Wie ein
Bibliothekar zu einem Schiff kam
Es war an einem Februarnachmittag,
als freundliche Sonnenstrahlen den sonst so trüben Tag aus dem Lesesaal der
Schulbibliothek vertrieben. Es waren nur noch einige Schüler in der Bibliothek,
die entweder den Weg nach Hause nicht antreten wollten, oder später noch Unterricht
hatten. Der Bibliothekar döste verträumt hinter seinem Ausleihcomputer
in den Feierabend hinein. Nichts konnte die vermeintliche Harmonie mehr stören.
Doch mit einem Ruck ging die Tür auf, locker und chaotisch, wie er es immer
zu sein vermag, kam der Buchhändler, der öfters mal vorbeischaute, mit
einem großen Karton Bücher unter dem Arm in die Bibliothek herein. "Pass
auf, es zieht..." konnte man noch vom Bibliothekar hören, aber da krachte
es schon laut - die Tür war zu. "...Oh, sorry..."! "Ist schon
O.K....was hast denn du da alles wieder mitgebracht?" "Nur ein bisschen
alten Plunder, uralte Bücher die eh keiner liest...hab ich auf dem Speicher
gefunden...schau es dir mal an, vielleicht willst du sie ja haben! Ansonsten schmeiß
ich sie weg, es frisst nur Platz", sagte der Buchhändler und drückte
dem etwas perplex aussehenden Bibliothekar die Bücher mit einem Ruck in die
Hand. Dieser sah sich die Bücher nach und nach an, blätterte hier und
da einmal durch, stöberte dort mal ein bisschen, bis er sich alle angesehen
und keins für vernünftig erklärt hatte. Er wollte schon sagen, dass
er keines haben wolle, aber da sah er ein kleines schwarzes Büchlein, nicht
größer als eine normale Diskette, auf dem allerlei wunderliche Buchstaben
standen, auf dem Boden liegen. Der Bibliothekar nahm das Buch in die Hand und sagte,
ohne das er es direkt wollte oder gesteuert hatte und wahrscheinlich eher aus Höflichkeit
dem Buchhändler gegenüber, damit der nicht ganz sinnlos gekommen ist:
"Das hier nehme ich, die anderen kannst du wieder mitnehmen!" "Und
du bist dir wirklich sicher, dass du kein anderes willst? Och nee, das ganze Zeug
wieder 3 Etagen runterschleppen...naja, was soll's, mach's mal gut, wir sehen uns
sicher bald wieder!" "Bestimmt", sagte der Bibliothekar. Nachdem
der Buchhändler - abermals mit einem lauten "Krach" - aus der Tür
verschwunden war, und alle, die noch in der Bibliothek waren, einmal reihum mit
dem Kopf geschüttelt hatten, schlug der Bibliothekar das Büchlein auf.
Darin stand, jetzt in Deutsch: "Wer dieses hier zuerst liest, wird der neue
Capitano sein!" Der Bibliothekar verstand erst gar nicht, und so beorderte
er Micha, Steffen, Norbert, Cédric, Caro und Anett zu sich, die noch mit
die letzten in der Bibliothek waren. Alle blickten einmal in das Büchlein.
Keiner verstand das, was darin stand wirklich, und so wollten alle wieder ihren
Tätigkeiten nachgehen, denn nachdenken war jetzt so ziemlich das letzte, was
man nach dem Schultag noch wollte. Doch plötzlich knallte es fürchterlich
laut, und das Büchlein verwandelte sich in ein winzi g kleines Schifflein,
nicht größer als ein Tischtennisball. Da grinsten alle und spotteten
über Tolito, der jetzt der Capitano eines Miniaturschiffes war!

Doch es knallte nochmals laut, und aus dem kleinen Schiffchen stieg unaufhörlich
Nebel auf. Man hörte es noch laut krachen und bersten, Scheiben klirrten,
dann ein Schrei von Tolito, der sich zu entfernen schien. Als der Nebel weg war,
sah die Bibliothek aus wie ein Schlachtfeld, die gesamte Fensterfront war zersplittert,
die Bücherregale zerstört, überall lagen Bücher herum, die
Tische waren zerbrochen, und das Dach war auch weg. Als erster überwand Micha
die Sprachlosigkeit, und er sagte einfach nur: "Na, da wird die Schulleitung
aber feiern...die glauben uns doch kein Wort....ein kleines Schiff ist gekommen
und hat die Bibo zerlegt...na Holla die Waldfee! " Dann sagte Steffen scharfsinnig:
"Wo ist eigentlich Tolito??" "Vielleicht ist er aus dem Fenster
gefallen?!" "Quatsch, Norbert, der stand doch genau hier, viel zu weit
weg vom Fenster!", sagte Anett. Doch plötzlich verdunkelte sich der Himmel
ein wenig, und die 6 schauten nach oben. 6 lange Tentakel kamen aus dem sich über
ihnen bewegenden Etwas, packte sie, und zog sie zu sich rein. Als sie die Augen
wieder auf machten, befanden sie sich in einem Raum, fast genauso aussehend wie
eine Käpitänskajüte in einem alten Schiff. Und vor ihnen stand,
frisch heraus geputzt und haargenau wie ein Kapitän von einem portugiesischem
oder spanischem Schiff gekleidet, Tolito. Über beide Ohren grinsend verkündete
er: "DAS ist mein Schiff, nicht das kleine von vorhin. Und das liebenswerte
Schiff hier hat mir in dem Logbuch da drüben mitgeteilt, was es ist, und es
war der Meinung, das ihr die passende Besatzung des Schiffes seid. Ist das nichts???"
Schweigen machte sich breit. Dann kam ein leises "Aha...", aber dann
verstummte man auch wieder. "Das Schiffchen hier heißt übrigens
Bibinautika, ist doch passend, gelle? Und es ist so groß, da können
wir hundert Mal Ringelpietz mit Anfassen machen und haben immer noch Platz!!!"
Wieder kam ein stumpfes "Aha...", denn es war schon wirklich eine etwas
unrealistisch wirkende Situation. "Ihr habt übrigens alle selbst eine
Kajüte, die sind alle sehr schön geräumig, sogar für dich,
Micha....kicher. Andere Namen habt ihr jetzt übrigens auch, aber die könnt
ihr euch aussuchen." "Dann nehme ich Buddha, denn der war nun wirklich
man nix normales, und das Schiff ist ja auch..." "Ja Steffen, wir wissen"
unterbrach ihn Micha "Ich mach's mir nicht so schwer, ich nehme Mischa!!"
"Ich nehme Gate...weiß eigentlich gar nicht warum...is halt cool."
"Ich bleib Caro, das ist auch einfacher..." "Und was soll ich nehmen?"
Sagte Anett vorsichtig. Und alle grölten mit einem Mal "Bonsania"
und somit war dies auch beschlossen. Nachdem sich alle ihre Kajüten angesehen
hatten, überlegte man sich eine Aufgaben Verteilung für alle einzelnen
Personen. Nach langen Diskussionen stand fest: Gate wird der neue Navigator, Buddha
der gelehrte und erste Offizier, Mischa die Leibgarde des Capitano und vorläufig
Koch, da kein anderer der hohen Kunst des Kochens so gut mächtig war, Bonsania
wurde die Person, die alle wichtigen Reisen und Touren bis ins letzte Detail planen
sollte, und Caro kam, auf Grund ihrer Größe, in den Ausguck. Damit stand
die Mannschaft und war bereit für die vielen folgenden Abenteuer.
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