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Der Begleiter der Kaiserin : Nikolaus von Myra
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Was wäre das Weihnachtsfest ohne Sankt Nikolaus?
Obwohl kaum noch jemand etwas über den Bischof von Myra weiß (Christen hier nicht
ausgenommen), ist der Weihnachtsmann den ganzen Dezember über von einer unglaublichen
Präsenz: Von wegen "Heimlichkeit in der Weihnachtszeit", niemand entgeht ihm
und seinem pelzbesetzen roten Bademantel. Diese verkischte Form des Santa Claus tauchte 1931
zuerst in einer Cola-Werbung in den USA auf, ist heutzutage nicht mehr aus dem Dezemberstraßenbild
wegzudenken und kann sensiblen Gemütern mitunter das schöne Weihnachtsfest verderben.
Einer Arbeitsüberlastung des Nikolaus entgegen zu wirken, kommt bei vielen Familien (mitunter
auch aus Tradition) am Heilig Abend das "Christkind", und der Nikolaus hat bereits
am 6. Dez. seine Pflicht getan, wie es sich gehört. Wie es zu Komerz und Kitsch um Sankt
Nikolaus kam und warum er Weihnachten den Kindern und anderen Bedürftigen Geschenke bringt,
soll hier nicht Thema sein, sondern vielmehr wollen wir erläutern, wie der Heilige im
Frühmittelalter seinen Siegeszug in der Welt das Abendlandes begann. Als Hauptschuldige
haben wir die Byzantinerin unter den ottonischen Kaiserinnen ausgemacht: Theophanu. Vorher
ist aber zu klären: Wer war Nikolaus von Myra und warum war er in der östlichen Christenheit
bereits in Spätantike und Frühmittelalter so populär?
Nehmen wir die Legenden beiseite, wissen wir verhältnismäßig wenig über
den Bischof von Myra. Es gibt weder von ihm, noch über ihn ein Dokument. Auch Bilder vom
Nikolaus sind nicht auf uns gekommen. Erst 200 Jahre später ist ein Bericht entstanden,
der uns einiges über ihn auszusagen weiß: So soll er um 270 in Patara geboren und
vor 340 in Myra ( beide Orte in Lykien an der Levanteküste Kleinasiens) gestorben sein.
Er erlebte die letzte große Christenverfolgung unter Diokletian mit und blieb anscheinend
standhaft. Sein großes Ansehen führte zu seiner Bischofsernennung. In diesem Amt
nahm er am Konzil von Nicäa teil, das Kaiser Konstantin einberufen hatte und als erstes
allgemeines christliches Konzil angesehen wird. Diesem Konzil verdanken wir eine Verurteilung
der abweichenden Lehre des Arius und ein allgemeines Glaubensbekenntnis. Hier soll besonders
Nikolaus so unerbittlich aufgetreten sein, das sich der Kaiser gezwungen sah, zwecks Abkühlung
des heißen Gemütes Nikolaus eine Zeitlang einzukerkern. In seinem Bistum war der
Kirchenfürst jedoch als nächstenliebender Christ bekannt. Dies bezeugen die Legenden,
die sicherlich auf einen wahren Kern beruhen, zudem haben wir noch andere Anhaltspunkte für
seine Popularität. Denn sein Ansehen wuchs auch nach seinem Tod, was besonders durch das
vermehrte Auftreten des Namens Nikolaus in der Provinz Lykien nachzuweisen ist. Die nachfolgenden
Bischöfe Lykiens taten dem Sankt Nikolaus Ehre an, indem sie sich regelmäßig
am 6. Dez., seinem Todestag, in der Nikolauskirche in Myra zu einer Synode trafen. Die Zahl
der Nikolauslegenden wuchs durch das Auftreten eines weiteren bekannten Nikolaus, der als Abt
im 6 Jhd. starb, und dessen Lebensbeschreibung mittelalterliche Chronisten mit dem Leben des
eigentlichen Nikolaus von Myra versponnen. Das war umso leichter, da auch Abt Nikolaus in Lykien
lebte und ein besonderer Verehrer des Sankt Nikolaus gewesen war. Doch gerade die Vermischung
zweier Nikoläuse hat Zweifel an der Existenz des eigentlichen Nikolaus genährt und
führte dazu, dass Papst Paul VI. Sankt Nikolaus als anbetungswürdigen Heiligen aus
dem römischen Generalkalender strich. Vielleicht hat das den oben erwähnten Siegeszug
des Bademantel-Nikolaus noch unterstützt. Hoffentlich bringt nicht demnächst der
Heilige José-Maria in der Kath. Christenheit den Kindern zu Weihnachten die Geschenke!
