneren ist das Zelt reich verziert und mit allen möglichen Gegenständen an den "Wänden" behängt, vom Kochtopf bis zum Sattel. Von der Mutter lernten die Kinder alles was sie wissen mussten, wobei die Mädchen auf ihr Leben als Jurtenbesitzerin vorbereitet wurden und die Jungen von den Vätern im Umgang mit dem Vieh lernten. Die Viehwirtschaft bestand hauptsächlich aus dem Züchten von Rindern und Pferden welche dann später verkauft werden sollten. Jagd wurde vor allem zum Spaß betrieben und nicht um die Sippe zu ernähren. Sie wird mit dem Adler, welcher bei den Steppenvölkern ein Symbol der Macht ist, und dem Pferd, welches ebenfalls ein Symbol für Macht und Reichtum ist, betrieben. Füchse, Hasen und manchmal sogar ein paar Wölfe werden zum Opfer dieser wilden Beizjagd.
Die Ungarn haben daneben immer auch Ackerbau betrieben. Die Landnahme im Karpatenbecken und die Aufnahme in die Feudalgesellschaft des europäischen Mittelalters ging bei ihnen deshalb relativ problemlos vonstatten und sie waren schon im Hochmittelalter militärisch und kulturell kaum noch als Reitervolk erkennbar.

Quellen: www.steppenreiter.de.
Otto der Große Magdeburg und Europa. - Mainz, 2001.

Die Geschichte Ungarns. - Budapest, 1988.

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16. Juni