In Quedlinburg wurde beschlossen, in das Gasthaus "Zum grunzenden Eber" zu gehen und dort zu nächtigen. Als sie die Tür öffneten, schlug ihnen die übliche schwere Luft einer Schenke entgegen. Cett analysierte treffend: Zehn Prozent Sauerstoff, drogenähnliche Pheromene und Alkohol, sowie Dinge, die man nicht erkennen möchte.

So könnte die Quedlinburg zu Zeiten Ottos des Großen ausgesehen haben.
Das Bild wurde entnommen: Tullner, Mathias: Mit´n in de Welt, Verlag Volk und Wissen

Egal was es war, umwerfend wirkte es auf jeden Fall. Ein wenig benommen strömte die Reisetruppe in das Gasthaus, das dadurch schlagartig sehr eng wurde. Tolito ging zum Wirt, um zu fragen, ob es noch Platz gäbe. Der Wirt bejahte dies und ließ Abendbrot auftischen. Die anderen Gäste zogen sich in eine Ecke zurück und blickten von ihren Tischen aus immer wieder zu den Neuankömmlingen herüber. Caro erkannte aus der Menge heraus die eigentlich junge Frau, die sie in Giebichenstein gesehen hatte, und ihren Begleiter wieder. Sie rückte näher zu Tolito heran und erzählte ihm von der Begebenheit auf dem Markt. Dieser überlegte kurz und gab ihr zu verstehen, dass sie sich ein bisschen umhören sollte. Sofort danach fragte Tolito Buddha, was für eine Tat die junge Frau gemeint haben könnte. Zuerst wusste Buddha auch keine Antwort und zog sich deshalb zu seinen Büchern zurück.

Indessen wurde das Abendbrot zum Tisch gebracht. Es wurde Brot und Speck aufgetischt und zum Durstlöschen gab es Bier oder Wasser. Die Gefährten waren nun schon einige Zeit im Mittelalter, konnten sich aber noch immer nicht an das Essen gewöhnen, so wurde diese Mahlzeit nur für Mischa eine Sättigung, da er für die anderen mitessen durfte. Cett sehnte sich seufzend einen interstellaren Döner herbei. Allmählich legte sich die Unruhe zwischen den Einheimischen wieder und keiner beachtete die Neulinge mehr. Die junge Frau verschwand durch den Hinterausgang. Caro folgte, wie Tolito sie angewiesen hatte, der Frau.

Buddha hatte inzwischen Cett zu Rate gezogen und beide schlossen sich in einen Nebenraum ein. Buddha blätterte in seinem handlichen Meyers Memo und Cett suchte in seinem elektronischen Geschichtsbuch - beides war eigentlich nur die Bibinautika in abgewandelter Form. Nach einer halben Stunde kamen beide wieder heraus und trugen den anderen ihre Ergebnisse vor.: "Im Jahre 941 n.Chr., in dem wir uns augenblicklich befinden, sollte zu Ostern ein Mordanschlag auf Otto I. verübt werden. Zum Glück wurde dieses Unterfangen an Otto verraten, so dass er eine Leibwache aus Franken aufstellen konnte. Aus diesem Grund trauten sich die Attentäter nicht, ihn anzugreifen. Das Geschehen trug sich hier in Quedlinburg zu", meinte Buddha. "Was machst du denn da mit der Mistgabel?", rief Knolle Cett zu. "Ich..Äääähm...na ja...Ich habe sie gerade geputzt...damit sie schöner aussieht..." Knolle schüttelte den Kopf und wandte sich wieder seinem Bierkrug zu." Cett hielt es dann für angemessener die Bibinautika wieder zurück zur Schaufel, welche sich schon schrecklich langweilte, zu legen.Tolito erzählte, dass Caro der Frau bereits gefolgt sei. Buddha riet Tolito, ihr zu folgen, damit ihr nichts Schlimmes zustieße. Nun konnten aber nicht alle so schnell wieder aufbrechen, wie sie gekommen waren, das würde auffallen. Also machten sich nur Buddha, Bonsania und Mischa auf die Suche nach Caro.

