Epilog: Was die Quellen dazu sagen

Aus dem Logbuch der Bibinautika im Jahre 941 (Ostern in Quedlinburg: Prinz Heinrich verübt einen Mordanschlag auf seinen älteren Bruder Otto): Glücklich haben wir unser Abenteuer in der Ottonenzeit überstanden. Buddha hat all dies keine Ruhe gelassen, sondern er hat in den Speichern der Bibinautika gewühlt und noch einige Quellen zu dem Ereignis zusammengetragen, die wir hier nicht verschweigen wollen:

Thietmar von Merseburg * Hrotsvit von Gandersheim

Thietmar von Merseburg (975 - 1018) schreibt z.B.:

Im dritten Jahre der Regierung Otto's richteten Heinrich, sein Bruder, Herzog Everhard und Gisilbert, Graf der Lutharinger, mit anderen Beförderern ihrer Schlechtigkeit diesseits des Rheins große Verwüstungen an. Sowie aber Udo, Otto's Freund, dies erfuhr, eilte er hin, erschlug den Everhard, ertränkte Gisilbert mit seinen Genossen im Rhein und zwang Heinrich den König um Gnade zu bitten.

Seite der Originalhandschrift Thietmars

An anderer Stelle erfahren wir noch, was mit den Osterverschwörern geschah und dass auch Thietmars Großvater zu den Verschwörern gehörte:

Denn diesen, Namens Erich, hatte Otto nebst dem Bacco, Hermann, Reinward, Wirin, Eserich und den übrigen, die ihn zu Quedlinburg am Osterfeste zu ermorden versucht hatten, enthaupten lassen. Auch meinen Großvater Liuthar, der an demselben Plane Theil genommen hatte, wollte der Kaiser damals hinrichten lassen, allein auf den Rath vertrauter Fürsten schickte er ihn als Gefangenen nach Baiern zum Grafen Bertold, sein ganzes Vermögen aber ließ er einziehen und weit und breit vertheilen. Erst nach Verlauf eines ganzen Jahres erlangte Liuthar die Gnade des Königs und alles Seinige wieder, und bekam dazu noch eine große Geldsumme und ein Gut zwischen Sonterslevo und Bodenswege [Gutenswegen].

Ein Dedo war nicht dabei, aber dieser war vielleicht auch zu unbedeutend.

Ausführlicher, aber auch poetischer ist Hrotsvit von Gandersheim (ca. 936 - ca. 973), wir belassen hier das Versmaß:

Aber es nahmen noch immer kein Ende die Listen des Erzfeinds,
Welcher beständig versucht zu verwirren die schwachen Gemüther,
Rathend nach übelem Thun noch schlimmeres ihm zu gesellen.
Wirklich soll er, so heißt's, durchdrungen haben die Herzen
Etlicher so mit der Galle verderbenbringenden Giftes,
Daß sie wollten den Tod dem treuen König bereiten,
Und den leiblichen Bruder dem Volk zum Könige setzen,
Und nicht scheuten, der Ostern geheiligten Tag zu beflecken,
Wenn dies könnte geschehn, mit vergossenem Blut des Gerechten.
Aber es willigte nicht in solchen Frevels Vollendung
Jenes gefeierte Lamm, das uns dem Verderben entreißend,
Sich freiwillig zum Opfer dem Vater im Tode dahingab,
Sondern es machte gar bald für jeglichen klar ihr Beginnen.
Und so wurde das Blut des Gerechten glücklich errettet.
Doch die schuldig man fand so niederträchtiger Pläne,
Wurden gemäß dem Vergehen zu harten Strafen verurtheilt.
Etliche nämlich verdammte der Spruch, ihr Leben zu lassen,
Andere wurden verjagt weit fort von der theueren Heimat.

Das deckt sich mit Thietmar, der König deckte die Verschwörung auf (dank unserer Hilfe). Die Verschwörer wurden hingerichtet oder wie Thietmars Großvater aus dem Land gewiesen. Aber was geschah mit dem Hauptübeltäter, Prinz Heinrich?

Hrotsvit von Gandersheim und ihr König

Hierauf dachte darüber der fürstliche Bruder des Königs
Heinrich, im Inneren des Herzens bewegt durch Gnade des Herren,
Bei sich nach, mit heftigem Schmerz sich dessen erinnernd,
Was er wieder das Recht nur jemals hatte begangen.
Aber vor allem beweint' er auch dies mit heftigen Klagen,
Daß er so schmählich gewichen den schmeichelnden Reden von jenen,
Die mit trügenden Worten ihn selber hatten gefangen.
Aber wie schwer er auch trug im Herzen so große Betrübniß,
Dennoch getraut' er sich nicht, in langhindauerndem Zeitraum


Gegenüberzutreten den Blicken des Königes selber,
Sondern allein von fern, aus eifrigem Drange des Herzens,
Fleht' er, es werd' ihm verliehen das süße Geschenk der Verzeihung.
Aber zuletzt fürwahr von mächtiger Liebe bezwungen
Warf er hinweg vom Gemüth urplötzlich die Furcht vor der Strafe,
Und bei nächtlichem Dunkel, gehüllt in tiefes Geheimniß,
Kam er in Eile herbei, zur Königsstadt sich begebend,
In der eben sich rüstet der fromme König, zu feiern
Demuthsvoll, wie geziemet, des ewigen Königs Geburtsfest.
Und nachdem er sich hatte des köstlichen Schmuckes entkleidet,
Wählt er zum Anzug aus ein Gewand nur schlecht und geringe.
Unter den heil'gen Gesängen der hochehrwürdigen Weihnacht
Nackten Fußes betretend die heilige Schwelle des Domes,
Scheut' er sich nicht vor grimmigem Frost beim Toben des Winters,
Sondern er warf sich nieder am heil'gen Altar mit dem Antlitz,
Fest anschmiegend den adligen Leib der gefrorenen Erde.
So mit der ganzen Gewalt des schmerzlich bewegten Gemüthes
Flehte der Herzog darum, der Verzeihung Geschenk zu gewinnen.
Als es der König vernommen, besiegte die Liebe die Strenge,
Und des nahenden Festes, das alle verehren, gedenkend,
Bei dem Friede der Welt verkündet die Himmelsbewohner,
Ihres Königes froh, von zarter Jungfrau geboren,
Daß er liebend erlöse die Welt, schon reif zum Verderben;
Solchem Tage mithin, dem Bringer des Friedens zur Ehre,
Fühlt' er Erbarmen, gerührt vom Schuldbekenntniß des Bruders,
Und gönnt liebend ihm wieder Besitz von seiner Geneigtheit,
Nebst dem ersehnten Geschenk von seiner vollen Vergebung.
Aber nachdem ein Weilchen in kürzerer Frist nun vergangen,
Gab er in seine Gewalt die Großen alle, die zählet
Jener gewaltig gepriesene Stamm des Bairischen Volkes,
Selbigen ganz nach Würden zum mächtigen Herzog erhebend.
Und seitdem ward später die Zwietracht nimmer erneuert
Unter ihnen, vereint im Bruderbunde von Herzen.

Das geht richtig zu Herzen. Und wir sind sicher, Buddha wird noch mehr Quellen finden, z.B. Widukinds Sachsenchronik (um 968), aber diese sollten wir ein andermal einfügen. Für heute schließen wir das Logbuch einstweilen. Die Bibinautika.

Hier geht es weiter zu Informationen über die Ottonenzeit oder zurück zum Inhaltsverzeichnis