Der Alltag der Ottonen von der Geburt bis zum Tod

Inhalt: Frauen *Kinder * Arbeit * königliche Ordnung * Krieg und Tod

Den Frauen der Ottonenzeit wurden durch Gesellschaft und Gesetz schwere Zwänge auferlegt. Die Frauen wurden sehr jung verheiratet, wenn sie nicht ins Kloster gingen. Die Ehe war zu dieser Zeit praktisch unauflöslich. Ihr ging die Verlobung voraus. Dazu mussten sich beide Familien auf einen Ehevertrag einigen. Die Gefühle der Verlobten, vor allem der meist noch sehr jungen Mädchen, wurden kaum berücksichtigt. Auch konnten Frauen selten Erben werden. Wenn sie etwas erbten, so waren es meist Dinge von geringem Wert. Nur einige wenige Frauen hatten sich zu dieser Zeit als Königin oder Äbtissin einen Namen gemacht. Allerdings brachten gerade die Ottonen bedeutende Frauengestalten wie Königin Mathilde, Kaiserin Adelheid und Reichsverweserin und Äbtissin Mathilde hervor.

Hauptaufgabe der Frauen war jedoch der Haushalt und die Geburt der Kinder. Das Neugeborene erhielt am 8. Tag nach der Geburt seinen Namen von der Person, der Gevatterin oder dem Gevatter, die ihn feierlich zum Taufbecken trägt. Die Kindheit war nur sehr kurz, da die Kinder so schnell wie möglich erwachsen werden sollen.

Schon sehr früh hüteten die Kinder die Herden und gingen zur Schule. In der Gemeindeschule erlernten die Kinder das Grundwissen, wie Lesen, Schreiben und vor allem Bibelpsalme. Einige Kinder wurden auch schon früh ins Kloster gegeben und erlernten dort die Klosterregel, Gehorsam, Grammatik, Gesang und die heiligen Schriften. Die jungen adligen Kinder erhielten eine sportlich-militärische Ausbildung. Sie lernten die Heldengesänge auswendig und wurden ermutigt ihrem Beispiel zu folgen. Die begabtesten unter ihnen wurden zu Knappen des Prinzen und erhielten somit den Zugang zu einer glänzenden Karriere. Eine gute, klassische Bildung erhielten zu dieser Zeit nur eine Elite von Priestern und Adligen, denn die öffentlichen Schulen wurden weitgehend abgeschafft. Auch zielte die damalige Erziehung vor allem darauf ab den Schülern Gehorsam gegenüber Gott beizubringen.

Aber natürlich gab es für die Kinder nicht nur Schule und Arbeit. Es existierten damals viele Spiele, die auch heute noch aktuell sind. Zum Beispiel das Ball-, Würfel- oder Schachspiel. Spielzeuge für die Kinder waren Kreisel, Bälle, Knöchelchen, Puppen und Tierfiguren. Außerdem zählten Gesang und Musik zu den beliebtesten Vergnügen. Sie spielten auch bei den zahlreichen Festen eine große Rolle. Männer interessierten sich vor allem für die kämpferischen Sportarten, wie z. B Jagd und Tierkämpfe.

Dem gegenüber standen Alltag und Arbeit. Die meisten Leute zu dieser Zeit waren Bauern. Sie lebten von der Landwirtschaft. Vor allem bauten sie Getreide und dicke Bohnen an. Die Felder wurden mit Pflug oder Hacke bearbeitet. Eiserne Werkzeuge waren aber dennoch selten und wurden dementsprechend gut gepflegt. Die Felder wurden mit Mist oder dem Kot von Tieren gedüngt. Bei der Ernte kam die Sichel zum Einsatz.

