Die Azoren : Neun Blumentöpfe aus Vulkangestein im Atlantik

 

 

Vila Vista do Vale

 

Die Quinta Vista do Vale war ein wundervolles Quartier mit vier Schlafräumen, drei Bädern, Küche, Wohnzimmer, Terrasse, Balkon, Wintergarten, einer großen Diele mit Kamin, genannt Rittersaal, eigenem Blütengarten mit kleinem Pool. Wären die Betten nicht zu kurz, die Elektrik nicht so marode und die Cucarachas nicht so groß wie aus Spielbergs Trickkiste, würde ich sagen, absolut perfekt. Immerhin wurden wir mit den Widrigkeiten schnell fertig und die wichtige Waschmaschine soll hier nicht unerwähnt bleiben. Den ersten Tag beendeten wir im Wohnzimmer, in dem seit der Mondäne der Sechziger die Zeit stehengeblieben war: Das Knarren der Holzwürmer konnte man mit Phantasie für die Geräusche halten, die der junge 007, Sean Connery, beim Reinigen seiner Waffe oder beim Vernaschen einer mit B52 ausgestatteten Schönen verursachte, ganz nach Belieben. Torsten hatte jedenfalls Wein im Gepäck und wir tranken den letzten Tropfen des Tages gelassen aus. Es nieselte weiter, wäre die Bougainvillea nicht vor dem Fenster, man hätte denken können, wir wären in Schottland und nicht in einem azoreanischen Krater. Dieses Zimmer mit Blick auf Kraterrand und Ort nutzten wir am Abend noch oft. Hier saßen wir im Kerzenschein und lasen unsere Bücher. Hier hatte Torsten Beyer seinen Weltempfänger, verkündete uns die neuesten Nachrichten aus Deutschland, befriedigt nahmen wir zur Kenntnis wie schlecht das Wetter dort sei.