Caro hörte indessen der jungen Frau zu, wie sie mit zwei Männern redete. Der eine war groß und der andere war dieser Mann, den sie auf dem Markt gesehen hatte. "Der Aufstand wird schiefgehen!", sagte der erste ernst, "Alle werden gefangen genommen. Und wir werden sie wahrscheinlich nicht mehr lebend wiedersehen." meinte der andere. "Heiliger Bonifaz, vielleicht hast du recht!", sagte die Frau und stürzte sich dabei in die Arme des Letzteren,"Bitte Dedo, lass uns fliehen!" Caro überlegte, ob es Romeo und Julia nicht schon im Mittelalter gegeben hatte."Wir müssen aber zuschlagen. Sonst ist die ganze Arbeit umsonst gewesen.", sagte Dedo. Der andere antwortete: "Vielleicht ist es doch besser, wenn wir die Aktion abblasen, oder? Ich finde, es ist ein zu großes Risiko." "Wenn du jetzt aussteigen willst, dann geh und stör uns nicht! Geh mit Gott!" Nach diesem Gespräch trennten sich Dedo und die junge Frau von dem anderen Mann und alle drei wollten ihrer Wege gehn. Durch Zufall ging der einzelne Mann genau um die Ecke, hinter der Caro stand. Bei dem Anblick des Mannes erschrak Caro füchterlich und auch der Mann zuckte zusammen. Das sah Dedo und wurde blaß. "Es ist besser, du verrätst uns nicht", sagte er und stach seinen Kumpanen nieder. Er wollte auch auf Caro losgehen, aber gerade in dem Moment kam Mischa in die Nähe des Geschehens, und vor Angst um Caros Gesundheit stürmte er auf Dedo los. Dieser ließ von Caro ab, nahm die Frau bei der Hand und floh. Angesichts dieses Messerstechers blieben die Bibinautiker da, wo sie waren und kümmerten sich lieber um Caro und um den Verletzten.

Der Mann, der scheinbar im Sterben lag, würgte noch seine letzten Worte heraus: "Warum habt ihr ... was hab ich gemacht ... warnt den König ... der Anschlag ... Ostern ... rettet den König ...ächz ..." Darauf sagte Mischa langsam: "Das war doch das, was uns Cett und Buddha vorhin gesagt haben. Die wollen Otto umbringen..." Caro stand immer noch, völlig benebelt, neben der Leiche des Mannes und schüttelte den Kopf. Fragen schossen ihr durch den Kopf: "Warum wollte er uns warnen??? War er ein Verräter???"

Nach kurzer Zeit, die Caro für Stunden hielt, trafen auch Buddha und Bonsania ein. Caro erzählte die Begebenheit. Nach kurzem Überlegen stellte Buddha fest, dass, wenn dieser Mann wirklich der Otto warnende Verräter war, man nun selber Otto einen Fingerzeig geben müsste, um die Zeitfolge wieder in Ordnung zu bringen. Bonsania hatte schnell reagiert, spurtete zur Schenke und holte die anderen. Diese wollten erst nicht mitkommen, doch nachdem Bonsania sagte, es wäre jemand umgekommen, beeilten sie sich aufzubrechen. Tolito riss die Hände über dem Kopf zusammen und fluchte: "Wo sollen wir bloß mit der Leiche hin, die kriegen wir so schlecht durch den Zoll" Phille, als Schiffsarzt und Koch, untersuchte den Toten um nachzuschauen, was man noch machen könnte. Bei der Leibesvisite fand Phille eine Schriftrolle. Sie bestand aus gotischen Lettern, aber die Sprache war Latein. In der Schule hatten zwar alle Mitglieder der Crew Latein gelernt, aber niemand wusste noch etwas. Wie immer in solchen Fällen musste Buddha ran um der Crew zu übersetzen. In dem Brief an den König (!) stand, dass man einen Anschlag auf ihn verüben wollte. Tolito mahnte alle: "Wir müssen alles daran setzen, die Geschichte wieder in die richtige Bahn zu bringen, bevor sie sich völlig verändert und sich am Ende unsere eigene Existenz aufhebt! Wir müssen Otto diese Rolle unbedingt übergeben, und das möglichst schnell!"

Zum Glück hat der König uns Glauben geschenkt. Und gut, dass ihn seine Mutter zum Frühstücken rief!

Man beschloß, die Leiche hinter ein paar Kisten zu verstecken und ins Wirtshaus zurück zu eilen. Tolito fragte den Wirt nach dem Aufenhaltsort von König Otto. Der Wirt war zuerst misstrauisch und nur unter Aufwendung größter Mühen konnten sie ihn überzeugen, dass sie dem König nur helfen wollten. Er riet der Mannnschaft, dass sie versuchen sollten, durch die "Hintertür" in das Schloß zugelangen, denn das Anwesen war sehr gut von Ottos Mannen bewacht. Der Wirt wollte ihnen helfen. Zu diesem Zweck führte er sie in den Hinterhof. Dort stand ein Wagen, beladen mit Weinfässern. Es standen noch drei leere Fässer herum.

