Das Ei der Etrusker

Es wird ein ruhiges Osterfest, dachte Magister Magnus, unser Burgkaplan, denn die Burgbesatzung war wieder in der Weltgeschichte unterwegs (im wahrsten Sinne des Wortes). Nun, um so besser: Er könnte ohnehin etwas Ruhe gebrauchen. Also würde er zusammen mit den Bauern der Umgebung eine sehr besinnliche Osternacht organisieren. Danach könnte er mit seinem lebenden Gott alleine sein: Zu Ostern war Jesus lebendiger als zu jeder anderen Zeit.
Es hatte nicht sollen sein: Da kamen der Capitano und sein Freund Buddha mit einem Beiboot zurück. Sie trugen bunte antike Gewänder, rochen stark nach Wein und trugen ein Ei in ihren Händen. Seltsame Art Ostern zu feiern, fand der Burgkaplan. Buddha klärte auf:
Wir haben einen Ausflug nach Tarquinia gemacht und dort an einem Symposium, einem Totenmahl, teilgenommen. Es gab Totenspiele (Munera), Wein, Weib und Gesang. Am Ende, bevor wir die Gruft des Beerdigten schlossen, bekam jeder Gast ein Ei. Das Zeichen der Ewigkeit und das Symbol für das Weiterleben des Toten in einer anderen Welt, jenseits des Flusses, den der Charun zu überqueren hilft."
"Nette Leute, die Etrusker",
sagte der Capitano,
Mit schönen Frauen, aber diese sind mitunter etwas zu zudringlich."
"Und das Ei der Etrusker ähnelt sehr unserem Osterei.",
schloss Buddha.
"In der Tat,"
bestätigte der Burgkaplan
"Aber im ganzen Altertum scheint das Ei Symbol für ewiges Leben gewesen zu sein. Die Juden kannten es. Und im Frühchristentum wurde Jesus selbst mit dem Ei identifiziert. Das der Brauch und der Glauben so weit bis zu den Etruskern zurückreicht, war mir nicht bekannt."
Hatte sich da etwas durch die Zeit zu uns herüber gerettet? Der Burgkaplan hob das etruskische Ei. In der Ostkirche verteilten sie nach der Ostermesse an jedem Teilnehmer ein rotgefärbtes Ei. Wenn das noch etwas für die Osternacht werden sollte, mußte er sofort anfangen. Aber hier hatte er ja gleich zwei etruskische Eierexperten! Sie würden das Einsammeln, Kochen und Färben für ihn besorgen, dann konnte er den Rest der Osternacht in Ruhe vorbereiten.
"Halt! Ich habe für unser "Symbosium" heute nacht eine besondere Idee!"
Und der Burgkaplan erwartete sofortige Ausführung! Na, fröhliche Ostern, dachten die zwei Heimkehrer. Das hatten sie nun vom Ei der Etrusker. Wären sie nur im Mittelalter geblieben ...



Bild- und Textquellenangabe: 1. Abb. "Der Burgkaplan" stammt aus dem Spiel Robin Hood - Die Legende von Sherwood 2. Der Bildausschnitt "Ei der Etrusker" stammt aus der amerikanischen Ausgabe der National Geographic Vol. 173, No. 6, June 1988 3. dito, die Zierleiste 4.dito, die Totenfeier rechts unten 5. Die Osterdefinition stammt aus: Reclams Bibellexikon, Stuttgart, 1978.

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© 2001 - 2004 Letzte Änderung: Freitag, 09. April 2004

Die Burgkapelle zu Ostern 2004

Hier in der Burgkapelle wird drei bis viermal im Jahr ein Text erscheinen, der mit Glauben, Gott und Mittelalter (im weitesten Sinne) zu tun hat. Wen dies stört und der meint: Was hat Gott auf einer Mittelalterseite zu tun? Wollt ihr etwa missionieren? Dem sagen wir: Nein, wollen wir nicht. Wir wollen höchstens zum Nachdenken anregen. Und etwas vom Haß abbauen, der in der Mittelalterszene dem Christentum entgegen schlägt. Eines ist klarzustellen: Die Zeit, die Euch so fasziniert, hätte es ohne das Christentum nicht gegeben. Die Ottonen hätten niemals ohne die Hilfe der Kirche und ihres festen Glauben Ihr Reich aufbauen können. Dazu kann man nun stehen, wie man will.
Heute aber soll kein Kaiser mehr für seine Kriege von der Kirche den Segen erhalten. Auch sollen in unserer Burgkapelle alle willkommen sein. Auf das Mittelalter schauen, heißt auch vorurteilsfrei die Fehler erkennen und sie ändern. Ein Moment soll dann Stille sein.


Euer Burgkaplan

"Jesus is alive now !"

(Kath. Prediger auf Paphos, Cypern)

Ostern

das kirchliche Fest der Auferstehung Jesu, ist durch seine Entstehung und frühe Geschichte eng an das jüdische Pascha gebunden. Nach der wahrscheinlichsten Chronologie wurde Jesus in der Nacht vor dem Pschafest (13./14. Nisan) verhaftet und am Rüsttag des Pascha (wahrscheinlich Freitag, dem 14. Nisan des Jahres 30 n. Chr.) hingerichtet (Mk 14,1.12ff.). Am Morgen des übernächsten Tages wurde sein Grab leer gefunden (Mk 16,1ff.). In der ältesten Zeit wurde dieser erste Wochentag als " Herrentag" (Sonntag, vergl. Offb 1,10) im Gedenken der Auferstehung Jesu begangen; die Kirche feierte so allwöchentlich Ostern... Im Laufe des 2. Jh.s setzte sich jedoch, ausgehend von Rom, in der Kirche die Feier eines alljährlichen Gedenktages der Auferstehung durch, der am Sonntag nach dem jüd. Pascha lag. Die Datierung dieses O.-festes war lange Zeit strittig. Das Konzil von Nicäa (325 n. Chr.) löste den O.-Termin endgültig von dem des Pascha. Im 6. Jh. setzte sich die heutige Regelung durch, nach der O. auf den ersten Sonntag nach dem Vollmond fällt, der dem Frühlingsäquinoktium folgt.
Leicht gekürzt von TK.


Links zum Thema:

Eine Zeitleiste zum Thema Etrusker
Doppelausstellung zu den Etruskern I.
Doppelausstellung zu den Etruskern II.
Etwas zum Osterei