Das Leben des Henkers

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Der Henker war der meist gebrauchteste, jedoch der wohl unehrenhafteste Beruf überhaupt im Mittelalter. Der Ritter, der auf dem Schlachtfeld die Feinde niedermetzelte, wurde als Held gefeiert, aber der Henker, der die Gesetzesbrecher hinrichtete, wurde verschmäht und galt als unehrenhaft. Schon an seiner speziellen Kleidung konnte man ihn erkennen: War z.B. sein Wams und seine Hose an der rechten Seite grün und auf der linken Seite rot gefärbt, so konnte man daraus schließen, dass er seinen Beruf von seinen Vater geerbt hatte. Eine andere Arbeitsstelle stand ihm nicht zu, auch wenn er - wie es bei vielen war - wegen seiner Berufung unter großen seelischen Qualen litt. Der Henker durfte mit seiner Familie nicht in öffentliche Bäder und wer bei einem Gespräch mit einem Henker ertappt wurde, galt ebenfalls ab sofort als unehrenhaft. In den Wirtshäusern musste der Scharfrichter an speziell für ihn und seine Familie vorgesehenen Tischen speisen und den Gottesdiensten nur auf Sonderplätzen lauschen. Ihnen wurde eine kirchliche Trauung sowie eine kirchliche Bestattung verwehrt. Niemand spielte mit deren Kindern und keine Hebamme half der Frau des Henkers.
Nur wenn den Kranken die Stadtärzte und Bader nicht mehr weiterhelfen konnten, gingen sie zum Henker, der ihnen dann z.B. die ausgerenkten Glieder wieder einrenkte. Er verkaufte ihnen auch das von Ausschlag und Epilepsie befreiende Blut der Hingerichteten. Aus den Hirnschädeln der Toten wurden Pillen gegen Tollwut hergestellt und die Haut der Erhängten diente zur Heilung von Gicht. Das Einzigste, was ein Henker für die Verurteilten tun konnte, war, dass er ihnen einen schnellen Tod bereitete. So weiß man, dass viele Vollstrecker den zum Rädern Verurteilten zuerst den Hals brach, bevor sie ihnen das Rückrad stückchenweise brechen mussten. Die, die den Feuertod zu erwarten hatten, wurden heimlich erdrosselt oder man erstach sie, um ihnen die unendlichen Qualen zu ersparen und diejenigen, die gehängt werden sollten, brach der Henker mit beiden Händen zuvor den Rückenwirbel.

Verbrecher zu töten war nicht das einzigste, was ein Scharfrichter zu vollführen hatte. Er hatte auch kleine Diebe zu bestrafen, er wurde als Hundefänger eingesetzt und musste die tollwütigen Exemplare erschlagen, der Henker musste das städtische Getreide bewachen, zuweilen Kloaken säubern und Aussätzige aus der Stadt vertreiben.

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Quellen für alle Henkerseiten:
u.a. Maike Vogt-Lüerssen, Der Alltag im Mittelalter, Verlag Ernst Probst, 2001 Mainz- Kostheim.
Irsigler ; Lassota: Bettler und Gaukler, Dirnen und Henker, dtv, 1996 München.

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© 2002 Letzte Änderung: Dienstag, 3.September 2002