Der Wirt sagte: "Versteckt euch in diesen Fässer. Der Wagen verlässt morgen mit Sonnenaufgang meinen Hof und wird wenig später bei dem König ankommen." Gesagt, getan. Die Crew verteilte sich gleichmäßig auf die Fässer.

Am nächsten Morgen wartete man im Hof des Königs schon auf die Weinlieferung. Der Wagen wurde sogleich entladen und die Fässer in den Weinkeller gebracht. Cett entfuhr ein kurzer Aufschrei des Schmerzes, bekam dafür aber sofort einen Stoß in die Rippen. Nachdem alles ruhig war, kamen die Retter aus den Fässern wieder hervor. Plötzlich knarkste eine Tür und es kam der Mundschenk des Königs in den Weinkeller. Caro stellte ihm ein Bein, er fiel hin, wurde geknebelt und landete in einem der drei Fässer, aber Buddha tauschte vorher die Sachen mit ihm. Tolito gab ihm eine Karaffe voll Wein und schickte ihn die Treppe hoch. Am Ende des Ganges traute Buddha seinen Augen nicht: er sah einen riesigen Saal, der mit den prächtigsten Teppichen an Wand und Boden ausgestattet war. Buddha ging zum König und hätte ihm am liebsten dieses und jenes gefragt, besonders das, was nicht in den Geschichtsbüchern und Chroniken steht, aber er konnte sich gerade noch beherrschen. Schade eigentlich, dachte er, Tolito hätte das sicher alles gerne erfahren, aber unsere Aufgabe ist jetzt wichtiger. Mit den Worten "König, dies ist hier an der Pforte abgegeben worden", übergab Budhha dem König die Schriftrolle mit dem Hinweis, sie ernst zu nehmen. Otto las sie aufmerksam durch. Der König sprach zu Buddha: "Das sind sehr interessante Neuigkeiten. Also hat sich mein Bruder Heinrich nicht nur auf die Herzöge und auf die Entscheidung in der Schlacht vertraut, sondern auch noch die Sachsen zum Meuchelmord gedungen. Ostern also! Bis dahin ist noch Zeit. Wir werden per Eilboten getreue fränkische Reiter herbeibeordern, damit sie die Leibwache verstärken. Wer weiß, ob angesichts dieser Nachricht der sächsische Adel noch treu hinter mir steht." Nun erst schenkte sich Otto ein und sagte: "Der Wein ist nicht schlecht, schenk mehr davon ein! Und hernach bringe mir meinen alten Mundschenk wieder hoch. Wer weiß, in welches Faß ihr ihn gesteckt habt. Meint ihr ein König wäre blind? Aber wer immer ihr seid, ihr habt mir einen guten Dienst erwiesen, drum geht sicher eurer Wege."

Mit Schrecken sah Buddha, wie die Leibwache des Königs den Rest der Mannschaft, den er sicher im Keller vermutet hatte, hoch in den Thronsaal brachte. Aber als er sah, wie der König lächelte, fassten er und die anderen wieder Mut. Aber wie sollten sie erklären, wie sie hierher gekommen, wer sie waren udn all das andere? Er sah noch, wie Tolito Hanna nach vorne schob. Im Reden und Geschichtenerzählen war Hanna ganz große Klasse. Buddha wollte doch stark hoffen, dass sie diesen wißbegierigen König zufrieden stellen konnte. Ein Zufall kam ihnen zu Hilfe, und Hanna wurde nicht gefordert, denn ein Bote trat in den Saal. "Was soll die Störung", fragte König Otto. Daraufhin der Bote: "Königin Mathilde fragt an, ob ihr nicht recht bald zum Frühstücken ins Stift hinaufkommt. Sie hat Euch einiges zu sagen!" Der König erhob sich unwillig, was wollte seine Mutter nun schon wieder? Und entließ die Mannschaft der Bibinautika mit einer einer Handbewegung, als wolle er Fliegen verscheuchen. "Aber haltet euch bereit, ich habe noch viele Fragen!" Fragen beantworten war jedoch nicht das, was die Bibinautiker jetzt wollten.

"Da haben wir noch einmal Glück gehabt", meinte Cett. "Gut, dass es Mutter Mathilde gibt", ergänzte Hanna. Gate machte in einem abgelegenen Waldstück die Bibinautika startbereit. Alle stiegen ein, Schiff und Besatzung hatten vorläufig von der Ottonenzeit genug.

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