Nachtrag:

So kommt der König wieder aus Sachsen! Die Edlen und das Volk, alle haben so entschieden und recht getan. Drum, Herzog aus Baiern, bescheide dich in deinem Los und fange nicht schon wieder an zu zänken. Die Würfel sind gefallen und von Rügen her weht ein scharfer Wind, der dir Weh und Schmerz bereiten wird, ziehst du dich nicht in eine deiner Burgen im Baiernland zurück. Dort braucht der König einen werten Mann!

Einige Gedanken zur baldigen Königswahl:

oben möchte ich den bairischen Herzog! Ja, loben möchte ich ihn: Brav hat er sein Land verwaltet, den Menschen, auch den Armen, zu Wohlstand und Auskommen verholfen. Treu hat er zur Kirche gestanden. Wacker hat er seine Grenzen beschützet. Ein Streiter ohne Fehl und Tadel ist er. Furchtlos sieht man ihn stets und auch harte Schläge erträgt er, ohne zu zucken. Mit Wort und Schwert weiß er gleichermaßen gut umzugehen. Glückliches Baiern, das einen solchen Herzog hat! An allen Feuern singen die Krieger sein Lob, von allen Kanzeln preisen ihn die Priester!

Gott hat einen jeden von uns an seinen Platz gestellt. Wo man steht, da soll man streiten in seiner Heerschar, zu Gottes Preis und für die eigene Ehre. So hört ich einst in hispanischen Landen: "Seinem Glauben entsagen oder Fahnenflucht begehen, das sind zwei gleichermaßen schimpfliche Dinge". Was hört ich aber unlängst vom bairischen Herzog, von dem ich eine hohe Meinung habe, wie ich eben schon sagte: Er habe gegen Kirchenfürsten gewettert und wolle nun sich gegen den Norden wenden, um König zu werden in den teutonischen Landen. Wer habe ihm dieses nur eingeredet? Kein Wunder, daß Gott nun Unwetter vom Himmel herabbeschworen habe und auch alles nicht mehr zum Rechten stände in bairischen Landen, seit sich der Herzog für die Königswürde rüste. Habe er diese denn nicht verdient?

Mögen andere etwas anderes sagen, ich dagegen werde raten: Herzog, bester der Baiern, stelle dich wieder an deinen Platz unter den deinen. Dort hast du sicher gestanden, wacker beschirmt die Lande und Gott hat Dir dort alle Wohltaten gegeben, die du nötig. Willst du nicht alles Unheil auf dich herabbeschwören und nur Schimpf ernten statt der Siegerkrone, so wende dich wieder heim. Denn da sind die Harzburgen, die Festungen an Saale und Elbe, unreichbare Gemäuer auf Thüringens Höhen. Willst du um jede Burg einzeln streiten, wenn sie dir nicht ausgeliefert. So erkenne denn: Niemals kannst du König in den teutschen Landen werden, dieser Platz gebührt einem Sachsen, einem Sproß von Widukinds Stamm. So hat es schon der alte Kaiser Karl entschieden, als Widukind sich unterwarf: Alle Länder zwischen den Meeren des Nordens und den Spitzen der Alpen seien den Sachsen untertan. Und die Landen sollen gleichsam gedeihen, wenn Sachsen regieren, so wie Baiern aufblühen wird, wenn du dort bleibst. Auf meine Worte höre wohl!

Burgkaplan Isidorus von Wettin macht sich so seine Gedanken zur teutschen Königswahl.

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© 2002 Letzte Änderung: Dienstag, 24.September 2002