Aber auch schon im 11. Jahrhundert sah man den Nikolaus-Kult gefährdet: Dafür dass
Sankt Nikolaus nicht mit dem Untergang seines Bistums durch die Invasion der türkischen
Seldschuken im 11. Jahrhundert dem Vergessen anheim fallen sollte, sorgte eine Expedition der
süditalienischen und vormals byzantinischen Stadt Bari, die 1087 mit drei Handelsschiffen
in Myra anlandete und kurzerhand die Gebeine des Sankt Nikolaus raubte und nach Italien mitnahm.
Ich möchte hemmungslosen Reliquienraub und schamlose Grabschändung nicht entschuldigen,
zudem noch angestachelt durch eine Expedition der Venezianer, die den gleichen Zweck verfolgte,
aber damit kam Sankt Nikolaus auch körperlich (oder was davon noch übrig war) im
Abendland an und ist seitdem daraus nicht mehr wegzudenken. Die Verehrung in der Ostkirche
kam dadurch nicht zum Erliegen, sondern steigerte sich auch dort noch.
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Aber zurück zur Kaiserin: Am 14. April 972 heiratete Otto II. in Rom die Byzantinerin Theophanu und beschenkte damit die deutsche Geschichte mit einer der eindrucksvollsten Frauengestalten, sich selber gewiß mit einer schönen und intelligenten Frau. Eine Menge deutet daraufhin, dass Theophanu den Heiligen Nikolaus mit im Gepäck hatte. Denn während die Nikolauskirchen im Kath. Abendland an einer Hand abzuzählen waren, bewirkte der Einfluß der Kaiserin die Neugründung von 12 Kirchen, denen nach der Wende vom 10. zum 11. Jahrhundert Hunderte folgten. Beweisen läßt sich dies allerdings nicht, es gibt nur Anhaltspunkte: So berief sich Otto III., Sohn der Theophanu, bei der Stiftung eines Benediktinerklosters in Aachen ausdrücklich auf seine griechische Herkunft bei der Wahl von Sankt Nikolaus als Patron für die Abtei. Auch die Theophanutochter Mathilde stiftete zusammen mit Ihrem Mann Pfalzgraf Ezzo ein Kloster, das der Obhut des Heiligen Nikolaus anvertraut worden ist. Jedoch die Nikolausikone in St. Johann Baptist in Aachen-Burtscheid, der Klosterkirche, die vom Ottonenkloster übrigblieb, läßt sich nicht zweifelsfrei der Zeit oder dem Besitz Theophanus zuordnen. Gewiß hat aber Theophanus mitgebrachte Nikolausverehrung dem Heiligen den Einzug ins Reich und in das übrige Abendland erheblich erleichtert. Die Überführung der Gebeine nach Bari und der Kontakt der Kreuzfahrer mit ostkirchlichen Heiligen mehr als Hundert Jahre später, steigerte die Popularität von Sankt Nikolaus weiter. Heute ist er, wie bereits gesagt, nicht mehr aus dem Abendland wegzudenken. Wenn er den roten Bademantel auszieht, muß er nicht nackt darstehen, sondern als das, was er ist: Sankt Nikolaus. Quelle u.a. : Mensing, Roman: Nikolaus von Myra, Düsseldorf, 2001.
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