Dennoch waren viele Leute nötig. Die Ähren wurden gedroschen oder von Tieren ausgetreten. Je nach Bedarf wurde das Korn dann mit dem eigenen Mühlstein oder an einer nahegelegenen Mühle gemahlen. Die Viehzucht war noch in der Entwicklung begriffen. Der durchschnittliche Bauer besaß Schafe, Schweine und Ziegen. Rinder und Pferde dienten kaum als Nahrung. Dazu waren sie zu wertvoll. Sie wurden für die Feldarbeit eingesetzt oder zum Reiten. Außerdem wurde Wein angebaut und Bienenzucht betrieben. Honig wurde zum Süßen verwendet und das Wachs für Kerzen. An den Küsten wurde auch Fischfang betrieben und Meersalz gewonnen.

All diese Dinge und das Leben im allgemeinen mussten geregelt werden. Im Reich der Ottonen herrschte eine strenge Ordnung. An der Spitze stand der Herrscher, der König. Ursprünglich wurde er von Kriegern gewählt und war ein Heerkönig. Nach und nach kam der König zu immer mehr Macht. Regierungssitz war der „Palast“, bei den Ottonen die Pfalz. Die wichtigste Funktion des Königs war die Kompetenz Befehle und Verbote auszusprechen. Für die Reichsverwaltung war die Kanzlei zuständig. Sie verfertigte die nötigen Urkunden. Außerdem gab es am Königshof viele hohe und wichtige Ämter:

1. Der Hausmeier war der Vorsteher der Hofverwaltung

2. Der Marschall war der Verwalter der Ställe und Pferde

3. Der Truchsess war für die königliche Tafel zuständig.

Das damalige Königtum war ein Wanderkönigtum und hatte somit keinen festen Regierungssitz. Der König machte nacheinander verschiedene Orte des Reiches zu seiner Residenz (Pfalz). Der Herrscher war auch für das Gericht auf Reichsebene zuständig. In den Provinzen vertrat der Graf den König. Er nahm hier die administrativen, gerichtlichen und militärischen Aufgaben wahr. Das ehemalige römische Recht verschmolz mit dem germanischen. Das Gericht (Thing) bestand aus freien Männern. Hier war es nicht so, dass der Kläger die Schuld des Beklagten nachweisen musste, sondern der Angeklagte hatte seine Unschuld zu beweisen.

Die Bestrafungen bestanden fast immer in einer Entschädigung für den Geschädigten oder dessen Familie. Körperliche Strafen waren selten. Jedoch ging nicht die gesamte Entschädigung an den Geschädigten, sondern wurde zwischen ihm und dem König aufgeteilt. Der König bezog das weitere nötige Geld aus seinen Regalien wie zum Beispiel das Recht der Münzprägung und das Zollrecht.

Zu dieser Zeit war der Krieg oft Alltag. Der König war demnach ein Kriegerkönig. Der Krieg war oft notwendig, um sich vor Feinden zu schützen, aber manchmal wurde er auch nur geführt, um sich zu bereichern. Es gab kein stehendes Heer. Wenn ein Krieg bevorstand, ließ der König durch die Grafen alle oder einen Teil der freien Männer einberufen.

Das Leben zu dieser Zeit war also sehr gefährlich und so war der Tod ein ständiger Begleiter. Die Dörfer lagen außerhalb der Städte, jedoch nicht zu weit entfernt. Dank der Wüstungen (verlassenen Dörfer) wissen wir, dass es früher mehr Dörfer gab als heute.

Grabstellen wurden oberirdisch angelegt und mit Grabsteinen gekrönt oder von Steinen umgeben. Bei den Fürsten gab es einen Grabhügel (Tumulus) über dem Grab. Die Gräber lagen oft nebeneinander (Reihengräber) und nahe der Kirche oder sogar in ihr, da man den Heiligen besonders nahe sein will. Die Formen der Gräber waren sehr unterschiedlich. Man legte die Toten entweder direkt in die Erde, in einen Sarg oder in eine Grabkammer. Die Toten wurden fast immer mit ihren schönen Gewändern und persönlichen Gegenständen bestattet. Das waren z.B. Waffen, Gefäße und Speisen. Dies geschah vor allem bei den Franken, Alemannen, Langobarden, Sachsen und Angelsachsen.

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